Kroatiens Kapitän Domagoj Duvnjak Der unverzichtbare Handballer

Von Jürgen Frey 

Domagoj Duvnjak ist der absolute Schlüsselspieler im kroatischen Nationalteam bei der Handball-EM. Ein Porträt des Starspielers beim deutschen Hauptrunden-Gegner.

Domagoj Duvnjak (links) im Duell mit Martin Popovski. Foto: AFP/Christof Stache
Domagoj Duvnjak (links) im Duell mit Martin Popovski. Foto: AFP/Christof Stache

Wien - Domagoj Duvnjak ist ein äußerst höflicher Mensch. „Darf ich noch etwas trinken“, fragt er bevor der Interview-Marathon in der Mixed Zone der Wiener Stadthalle beginnt. Der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft nimmt einen Schluck stilles Wasser und gibt anschließend bereitwillig Auskunft. „Wir haben viermal gespielt und haben viermal gewonnen, wir sind gut in Form“, sagt der 31-Jährige. Wer denn im EM-Hauptrunden-Klassiker an diesem Samstag (20.30 Uhr/ZDF) Favorit sei? „Deutschland“, antwortet das Rückraumass vom deutschen Rekordmeister THW Kiel und verzieht dabei keine Miene – trotz der etwas ungläubigen Blicke der Journalisten.

Kroatiens Fans verwandeln jede Partie zum Heimspiel

Die bisher konstant starken Auftritte im Stile eines Spitzenteams, die Besetzung des Kaders, die frenetischen Fans, die sogar das Spiel gegen Gastgeber Österreich in der Wiener Stadthalle zum Heimspiel machten, sprechen eigentlich für Kroatien. Und dann ist da ja noch Kapitän Duvnjak selbst. Dieser begnadete Ausnahmehandballer, die Seele des kroatischen Spiels, dieser Mann der Superlative, der schon als Messi des Handballs bezeichnet wurde. Doch der Vergleich mit dem sechsmaligen Weltfußballer aus Argentinien bringt es nur bedingt auf den Punkt. Schließlich ist Duvnjak vorne wie hinten stark, der Welthandballer von 2013 ist der Dreh- und Angelpunkt in Abwehr und Angriff. Deshalb passt eine andere Bezeichnung viel besser zu ihm: Domagoj „Dule“ Duvnjak ist schlicht und ergreifend der Unverzichtbare.

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„Dule ist der unangefochtene Anführer dieser Mannschaft und der Coach auf dem Spielfeld“, sagt Kresimir Kozina. Der Kreisläufer von Bundesligist Frisch Auf Göppingen hat über 30 Mal mit Duvnjak in der Nationalmannschaft zusammengespielt, für diese EM wurde der 29-Jährige nicht nominiert.

Wie lange hält Duvnjak durch?

Was den Wahl-Göppinger am kroatischen Kapitän Duvnjak besonders imponiert, ist seine überragende Einstellung zum Handballsport: „Dule hat so ein unglaublich großes Herz, er hat überall am Körper blaue Flecken, sieht manchmal richtig kaputt aus, weil er immer dahin geht, wo es wehtut. Doch mit dem Anpfiff des nächsten Spiels ist er wieder ein neuer Mann.“

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Trotz dieser außergewöhnlichen Nehmerqualitäten wird im Duell mit Deutschland und auch im weiteren EM-Verlauf die entscheidende Frage sein: Wie lange hält Duvnjak durch? Er teilt sich mit den internationalen Topleuten Luka Cindric (FC Barcelona), Luka Stepancic (Pick Szeged) und Igor Karacic (Vive Kielce) die Aufgaben im Rückraum. Nur einer aus dem Quartett kann immer pausieren, das wird auf Dauer eng. „Die Belastung kann zu unserem Problem werden“, vermutet Kozina.

Kroatien hat die „beste Deckung der Welt“

Geht Duvnjak die Puste aus, würde das die Kroaten mit Abstand am Härtesten treffen. Zumal mit ihm an vorgezogener Front das Team von Trainer-Ikone Lino Cervar (69, „Der Magier von Umag“) seine 5:1-Abwehr auf beeindruckende Art perfektioniert hat. Für Kozina steht fest: „Unsere Deckung ist die beste der Welt.“ Und dahinter steht in Marin Sego (Montpellier Handball) ein Torwart, der sich in exzellenter Form befindet. Diese Hintermannschaft zu knacken, wird die Herkulesaufgabe fürs deutsche Team. Kozina rechnet mit einem 24:22-Sieg für Kroatien. Duvnjak, der sich auf heiße Duelle mit seinen Kieler Vereinskollegen Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler einstellt, wäre vermutlich viel zu höflich für solch einen Ergebnistipp. Außerdem ist Deutschland ja ohnehin der Favorit für den Unverzichtbaren…