Die 90er-Jahre stehen für Partystimmung. Doch was verbinden die Besucher des Konzerts „Die 90er Live“ in Ludwigsburg noch mit dem Jahrzehnt?
Die „größten Stars der 90er“ sowie DJ Markus Weyer und Moderator Mola Adebisi waren angekündigt: Captain Jack etwa, Fun Factory, Aquagen, Oli.P, Culture Beat oder auch Loona. Die Sängerin jedoch, die mit Hits wie „Bailando“, „Mamboleo“ oder „Hijo de la Luna“ Erfolge hatte, stand letztlich nicht auf der Bühne des Ludwigsburger Residenzschlosses. Das aber störte die Gäste wenig.
Sie waren mit einem klaren Ziel gekommen: Spaß haben. Und auffallen. Vor allem optisch, denn das Jahrzehnt der 90er steht für Neonfarben, schräge Brillen und für viel gute Laune.
Auch Männer haben sich aufgehübscht
Letztere zeigte sich flächendeckend und ansteckend: Überall wurde gehüpft, lagen sich Menschen in den Armen oder nahmen sich an den Händen. Ein wogendes Meer lachender, fröhlicher Gesichter und schwingender Körper schwappte durch den Hof. Eifrig singende Menschen skandierten den Refrain bekannter Hits und überließen sich dem vom DJ angekündigten Partyalarm. Überraschend viele männliche Konzertbesucher zeigten sich aufgehübscht: mit witzigen Brillen, Käppis, Mützen oder Hemden.
Die Damen zogen eifrig mit: Glitter im Gesicht, neonfarbene Kleidung, kesse Frisuren. Ein Zwillingspaar in Feierlaune hatte sich ebenfalls gestylt. Ihr deckungsgleiches Outfit: Neonorangefarbene Hose, enges schwarzes Oberteil, schicke Glitzerbrille.
Drei Männer, Laurin aus München, Oli aus Stuttgart und Stephan aus Hemmingen, alle um die 40, hatten nicht nur große Lust auf Nostalgie – „eben so, wie es früher war“ – mitgebracht. Sie zogen auf dem Schlosshof die Blicke auf sich, weil sie im Entenlook à la Darkwing Duck erschienen waren: Rosa, Hellblau und Schwarz mit gelben Enten. Die Disney-Zeichentrickserie, die ab Herbst 1991 das Fernsehprogramm mitgestaltete, hatte sie dazu inspiriert.
„Wir wollen einfach auffallen“, gestand Laurin, der mit den Neunzigern auch die Musikfernsehsender MTV oder Viva sowie Farbfernsehen und Nokia-Handys verbindet. Die drei Besucher erhofften sich „ihre Jugend noch einmal aufleben zu lassen“. Damals sei alles „viel näher, kommunikativer und entschleunigter gewesen als heute“.
Auch Yepo aus Ludwigsburg hat schöne Erinnerungen an die Neunziger, eine Zeit, in der sie ihre Tochter aufgezogen hat. „Ich empfand das Leben damals entspannter“, urteilte die jung gebliebene 65-Jährige, die „Musik und Tanz sehr liebt“. Reiner erinnert sich daran, „noch richtig knackig gewesen zu sein“. In jüngster Zeit hatte er Konzerte mit Guns’n Roses, Iron Maiden oder auch Kraftwerk besucht, störte sich aber daran, dass „es nicht ausschließlich Auftritte von Bands gibt. Ohne DJ finde ich es besser!“
Ein Geschwisterpaar aus Bayern genoss es wiederum, „den vielen Leuten beim Tanzen zuzuschauen und schwelgte in der Erinnerung ihrer Jugend: „Ausgehen und Spaß haben, das war toll. Und Partys ohne Handyvideos oder Beweisfotos am nächsten Tag.“
Die 25-jährige Luana und Freundin Eve (24) aus Marbach sind zu jung für derartige Erinnerungen. „Wir haben aber ältere Geschwister. Und heute feiern wir mit denen und unseren Müttern. So wie früher!“
Tamagotchi und Gummibärchen
Bianca und Vanessa, 33 und 32 Jahre, stehen auf die Musik der Neunziger, „weil sich nicht alles gleich angehört hat“. Außerdem schätzen sie die Kinderserien, die besser waren, und die Tatsache, ohne Handy aufgewachsen zu sein. Marco und Levin, Anfang der Neunziger geboren, erinnern sich an Tamagotchi und Gummibärchen und: „Was wir auf Kassette und CD hatten, haben wir heute hier.“