KTF Selectric Funk-Spezialist investiert Millionen in Gärtringen

Feierliche Schlüsselübergabe mit den Geschäftsführern Heußner und Pieper (4. und 5. v.l.) und Prokurist Priesching (r.) Foto: Stefanie Schlecht

Die Funkgeräte für die meisten Blaulicht-Fahrzeuge im Land kommen künftig aus Gärtringen: KTF Selectric eröffnet dort seinen neuen Hauptsitz.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Gärtringen freut sich über die nächste Firmenansiedlung in seinem Gewerbegebiet in der Böblinger Straße: Die KTF Selectric GmbH hat dort am Freitag ihr neues Firmengebäude feierlich eröffnet. Das Unternehmen, das auf den Bereich Funktechnik für Einsatzkräfte spezialisiert ist, verlagert damit seinen Sitz von Ehningen nach Gärtringen. Zur Einweihung in der neuen Montagehalle waren viele Vertreter der Blaulichtfamilie geladen, ebenso die politische Prominenz und die Eigentümerfamilien Heußner und Pieper von der Münsteraner Muttergesellschaft Selectric.

 

Die wurde 1977 gegründet, beschäftigt derzeit 190 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 92 Millionen Euro. Das Unternehmen ist auf technische Kommunikationssysteme für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben spezialisiert. Nach eigenen Angaben ist es mit einem Marktanteil von 50 Prozent in Deutschland Marktführer. Zu den Kunden zählen Feuerwehren, THW, Polizei, Rettungsdienste, Kommunen und öffentliche Einrichtungen. Weiter wachsen will Selectric nicht zuletzt im militärischen Bereich.

Drei Generationen in Gärtringen

Das Familienunternehmen war mit drei Generationen in Gärtringen vertreten: Henriette Heußner verkörperte die Gründergeneration, ihr Sohn Michael Heußner und Schwiegersohn Hendrik Pieper die zweite. Mit deren Söhnen Jan-Christian Heußner und Christopher Pieper stehe bereits die dritte Generation in den Startlöchern. KTF Selectric wurde 2018 als Tochterunternehmen in die Selectric-Gruppe aufgenommen. Es war seinerzeit aus einem Elektronik-Handel in Pforzheim hervorgegangen.

Das neue Firmengebäude steht markant am Kreisverkehr Böblinger Straße gegenüber dem Kerzenstüble Foto: Stefanie Schlecht

Zuvor hatte KTF Selectric seinen Standort in der Aidlinger Straße in Ehningen, doch der Firmensitz platzte zuletzt aus allen Nähten. Mit rund 40 Mitarbeitern siedelt das Unternehmen nun auf die Schelmenwiesen um. Die Flächen teilen sich auf 40 Prozent Verwaltung und Vertrieb, 30 Prozent Forschung und Entwicklung einschließlich Werkstatt sowie 30 Prozent Lager und Logistik auf. In Baden-Württemberg seien rund 700 000 Endgeräte von KTF Selectric im Einsatz – vom Notfallmelder über Digitalfunkgeräte bis zur Technik für Einsatzzentralen, heißt es.

„Wir sind da, wo sichere Kommunikation gebraucht wird.“

Hendrik Pieper, Selectric-Geschäftsführer

Einen großen Anteil am Erfolg und jetzigen Neubau hat KTF-Prokurist Markus Priesching, der im Kreis Böblingen und insbesondere in Gärtringen kein Unbekannter ist: Als Kommandant der Gärtringer Feuerwehr und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands ist er in der Gemeinde und in der Blaulicht-Familie gut vernetzt. Auf der Eröffnungsfeier dankte ihm unter anderem Landrat Roland Bernhard für sein Engagement und das „Einfädeln“ des Bauprojekts.

Prokurist Markus Priesching ist außerdem Kommandant der Gärtringer Feuerwehr und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands. Foto: Stefanie Schlecht

Die Baukosten in Gärtringen betrugen 8,5 Millionen Euro. Die Gemeinde Gärtringen hatte das 4218 Quadratmeter große Grundstück bereits 2023 an das Unternehmen verkauft. Im vergangenen Jahr erfolgte der Spatenstich. Mit der Sitzverlegung wird die Gewerbesteuer künftig in Gärtringen entrichtet – zur Freude des Gärtringer Bürgermeisters Thomas Riesch (CDU). Er wünschte dem Betrieb „nicht ganz uneigennützig“ eine glorreiche Zukunft.

Die Ansiedlung ist eine weitere Frucht der Gärtringer Gewerbestrategie – und war dennoch nicht selbstverständlich. „Wir sind schleckig, wie der Schwabe sagt“, erläuterte Riesch seinen Ansatz, nur ausgewählte Firmen auf den verkehrsgünstig gelegenen Gewerbeflächen direkt an A 81 und S-Bahnlinie 1 anzusiedeln. Erst am 28. April eröffnete der Dichtungsspezialist Trelleborg in Gärtringen sein Logistikzentrum, der neue Hauptsitz des Böblinger Anlagenbauers Eisenmann wächst daneben in die Höhe – und der Antriebs-Großhändler Mädler aus Stuttgart-Degerloch ist ebenfalls im Anmarsch.

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