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Ksenija Sidorova Akkordeon-Virtuosin in der Liederhalle

Von Gabriele Metsker 

Ksenija Sidorova bringt am 21. Dezember mit ihrem Akkordeon die Liederhalle in Stuttgart zum Strahlen.

Ksenija Sidorova liebt es, die Möglichkeiten des Akkordeons voll auszuschöpfen.  Foto: Liene Peterson
Ksenija Sidorova liebt es, die Möglichkeiten des Akkordeons voll auszuschöpfen. Foto: Liene Peterson

Als Prinzessin des Akkordeons wird Ksenija Sidorova gerne bezeichnet. Das mag mit daran liegen, dass die lettische Musikerin nicht nur ihr Instrument sehr virtuos beherrscht, sondern ihre Auftritte darüber hinaus stets etwas Strahlendes und Glamouröses haben.

Genau genommen ist Ksenija Sidorova vielleicht vor allem die Botschafterin des Akkordeons. Denn wer auch nur eines ihrer Programme gehört hat, der versteht, wie vielseitig das transportable Tasteninstrument ist, und dass es auf einer großen Konzertbühne ebenfalls seinen Platz hat wie im kleineren Kreis, wo dann eher traditionelle, lokal gefärbte Klänge im Vordergrund stehen.

Das Akkordeon ist kein Leichtgewicht

Leicht macht es sich die Künstlerin damit im wahren Sinne des Wortes nicht. Denn ihr Instrument wiegt 21 Kilogramm, und sie spielt nicht nur auf ihm, sie trägt es, wenn sie unterwegs ist, auch immer selbst. „Ich muss ins Fitnessstudio gehen, damit ich imstande bin, es hochzuheben“, verrät sie. Das soll jedoch keineswegs davon ablenken, mit wie viel Energie sie sich dafür einsetzt, die künstlerischen Möglichkeiten, die ein Akkordeon einem Musiker bietet, auf das Schönste zu demonstrieren und bekannt zu machen. Dafür schreibt sie nicht nur selbst Arrangements, sondern gibt auch Werke bei zeitgenössischen Komponisten in Auftrag.

Die große Bandbreite von Ksenija Sidorovas Repertoires und die Wandlungsfähigkeit ihres Akkordeons wird sie am 21. Dezember in der Liederhalle unter Beweis stellen. Das Spektrum der Komponisten reicht an diesem Abend von Johann Sebastian Bach über Igor Strawinsky bis hin zu Astor Piazzolla.

Nicht zu vergessen: die beiden Komponisten Alexey Arkhipovsky und Anatoly Kusyakov, die in Deutschland nicht sehr bekannt sind, in ihrem eigenen Kulturkreis aber sehr wohl. Arkhipovsky, Jahrgang 1967, ist ein in Russland sehr erfolgreicher Balalaika-Spieler, Kusyakov ein renommierter Komponist für Akkordeon. Von ihm erklingt „Autumnal Sceneries“; Arkhipovskys „Cinderella“ wurde von einem Freund Sidorovas fürs Akkordeon transkribiert.

Der Tango spielt immer eine Rolle

Ksenija Sidorova liegt viel daran, in ihren Programmen zum einen die Möglichkeiten moderner Akkordeonklänge und zeitgenössischer Kompositionen zu erforschen, zum anderen aber auch die unverwechselbare Melancholie der traditionellen Musik in die Welt zu tragen.

Und dann ist da natürlich noch der Tango, der eigentlich bei all ihren Konzerten eine Rolle spielt. „Ich liebe Astor Piazzolla“, sagt die Virtuosin. „Er begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich liebe das Spektrum, das er bietet.“ Dass er seine Kompositionen in der Regel fürs Bandoneon geschrieben hat, spielt dabei keine Rolle. „Beide Instrumente gehören ja zur selben Familie“, erklärt sie. Etwas vereinfacht gesagt, ist ein Bandoneon dort, wo ein Akkordeon Tasten hat, mit Knöpfen ausgestattet.

Beim Konzert in Stuttgart wird Ksenija Sidorova auch einen Tango von Igor Strawinsky spielen. Ein Stück also, das man mit diesem vielleicht gar nicht so ohne Weiteres in Verbindung bringen würde. „Ich finde den Vergleich interessant“, sagt sie. Dieses Stück hat sie selbst transkribiert. „Ich genieße es, Tango-Musik zu spielen. Sie passt so gut zum Instrument, und sie hat etwas Nostalgisches. Ich mag die Emotionalität. Sie spricht zu mir, und ich habe das Gefühl, damit etwas zu sagen zu haben. Das ist eine ganz persönliche Erfahrung.“

Ein reiches, vielseitiges Instrument

Ganz anders ist da Sidorovas Bezug zu den Werken von Johann Sebastian Bach. Bei diesen Transkriptionen erkennt sie die Beziehung zum Klang der Orgel, der mit Werken des Barock-Komponisten ja eng verbunden ist. „Im Konzert möchte ich das Akkordeon als reiches, vielseitiges Instrument vorstellen.“

Das Klavierspielen hat sie zwar ebenfalls gelernt, jedoch hat Sidorovas Herz von Anfang an für das Akkordeon geschlagen, das sie überallhin mitnehmen kann. Nahegebracht hat ihr dieses Instrument ihre Großmutter, als sie sechs Jahre alt war. Die Entscheidung, aus dem Akkordeonspiel einen Beruf zu machen, kam wenig später. „Ich glaube, da war ich ungefähr zwölf. Und meine Eltern und ich mussten die Entscheidung treffen, ob ich ein richtig gutes, teures Akkordeon kaufe.“ Bei einer Anschaffung im Wert von 10 000 Euro stellte sich da durchaus die Frage, ob sie mit dem Akkordeonspiel wirklich weitermachen würde.

Aber wie heute zu sehen und zu hören ist, haben Ksenija Sidorova und ihre Eltern damals die richtige Entscheidung getroffen. Und das Publikum freut sich über königlichen Musikgenuss.

Ksenija Sidorova: 21. Dezember, 19 Uhr, Liederhalle, Tickets unter 07 11 / 52 43 00