Küchenparty bei Da Signora in Böblingen Ein Schwabenherz schlägt italienisch

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Kulinarik trifft Kultur: Bei der Küchenparty im Böblinger Ristorante Da Signora hat die Köchin Heiderose Kielwein ihre italienisch-schwäbischen Kreationen serviert. Zwischen den Gängen präsentieren heimische Autoren ihre Bücher.

Heiderose Kielwein, die schwäbische Signora vom Böblinger Flugfeld,   auf dem Großmarkt Foto: ds
Heiderose Kielwein, die schwäbische Signora vom Böblinger Flugfeld, auf dem Großmarkt Foto: ds

Böblingen - „Ma hat’s essa könna!“ So euphorisch können Schwaben werden, wenn sie sich in einer Gaststube verbal vor der Köchin verneigen. Olaf Nägele, Autor landestypischer Bücher wie „Das Flädle-Orakel“, trägt bei der Küchenparty im Ristorante Da Signora auf dem Flugfeld in Böblingen lautmalerisch vor, wie man im Volksstamm der Maultaschen-Liebhaber bei kulinarischen Höhenflügen schon mal aus sich herausgeht.

Wenn der Schwabe derart in Fahrt gerät, setzt er gern eins drauf. „I han schon besser gässa“, fügt er dann noch hinzu.

Worauf der Kellner für gewöhnlich blitzschnell kontert: „Aber net bei ons!“

Im Herbst erscheint das Kochbuch

Nägeles schwäbischer Name verpflichtet. Schwaben sind pragmatisch, ganz so wie er, also erst glücklich, wenn sie finanziell abgesichert sind. Das Schreiben schwäbischer Romane ist bei ihm nur das eine. Denn die Bezahlung schwäbischer Buchverlage reicht nicht mal aus, um nur hälenge reich zu werden. Deshalb muss der Autor zum Broterwerb auch noch das andere tun. Olaf Nägele arbeitet bei der Stadt Stuttgart, wo er als gelernter Werbetexter für die Herstellung von Flyern zuständig ist, die das Rathaus für allerlei Werbezwecke herausgibt.

Flyer? Goht’s no? Gibt’s da nicht auch ein schwäbisches Wort dafür? Der 53-jährige Hutträger mit kabarettistischem Talent, der aus seinen Büchern selten oben ohne liest und dies etwa bei „Wohnzimmerlesungen“ tut, überlegt kurz. Erst sagt er „Blättle“ – und dann fällt ihm noch was ein: „Zettele“.

„Blättle“ oder „Zettele“ kann er bald auch in eigener Sache verteilen. Gerade schreibt er mit Heiderose Kielwein, der schwäbischen Chefin des italienischen Ristorante Da Signora, ein Kochbuch mit Fotos von Wilhelm Betz. Im Herbst wird es im Silberburg-Verlag erscheinen. Bei der Küchenparty erfahren die Gäste, dass sie das Menü vom Abend dann in gedruckter Form zum Nachkochen erwerben können. Prompt gibt es die ersten Vorbestellungen – so hervorragend sind die Gerichte gelungen.

Das Buch „Stuttgarter Charakterköpfe“ wird vorgestellt

Zwischen den Gängen stellt Fotograf Betz sein erstes Buch vor, für das er viel Lob erhält: In dem Band „Stuttgarter Charakterköpfe“ sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kreativen, Feingeistern, Originalen, Urgesteinen und Quadratschädeln enthalten, die typisch für die Stadt sind oder diese prägen. Gerade arbeitet er an der Fortsetzung des Männerbuches, nur mit Frauenporträts, die er in einem sanfteren Licht aufnimmt.

Das Herz der in Göppingen geborenen Signora Heiderose Kielwein schlägt italienisch, seit sie es an einen Italiener verloren hat. Ihr Ristorante befindet sich neben dem Designhotel VB, in dem Zimmer mit umgebauten Limousinen als Schlafstätte locken. Für Autoverrückte ist der frühere Flughafen eine feine Adresse. Auch die Köchin ist vernarrt – ins Tunen der italienischen Küche, die sie zeitgemäß weiterentwickelt. Was dabei herauskommt, erfreut die Gäste an diesem Abend. Zwischen Wildkräutersalat mit grünem Spargel und Maispoularde mit Trüffel gibt’s als Zwischengang italienische Ravioli mit schwäbischer Maultaschenfüllung.

Um es auf Schwäbisch zu sagen: Ma hat’s essa könna. Für die Italiener unter uns heißt das so viel wie: benissimo!




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