Roland Schmierer, der Vorsitzende des Bürgervereins, sitzt in der prallen Sonne. In der Ortsmitte von Neckarweihingen sind Schattenspender rar. Foto: Simon Granville
Der Bürgerverein in Ludwigsburg-Neckarweihingen bemängelt, dass es keinen Trinkwasserbrunnen und zu wenig Bäume im Ort gebe – und man für den Klimawandel nicht gewappnet sei.
Christian Kempf
14.08.2025 - 13:19 Uhr
Die aktuelle Hitzewelle dürfte nur ein Vorgeschmack darauf sein, womit sich Mitteleuropäer in Zukunft arrangieren müssen: Temperaturen an der 40-Grad-Marke, sinkende Pegelstände der Flüsse und vertrocknete Pflanzen. Eine Szenario, auf das man sich in dem Ludwigsburger Ortsteil Neckarweihingen derzeit nicht ausreichend vorbereitet fühlt.
Roland Schmierer, der Vorsitzende des Bürgervereins, bemängelt vor allem, dass es in dem Ludwigsburger Stadtteil keinen einzigen öffentlichen Trinkwasserspender gibt. „Dabei haben wir immerhin 7000 Einwohner“, sagt Schmierer.
Zwar verfüge der Ort über zwei Brunnen. Doch bei beiden werde ausdrücklich per Schild darauf hingewiesen, dass das Wasser nicht zum Trinken geeignet sei. Schmierer sieht in der Hinsicht auch eine Unwucht im Vergleich zur Kernstadt, wo in den vergangenen Jahren mehrere Trinkwasserspender installiert worden seien. „Das ist gut und schön für die Innenstadt von Ludwigsburg. Aber es kann nicht sein, dass die Stadtteile außen vor bleiben“, sagt Schmierer.
Er könne sich im lang gezogenen Neckarweihingen vier Standorte für eine Anlage vorstellen, an der sich Passanten an heißen Tagen erfrischen können: im Gebiet Au, in der Ortsmitte, bei Edeka und im Ladenzentrum Landäckerstraße. Wobei der Stadtteil aus Sicht des Oberstudienrats damit längst noch nicht gewappnet für den Klimawandel wäre. „Es gibt auch zu wenig Grün im Ort. Die Ortsmitte ist zwar schön und neu gestaltet worden. Aber wir haben hier nur zwei junge und noch kleine Bäume und lediglich einen älteren Baum, der wirklich Schatten spendet. Das ist einfach zu wenig“, findet Schmierer.
Es gibt zwar Brunnen in Neckarweihingen. Das Wasser ist aber nicht zum Trinken geeignet. Foto: Simon Granville
Besserung scheint jedoch in Sicht. Im Neubaugebiet Schauinsland sei in direkter Nachbarschaft zu einem Kindergarten bereits eine „großzügige“ Blühfläche mit insekten- und vogelfreundlichen Wildgehölzen angelegt worden, betont Karin Brühl, Pressesprecherin der Stadt Ludwigsburg. Fürs kommende Jahr seien dort außerdem Baumpflanzungen sowohl im Straßenraum als auch auf dem Quartiersplatz vorgesehen. Entsprechende Mittel seien im Haushalt eingeplant.
Grundsätzlich werde darüber hinaus beim Umbau von Straßen versucht, möglichst viel Fläche zu entsiegeln und Bäume zu pflanzen. Letzteres scheitere aber oft daran, dass sich Leitungen im Untergrund befänden. „Aufgrund der derzeit angespannten finanziellen Lage der Stadt Ludwigsburg wird die Priorität zudem auf Maßnahmen gelegt, für die Fördermittel zur Verfügung stehen“, stellt Karin Brühl klar. An der Haushaltssituation liege es auch, dass nicht gleichzeitig überall Trinkwasserbrunnen aufgestellt werden könnten. Jede einzelne Anlage schlage mit rund 10.000 Euro zu Buche. „Die bisherigen Trinkbrunnen wurden durch das Landesförderprogramm Klimopass oder durch Sponsoren bezuschusst. Ob weitere Brunnen aufgestellt werden, hängt insofern unter anderem auch davon ab, ob sich weitere Sponsoren finden und ob das Förderprogramm wieder aufgelegt wird“, erläutert Brühl. Weitere Standorte würden auf alle Fälle geprüft.
Wobei die Pressesprecherin hervorhebt, dass keinesfalls nur in der Kernstadt Trinkwasserbrunnen angeschlossen wurden. Seit Neuestem könnten Passanten ihren Durst auch in Eglosheim auf dem Tammer Platz und in Hoheneck an den Uferwiesen löschen.
Allerdings könnten auch die Bürgerinnen einen wertvollen Beitrag zum Stadtklima leisten, indem sie etwa ihre Grundstücke entsiegeln sowie Bäume pflanzten und bewahrten. Gerade der Erhalt „der vorhandenen, großen und wertvollen Bestandsbäume ist eine der nachhaltigsten und besten Hitzeschutzmaßnahmen“.