Kryptoanlagen Die Bitcoin-ETFs kommen – was haben Anleger in Deutschland davon?
Die Zulassung neuer Bitcoin-ETFs in den USA wird am Kryptomarkt gefeiert. Experte Marcel Heinrichsmeier von der DZ-Bank erläutert die Hintergründe.
Die Zulassung neuer Bitcoin-ETFs in den USA wird am Kryptomarkt gefeiert. Experte Marcel Heinrichsmeier von der DZ-Bank erläutert die Hintergründe.
Seit über zehn Jahren sehnen Kryptoanhänger einen Bitcoin-ETF herbei, der den Kurs zuverlässig durch direkte Investitionen in die Digitalwährung abbildet – im Fachjargon nennt sich das Bitcoin-Spot-ETF. Jetzt hat die US-Börsenaufsicht grünes Licht für solche Finanzprodukte gegeben. Analyst Marcel Heinrichsmeier von der DZ-Bank erklärt im Interview, was das bedeutet:
Herr Heinrichsmeier, warum sind Kryptoanleger so erpicht auf Bitcoin-Spot-ETFs?
Hintergrund ist die Hoffnung einiger Marktteilnehmer auf ein nun steigendes institutionelles Engagement und somit enorme Mittelzuflüsse in den Bitcoin. Spot-ETFs öffnen institutionellen Anlegern mit traditionellen Finanzprodukten, günstigen Gebühren und hoher Liquidität das Tor zur ältesten Kryptowährung der Welt.
Was ist daran neu?
Bitcoin-Spot-ETFs investieren direkt in Bitcoin und beruhen daher auf den aktuellen Preisen. Die physische Kryptoverwahrung wird entweder selbst über die Vermögensverwalter oder über Drittparteien wie Kryptobörsen durchgeführt. Diese Eigenschaften sind der wichtige Unterschied zu den schon seit über zwei Jahren zugelassenen Bitcoin-Futures-ETFs, welche nicht direkt in Bitcoin investieren, sondern über Terminkontrakte, die nicht den aktuellen Bitcoin-Kurs abbilden.
Was ändert sich dadurch am Kryptomarkt?
Die verwalteten Vermögen der Finanzinstitute, die nun von der US-Börsenaufsicht SEC grünes Licht für Bitcoin-Spot-ETFs bekommen haben, belaufen sich auf einige Billionen US-Dollar. Eine geringe Allokation dieser Gelder in die Kryptowährung könnte einen nachhaltigen Preisauftrieb nach sich ziehen, so die Hoffnung einiger Marktteilnehmer.
Bieten die neuen ETFs auch Privatanlegern Vorteile gegenüber den bisherigen Möglichkeiten, in Bitcoin zu investieren?
Für Privatanleger sind diese ETFs nicht bahnbrechend. Das Angebot richtet sich eher an institutionelle Anleger. Privatanleger haben bereits komfortable und kostengünstige Möglichkeiten, in Bitcoin zu investieren, ohne dass sie diese selbst auf dem PC oder einem USB-Stick verwahren müssen – etwa über Kryptobörsen. Gewisse Marktteilnehmer könnten einen Vorteil darin sehen, ihre Investition in Bitcoin über einen bekannten, etablierten und vertrauten Zugang sowie Vermögensverwalter zu tätigen.
Werden in absehbarer Zeit auch in Deutschland Bitcoin-ETFs erhältlich sein?
In Deutschland gibt es aus regulatorischen Gründen keine ETFs auf Einzelwerte und somit nicht auf Bitcoin. Hierzulande gibt es dagegen von Vermögensverwaltern schon sogenannte Exchange-Traded-Products (ETPs), welche direkt in Bitcoin investieren.
Wie werden Bitcoin-ETFs auf längere Sicht die Kurse von Kryptoanlagen beeinflussen?
Grundsätzlich lässt sich kein fairer Wert von Kryptowährungen berechnen. Deshalb geben wir auch keine Prognosen ab. Vorhersagen, der Bitcoin werde bald über eine Million US-Dollar kosten, sind Werbetouren interessierter Kreise und nicht mehr als ein Blick in die Glaskugel. Sollten tatsächlich geringe Prozentsätze der institutionell verwalteten Vermögen in Höhe von Billionen US-Dollar in Bitcoin über Spot-ETFs fließen und dementsprechend die Nachfrage zunehmen, würde dies dem Bitcoin-Kurs langfristig Auftrieb geben. Hinter diesem Szenario stehen aber Fragezeichen.
Warum?
Viele Investoren sehen Bitcoin weiterhin als wertlos an oder scheuen sich aufgrund der hohen Volatilität und der Gefahr eines Totalverlusts vor dem Risiko. Nur weil es die Option der Spot-ETFs gibt, heißt es nicht im gleichem Atemzug, dass vor allem institutionelle Investoren in nennenswertem Umfang nun auch in Bitcoin investieren. Gerade konservative Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen könnten sich schwertun. Zudem fehlt in den USA weiterhin ein einheitliches Kryptoregelwerk und die US-Börsenaufsicht hat weiterhin Klagen gegen mehrere Kryptobörsen am Laufen.
Ist nun auch mit ETFs auf andere Kryptoanlagen zu rechnen?
Spannend zu sehen ist zumindest, dass nach der SEC-Bekanntgabe bisher der Kurs von Ether gegenüber Bitcoin weit mehr profitieren konnte. Das ist darauf zurückführen, dass Marktteilnehmer nun die Hoffnung haben, dass demnächst auch Ether-Spot-ETFs von der Börsenaufsicht bewilligt werden.
Glauben Sie, dass Bitcoin, Ether und Co. sich als fester Portfolio-Baustein durchsetzen?
Stand heute ist dies bis auf wenige Einzelfälle noch nicht zu erkennen. Global gesehen spielen die angesprochenen Exchange-Traded-Products und Kryptowährungen im Allgemeinen bei der Portfolioallokation institutioneller Anleger noch eine untergeordnete bis keine Rolle. Ob die Einführung der Bitcoin-Spot-ETFs das Blatt wendet, bleibt abzuwarten. Selbst bei zunehmender Regulierung ist das keine Garantie für eine geringere Volatilität. Auch der Hackerangriff auf den X-Account der SEC und die darauffolgende Reaktion der Krypto-Community in Form von Häme und Spott sind für das Image von Bitcoin und den gesamten Kryptomarkt nicht vertrauensfördernd.