Kühlschrank, Fernseher und Co. Die Energiewende kommt nur langsam voran

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Im Haushalt gibt es viele Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu erhöhen und Strom zu sparen. Doch sie werden viel zu wenig genutzt.  

Kühlschrank Quelle: Unbekannt
Kühlschrank Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Endlich hat sich die Europäische Gemeinschaft jetzt dazu durchgerungen, dass auch für Autos und Fernseher der Energieverbrauch in den Ampelfarben grün, gelb und rot angegeben werden muss - und prompt erntet sie von den Umweltschützern harsche Kritik. So bezeichnete der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) die Einordnung von Autos in die Effizienklassen A (grün) bis G (rot) als das "unsinnigste Öko-Label Deutschlands", weil in die Berechnung neben dem absoluten Spritverbrauch auch das Gewicht der Autos eingeht.

Und an dem Label für Fernseher bemängeln die Umweltschützer, dass es "nicht der realen Marktentwicklung entspricht", wie es in einer Stellungnahme des Bund heißt. Durch die schnelle technische Entwicklung der Geräte sei damit zu rechnen, dass schon bald nahezu alle Fernsehgeräte in die besten Effizienzklassen fallen. "Damit verliert das Label seine Aussagekraft", folgert der Bund.

Unterstützung bekommen die Umweltschützer in ihrer Kritik von unerwarteter Seite: "Die Effizienzlabel der EU haben bisher faktisch keine sehr große Rolle gespielt", sagte kürzlich Kurt-Ludwig Gutberlet, der Vorsitzende der Geschäftsführung der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte, in Stuttgart. Auf Einladung der Naturschutzakademie Baden-Württemberg referierte der Chef des weltweit drittgrößten Hausgeräteherstellers zum Thema "Wie schaffen wir die Energiewende in Deutschland? - Klimaschutz fängt im Haushalt an". Mit den EU-Mindeststandards sei keine Spitzentechnik durchsetzbar, so Gutberlet. Daher setze sich sein Unternehmen dafür ein, dass neue, anspruchsvollere Effizienzziele schneller als bisher kommen.

Die Leute handeln aus Unwissenheit nicht energieeffizient

Schon könnte man viel für den Klimaschutz erreichen, wenn konsequent stromsparende Technik in den Haushalten eingesetzt würde. Ein Beispiel sind die Pumpen, die das warme Wasser im Heizungskreislauf umwälzen. Bundesweit sind sie immerhin für 15 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich, rechnet Gutberlet vor. Mit modernen drehzahlgeregelten Pumpen ließe sich ihr Stromverbrauch um die Hälfte senken - und das bei nur etwa 200 Euro Zusatzinvestitionen pro Pumpe.

"Warum werden die nicht flächendeckend eingesetzt", fragte der Wirtschaftsboss, der sich seit Jahren für die Umwelt engagiert. Die Antwort gab er gleich selbst: "Weil die Eigenheimbesitzer das nicht wissen und das Handwerk hier nicht aktiv genug ist."

Die Erfahrung lehrt, dass Gutberlet recht hat: Nur wenige Heizungsbauer empfehlen die stromsparenden Pumpen - wohl aus Angst, dass die Kunden wegen des höheren Preises sie ohnehin nicht wollen. Dabei holen die Pumpen wegen des viel geringeren Stromverbrauchs die Mehrkosten binnen weniger Jahre wieder herein. Ähnlich ist es bei Kühlschränken und Gefriertruhen. Hier kostet laut Gutberlet ein Gerät der besten Effizienzklasse A+++ etwa 100 bis 150 Euro mehr als ein A+-Gerät, es benötigt aber nur halb so viel Strom wie dieses.

Energiesparende Technik wird nur bedingt angenommen

Auch in der Industrie ist effiziente Antriebstechnik in Form drehzahlgeregelter Motoren eine hochproftitable Investition, die sich laut Gutberlet innerhalb weniger als drei Jahren amortisiert. "Aber Investitionen gehen vorrangig in neue Produkte oder Kapazitätserweiterungen statt in Werkssanierungen", so der BSH-Chef.

So kommt der Einsatz energiesparender Technik nur langsam voran - in der Industrie wie auch in den Privathaushalten. Warum das so ist, darüber macht man sich in Umweltinstitutionen wie auch in der Industrie viele Gedanken - und kommt interessanterweise teilweise zu denselben Ergebnissen. So beschäftigt sich Claus Barthel, Projektleiter der Forschungsgruppe "Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen" am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, mit der Frage, warum es den Menschen so schwerfällt, ihr Potenzial zur Minderung der eigenen CO2-Emissionen auszuschöpfen.

In einem Interview im Internetportal "Nachhaltig leben" kam er zu dem Schluss, dass es in den meisten Fällen eher an fehlender Information als an inkonsequentem Handeln liege. Der Markt sei zu unübersichtlich, und es sei oft sehr schwierig festzustellen, wie nachhaltig ein Produkt wirklich sei.

Die Langlebigkeit der Haushaltsgeräte verlangsamt den Energiewandel

Auch Kurt-Ludwig Gutberlet beklagte ein Informationsdefizit: "Das Wissen der meisten Kunden über Energieverbrauch, Energiekosten und Einsparpotenziale je Gerät ist sehr gering." Daher müsse viel mehr Energieberatung als bisher stattfinden - durch neutrale Berater. "Wenn die Kunden nicht zu uns in den Handel kommen, müssen wir zu ihnen gehen", so seine Schlussfolgerung. Dabei müsse die Beratung zwei Komponenten abdecken: einerseits die Einsparmöglichkeiten durch Verhaltensänderung - etwa Kochen nur mit Deckel auf dem Topf -, andererseits müssten die Sparpotenziale durch neue Beleuchtung, Elektrogeräte und Heizung erklärt werden.

Allerdings wird beim Austausch alter Geräte eine ihrer größten Tugenden - nämlich ihr langes "Leben" - im Hinblick auf die ökologisch dringend erforderliche Energiewende unversehens zum Problem. Gutberlet beschrieb dies an einem Beispiel aus seiner Branche: Demnach liegt in Deutschland der Anteil besonders effizienter Kühlgeräte der Klassen A++ und A+++ am Gesamtverkauf bei immerhin einem Viertel. Im EU-Durchnitt sind es dagegen nur sechs Prozent. In absoluten Zahlen sind allerdings die 650.000 jährlich verkauften hocheffizienten Kühlgeräte nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein - nämlich gerade einmal 1,5 Prozent der 41 Millionen Kühlgeräte, die in deutschen Haushalten im Einsatz sind.

Von politischer Seite wird wenig getan, um den Austausch stromfressender Geräte zu beschleunigen. Staatliche Subventionen zum Kauf effizienterer Geräte - ähnlich wie dies mit der ökologisch begründeten Abwrackprämie bei Autos gemacht wurde - sind in Zeiten leerer Kassen nicht zu erwarten. Die Konsequenz, die Gutberlet daraus zieht, könnte auch von Umweltschützern kommen: "So unpopulär das auch sein mag - aber höhere Strompreise sind wahrscheinlich der wirksamste Hebel, um den Einsatz Strom sparender Technik in Industrie und Haushalten zu beschleunigen."

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