KSK in Leonberg Politik spielt den Ball an die Sparkasse zurück

Von Thomas K. Slotwinski 

assen sich Wohnungsbau und Ökologie vereinbaren? Die Frage harrt beim KSK-Projekt der Antwort.

Blick auf das Gelände. Foto: factum//Simon Granville
Blick auf das Gelände. Foto: factum//Simon Granville

Leonberg - Auf null gestellt werden die Uhren nicht. Doch nachbessern soll die Kreissparkasse ihre Neubaupläne in der Grabenstraße schon. Mit dieser „Hausaufgabe“, wie es Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) formuliert, schickt der Gemeinderat den Leonberger Sparkassen-Chef Steffen Killian nach intensiver Diskussion um Städtebau und Umweltschutz zu seinem Vorstand in Böblingen. Denn die bisherigen Pläne der Architekten, das zeichnete sich in der Debatte ab, scheinen nicht mehrheitsfähig.

Das will die Kreissparkasse

Das 58 Jahre alte Gebäude, einst Hauptsitz der damals eigenständigen Kreissparkasse Leonberg, an der Ecke Grabenstraße/Stuttgarter Straße, ist deutlich in die Jahre gekommen. Das Kreditinstitut will daher nicht nur einen Neubau errichten, sondern auf dem insgesamt 7100 Quadratmeter großen Gelände vier Häuser mit etwa 70 Wohnungen errichten.

Ursprünglich hatte der in Böblingen ansässige KSK-Vorstand sogar 120 Wohnungen im Auge. Diese Pläne wurden nach Protesten aus dem Leonberger Gemeinderat auf 70 abgespeckt. Ein Viertel davon soll bezahlbar, also sozial gefördert sein. Vor allem die Erlöse der privat vermieteten Wohnungen sollen das Gesamtprojekt refinanzieren. Deshalb sind Penthäuser auf den Dächern geplant. Die Gebäude wären fünf Etagen hoch und würden nahe an die Straße gebaut.

Die Kritik aus der Politik

Genau hier setzt die Kritik an. Fünf Etagen würden nicht nur die Frischluftschneisen in die Stadt beeinträchtigen, befürchtet Wolfgang Schaal. Auch städtebaulich ist der Freie Wähler nicht zufrieden. „Maximal vier Etagen“, hält Schaal für vertretbar. Das wäre schon anderthalb Etagen höher als die benachbarten Häuser im Margarete-Stingele-Weg.

Damit ist der Freie Wähler in bestem Einklang mit den Grünen. „Wir dürfen keine klimabelastenden Projekte bauen“, warnt deren Fraktionschef Bernd Murschel. Außerdem würde der Neubau einen in der Grabenstraße vorgesehenen Rad-Schnellweg gefährden. Frank Albrecht stört sich vor allem an der kompakten Bauweise. „Die Menschen kommen nach Leonberg rein und sehen eine Wand“, prophezeit der Sprecher der Ratsgruppe SALZ. Damit würde die Grabenstraße ihrem Namen gerecht: „Ein Graben führt in die Innenstadt.“ Gitte Hutter von den Linken spricht gar von einer „Front“.

Alle betonen, dass sich ihre Einwände nicht gegen die Sparkasse richten. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind die Pläne nachvollziehbar“, so Murschel. „Aus städtebaulicher Sicht sind sie fragwürdig.“

Die Zustimmung aus der Politik

Das sehen nicht alle im Gemeinderat so. „Ich finde es spannend, dass einige Stadträte sich zutrauen, mal eben ganz neue Pläne zu machen“, kommentiert Christa Weiß ironisch die Gegenreden. „Wir brauchen die 70 Wohnungen. Das ist sehr viel“, sagt die Sozialdemokratin. Gerade weil 17 davon bezahlbar würden. „Diese Chance dürfen wir nicht vergeben.“ Das sieht Dieter Maurmaier genauso. Auch die Kritik an den Dimensionen kann der FDP-Fraktionschef nicht nachvollziehen: „Wir haben drumherum überall Häuser mit vier Etagen plus Dach, beim Schwarzen Adler sogar fünf Etagen plus Dach.“ Die Nähe zur Altstadt ist für ihn ein absoluter Pluspunkt: „Besser kann eine Lage nicht sein.“

Für Oliver Zander ist die Diskussion um das fünfte Stockwerk ein „Nebenkriegsschauplatz.“ Der Leonberger CDU-Chef bescheinigt der Sparkasse, ihre Pläne bereits reduziert zu haben und würdigt die Rolle des öffentlich-rechtlichen Instituts als Vermieter: „Die KSK steht nicht im Verdacht, ein Mietwucherer zu sein.“ An seine Ratskollegen appelliert er, mehr Sensibilität für die Nöte von Wohnungssuchenden zu zeigen: „Wir alle hier haben Häuser oder Wohnungen. Wir können gar nicht beurteilen, was auf dem Mietmarkt wirklich los ist.“

So geht es weiter

Angesichts der dezidiert wie engagiert vorgetragenen Meinungen betont der Oberbürgermeister die Gemeinsamkeiten: „Wir wollen alle mehr Wohnungen, wir wollen das Klima schützen und einen Radweg“, sagt Martin Georg Cohn. Diese Punkte sollten die Planer der Sparkasse noch aufnehmen. Außerdem sollte nicht nur für den Bereich in der Stuttgarter Straße ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden, sondern auch für die südlichen Häuser in der Grabenstraße. Und ein Frischluft-Gutachten soll Klarheit in der Frage der Gebäudehöhenbringen. „Das sollte uns eine Verzögerung von vier Wochen wert sein.“ Ein Weg, den der Gemeinderat komplett mitgeht und damit den Ball zurück an die Kreissparkasse spielt.

Der Vorstand des Kreditinstitutes will nun die Ergebnisse des Frischluft-Gutachtens abwarten: „Wenn diese vorliegen, werden wir sie prüfen und in unsere weiteren Überlegungen miteinbeziehen.“




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