KSK Music Open Ludwigsburg Oldies begeistern auch das junge Publikum

Status Quo überzeugen musikalisch – und mit gepflegtem Outfit. Foto: Werner Kuhnle

Tausende Rockfans genießen im Schlosshof des Residenzschlosses Ludwigsburg einen musikalisch heißen Abend, mit Siggi Schwarz, der Spider Murphy Gang und als Top Act dann Status Quo.

Was wäre der Festivalsommer ohne Oldies. Wohl eine lückenhafte Sache, die nicht nur die zahlreichen Oldies unter den Besuchern treffen würde: Siggi Schwarz ist als Opener am Freitagabend mit 66 Jahren der Youngster.

 

Seit einem halben Jahrhundert Gitarren-Sideman von dutzenden Berühmtheiten, schenkt er dem Publikum im Ehrenhof des Schlosses mehr ein als ein Rock’n’Roll-Aperölchen und bereitet der Spider Murphy Gang den musikalischen roten Teppich. Die Neue Deutsche Welle zieht mit ihr durch den Hof, und spätestens als Bandmitgründer Günther Sigl das „Schick-Schick-Schickeria“ anreißt, knirscht der Kies unter den Sohlen des animierten Publikums. „Piep, Piep“ geht auf Zeitreise, das Publikum gibt das Jodel-Echo, und es wird kollektiv eine Drehzahl höher geschaltet für die Rosi, womit die Party-Playlist ihren Gassenhauer-Höhepunkt hat. „Wollt’s uns fertigmachen?“, kontert Frontmann Sigl, inzwischen 78, den Zugabedruck und schlägt die Brücke zum drei Jahre jüngeren Kollegen Francis Rossi: „Viel Spaß noch – und Rock’n’Roll all over the world!“

Der Regen kommt und geht – passend zum Song

Kompakte Umbaupause, die Bühne schwarz wie die Nacht, von lauernden Stroboskop-Strahlern durchschnitten – pünktlich marschieren Rossi und Co. in blütenweißen Hemden, weißen Sneakern und schwarzen Hosen herein und entfachen mit „Caroline“ den Jubel des Publikums, es ist der gut 60 Jahre junge Mega-Hit aus der Gründerzeit von Status Quo. „Take my hand, sweet love, together we can Rock’n’Roll!“ Das ist schon mal eine Hausnummer, mit ihrer packenden Intensität haben Status Quo das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Und was ist das für eine Regie: Gerade läuft das Intro zu „Rain“, da fallen dicke Tropfen vom realen Himmel, und wie abgestellt, kaum dass der Song verhallt ist. Zeit für „A little lady“, die Band und Publikum zum leidenschaftlich begehrenden „Rolling stone“ macht. „The night“ bricht an, und Rossi und Co. sind offensichtlich gut drauf. Agil ist der Officer of the British Empire noch immer, direkt sein Draht zum Publikum auch mit Sparsam-Deutsch, Witz und dem Volltreffer: „Guten Abend, meine Ludwigsburger Freunde!“ Er will auch „the people in die back“ hören, belohnt das mit „wow, that’s good, I like that.“

Ein Teddy fliegt auf die Bühne, den Rossi an der Vorderkante des Drumsets platziert. Also an das energetische Epizentrum des Geschehens, wo Drummer Leon Cave als eminentes Kraftwerk den Schub hochhält. Immer mal wieder huldigen die Akteure dem Drummer: Rossi, Rhythmusgitarrist Richie Malone, Multiinstrumentalist Andy Bown, der auch am Keyboard für dichten, flirrenden Sound sorgt, dazu Bassist und Baseworker Rhino Edwards. Und dieser astreine Gitarrenrock! Gänsehaut, während der Brustkorb längst im Rhythmus der Starkstromrocker pocht. „Mystery“ pur.

Viele Handys – aber keine Zugabe

Zwischendurch, bei „In the Army now“ etwa, wird deutlich, dass Rockmusik einst aus dem Imperativ von Freiheit und Formlosigkeit entstand, als musikalische Rebellion gegen Spießertum und Repression. Die musikalische Ausbeute? Die legendären drei Akkorde, sei’s drum. Jetzt wird gefeiert. Auch wenn ein bisschen was anders ist im Publikum, das gerne tanzt, klatscht und die Hände zum Himmel hebt, aber inzwischen auch genau so gerne und ausdauernd die Handys zückt. Das macht einen Unterschied in der den Musikern zurückgespiegelten Intensität – und könnte ein Grund sein, dass es keine Zugabe gibt: Mit der Hälfte der Händemasse wirkt die erklatschte Bitte eben weniger dringlich.

Status Quo aber gibt durchgängig alles, bis ins fulminante Finale des Sets mit „Down down“, „Whatever you want“ und, als krönender Höhepunkt, natürlich „Rockin’ all over the world“. Da gibt es viel zu feiern, auch wenn nach exakt 85 Minuten Schluss ist.

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