IBM will tausend Mitarbeitern kündigen Verdi kündigt Protest gegen Entlassungen an

Niederlassung von IBM in Ehningen: Der IT-Konzern will in Deutschland tausend Beschäftigte entlassen. Foto: dpa/Silas Stein

Tausend Mitarbeiter sollen bei IBM Deutschland gehen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Vorgehen scharf: Der IT-Konzern schade sich mit den Kündigungen selbst.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Ehningen - Die Gewerkschaft Verdi hat den IT-Konzern IBM aufgefordert, die geplante Kündigung von fast tausend Beschäftigten in Deutschland zurückzunehmen. Man sei „erschüttert“ über die Pläne, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz. „Wir fordern den Konzern auf, die Pläne nicht umzusetzen. Respekt, Anerkennung und Wertschätzung sehen anders aus.“

 

Zuvor hatte IBM die Aufsichtsratsgremien und später die Betriebsratsgremien informiert, dass tausend Beschäftigten im Zuge des angekündigten Stellenabbaus gekündigt werden soll. Im Oktober vergangenen Jahres hatte der IT-Konzern bekannt gegeben, dass man bei IBM Deutschland 2300 Stellen abbauen werde und Freiwilligenprogramme anbiete. Diese haben nach Gewerkschaftsangaben allerdings bis Ende 2020 nur rund 1200 Beschäftigte aus sämtlichen Bereichen angenommen. Vor dem Sparprogramm beschäftigte IBM in Deutschland noch rund 10 000 Personen.

Der Protest soll erst einmal digital stattfinden

Bert Stach, Verdi-Konzernbetreuer für IBM und Aufsichtsratsmitglied bei IBM, kündigte „einen digitalen Protest“ gegen die geplanten Kündigungen an. Näheres werde derzeit beraten. Demonstrationen vor Ort schloss er für einen späteren Zeitpunkt nicht aus. „Wir werden alle Hebel bewegen, dass Beschäftigte bleiben.“ Die IBM-Beschäftigten seien „sprach- und fassungslos“, wie der Arbeitgeber den Abbau ausgerechnet in der Corona-Krise machen könne, sagte Stach unserer Zeitung. „Das kommt alles zur Unzeit.“

IBM spaltet sich auf, um sich noch stärker auf lukrative Cloud-Dienste auszurichten. Das IT-Servicegeschäft soll abgetrennt und eigenständig an die Börse gebracht werden. Die Abtrennung soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. „Die neue strategische Neuausrichtung ist für mich in der Personalpolitik nicht erkennbar“, kritisierte Stach. „Die Gefahr ist, dass der Konzern die Leistungsträger verliert. Hier sägt man an dem Ast, auf dem man gerade sitzt.“

IBM reagiert nur mit einem allgemeinen Statement

IBM reagierte zum aktuellen Stand des Jobabbaus nur mit einer allgemeinen Stellungnahme: „Unsere Personalentscheidungen werden getroffen, um unsere Kunden auf ihrem Weg zur Einführung einer offenen Hybrid-Cloud-Plattform und KI-Fähigkeit bestmöglich zu unterstützen“, hieß es in einem Statement. „Außerdem investieren wir neu in unser Geschäft. Wir werden auch weiterhin signifikante Investitionen in Aus- und Weiterbildung der Kenntnisse von IBMern vornehmen, um den Anforderungen unserer Kunden besser gerecht zu werden.“

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Schmitz betonte, die Beschäftigten hätten „gerade in Zeiten der Pandemie Außerordentliches geleistet. Ihnen jetzt mit Kündigung zu drohen, erzeugt ein Klima der Unsicherheit und der Angst. So kann der Konzernumbau nicht gelingen“. Schmitz forderte Alternativen zum Stellenabbau. Darauf hätten die Verdi-Gremien im IBM-Konzern in den Gesprächen mit der IBM-Geschäftsleitung in den vergangenen Wochen stets hingewiesen. „Diese Gespräche müssen jetzt intensiviert werden. Dazu ist Verdi jederzeit bereit“, so Schmitz.

Bei IBM beginnen jetzt die Verhandlungen für einen Sozialplan. Die ersten Kündigungen könnten frühestens Ende März ausgesprochen werden, hieß es bei Verdi.

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