KSK-Kommandeur im Kamingespräch Militär rüstet sich – in Sachen Drohnen „nehmen wir jetzt Tempo auf“

Ukraine, Bachmut: Ukrainische Soldaten starten eine Drohne auf russische Stellungen in der Nähe von Bachmut. Foto: dpa/Libkos

Brigadegeneral Alexander Krone ist überzeugt, das Militär müsse schnellstmöglich reaktionsfähig werden. Das Gute sei: Das KSK könne das. Zentral sei zudem, die Ukraine in der Ausbildung ihrer Streitkräfte zu unterstützen. Die Soldaten dort hätten auch einen dringend Rat.

In fünf Jahren will Russland bereit sein, selbst die Nato angreifen zu können. Davor warnte erst vor wenigen Tagen ein weiterer Experte, der Generalmajor der Bundeswehr Christian Freuding. Was in der Ukraine geschehe, könne auch andernorts in Europa drohen.

 

Wie real die Bedrohungslage zu sein scheint, zeigen auch Pläne des in Calw stationierten Kommandos Spezialkräfte. Dessen Kommandeur, Brigadegeneral Alexander Krone, hatte erst im November erklärt, der Schwerpunkt der Eliteeinheit liege nun klar bei besonderen Aufgaben zur Verteidigung im Nato-Bündnis.

Er gibt keine Einschätzung ab

Die Eliteeinheit beschäftige sich derzeit zudem mit Themen wie Reserve, Drohnen und der Ausbildung ukrainischer Soldaten. Bei einem Kamingespräch mit dem "Schwarzwälder Boten" in Calw ging der Kommandeur nun mehr ins Detail. 

Auf die Frage, wann Russland in der Lage sein könnte, Natogebiet anzugreifen, gab er indes keine Einschätzung ab. „Da halte ich mich immer ein wenig zurück“, sagte Krone.

In den Augen des Brigadegenerals lenke jede Zahl, die in diesem Zusammenhang genannt werde, davon ab, dass vor allem geboten sei, schnellstmöglich reaktionsfähig zu werden.

Mit Blick auf das KSK sagt er: „Das Gute ist: Die können das.“ Die Devise „es könnte auch mal schneller gehen“ sei in Calw jeder gewohnt.

Und zentral sei aktuell auch, wie die Ukraine in der Ausbildung ihrer Streitkräfte – ein „sinnvoller und erfüllender Auftrag“, bekräftigte Krone – unterstützt werden könne.

KSK bringt wichtige Lektion aus Ukraine mit

Die Ausbildung orientiere sich dabei am Bedarf, den die dortigen Soldaten selbst sehen. „Ich glaube, die wissen es am besten“, sagte Krone. Und die Ausbildung erfolge „absolut auf Augenhöhe“, auch das KSK lerne dabei. Mit einem entscheidenden Unterschied. Jeder wisse, wenn die Ausbildungseinheiten abgeschlossen sind: Die Ukrainer, „die gehen jetzt wieder nach vorne“, an die Front.

Eine der vielleicht wichtigsten Lektionen, die das KSK aus der Ukraine mitbringe, sei unterdessen die Erkenntnis, dass in Sachen Drohnen „bei Weitem noch nicht genug“ getan werde. „Das!“ sei laut Aussage der dortigen Soldaten das erste, worum man sich kümmern solle. „Da nehmen wir jetzt Tempo auf“, unterstrich der Kommandeur.

Zusätzliche Kräfte gewinnen

„Der Schlüssel zu allem“ sei aber die Nachwuchsgewinnung. Das KSK genieße hierbei den Vorteil, „Zweitnutzer von ausgezeichnetem Personal zu sein“, die sie gezielt innerhalb der Bundeswehr rekrutieren könnten.

Aktuell sei der Ausbildungsstützpunkt der Spezialeinheit in Sachen Nachwuchs „gut bestückt“. „Wir nehmen aber immer gerne noch ein paar mehr“, betonte der Brigadegeneral. Ziel sei es, wenn möglich nicht nur jene Kräfte zu ersetzen, die ausscheiden, sondern zusätzliche zu gewinnen.

Schnellstmöglich für den Einsatz rüsten

Mit Blick auf mögliche Einsätze in der Zukunft, auf kriegerische Auseinandersetzungen, die auch länger dauern könnten, sei es zudem wichtig, einen Plan für diesen Fall „schon mal in die Schublade zu legen“.

So gebe es Überlegungen, wie das Ausbildungsprogramm ohne Qualitätsverlust komprimiert werden könnte, um den Nachwuchs schnellstmöglich für den Einsatz bei den Spezialkräften zu befähigen, wenn alle anderen ausrücken.

23 Hektar zusätzlich

Eine Antwort auf die Frage, wie Reserven für das KSK geschaffen werden können, „das sollten wir im nächsten Jahr für uns festlegen – werden wir auch machen“. Dazu richte sich der Blick auch in andere Länder, wie dort mit dieser Frage umgegangen werde. „Beispielsweise England ist ganz interessant.“

Und nicht zuletzt will das KSK räumlich deutlich wachsen. 23 Hektar sollen in den kommenden Jahren zusätzlich zum bislang rund 57 Hektar großen Kasernengelände hinzukommen. Die Eliteeinheit hat nämlich schon jetzt ein massives Platzproblem – sowohl was die Unterbringung der Soldaten als auch was die Berge an Ausrüstung betrifft, die das KSK vorhalten muss, um jederzeit an jedem Ort der Welt eingesetzt werden zu können.

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