Künftige Führungskräfte Bosch-Mitarbeiter als Handwerker

Der mobile Raumtrenner bekommt einen bunten Anstrich.Funktioniert das Ballspiel wie geplant? Foto: Jürgen Bach

In der Korntal-Münchinger Kita Sportnest haben sich Nachwuchsführungskräfte von Bosch als Handwerker betätigt. Das Engagement außerhalb des Arbeitsplatzes bringt die Boschler einen Schritt weiter auf der Karriereleiter.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Korntal-Münchingen - Sägen, schleifen, hämmern, bohren, pinseln: Die acht fleißigen Handwerker zwischen Ende 20 und Mitte 40 haben in der Kita Sportnest alle Hände voll zu tun. Es sind allerdings nicht irgendwelche Handwerker, die auf dem Schulcampus im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen bei schweißtreibenden Temperaturen werkeln: Sondern Nachwuchsführungskräfte des Stuttgarter Technologiekonzerns Bosch. Sie arbeiten normalerweise am Standort Feuerbach, doch für ein paar Tage verließen sie ihren gewohnten Arbeitsalltag, um sich in einem sozialen Projekt zu engagieren. Die Teilnahme an einem solchen Projekt ist Pflicht und ein Baustein des „Talent Pools“. Dieses Mitarbeiterentwicklungsprogramm für Nachwuchsführungskräfte gibt es seit Jahrzehnten und weltweit an allen Standorten.

 

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Konkret bauten die Boschler aus Paletten einen mobilen Raumtrenner, der die Kitakinder von den Schulkindern etwas abgrenzt. Was nüchtern klingt, bereitet den Mädchen und Jungen sicher viel Spaß: Innen sind Blumen- und Kräuterkästen angebracht, außen Spielmöglichkeiten wie eine Maltafel, eine Wasser- und Fühlstation und ein Ballspiel – was die Boschler freilich testeten, ehe sie es den Kitakindern übergaben.

„Wir haben uns überlegt, was Kinder gern machen“, berichtet Jens Theis. Den Raumtrenner, so die Idee, sollen sie zum Spielen nutzen, aber auch ganz praktisch verwenden können, heißt: bepflanzen. „Er ist kostenneutral, kreativ und dekorativ. Bei Bedarf kann man ihn beliebig erweitern oder wegräumen“, sagt Jens Theis. Er findet es mit Blick auf die Geschichte, die Identität und Kultur seines Arbeitgebers folgerichtig, dass sich angehende Führungskräfte in der und für die Gesellschaft einsetzen und Gutes tun: Der Firmengründer Robert Bosch war auch für seine soziale Einstellung und sein Engagement für das Allgemeinwohl bekannt.

„Man sieht sich immer zwei Mal“

Jedes Jahr stehen den Nachwuchsführungskräften zahlreiche Sozialprojekte in den unterschiedlichsten Einrichtungen zur Auswahl. Wegen Corona verschoben sich etliche Vorhaben aber oder platzten. Hier kam das Sportnest ins Spiel, das vor einiger Zeit bereits eine Bosch-Gruppe empfangen hatte, die im Garten ein Tipi baute. Der Kontakt sei durch Kita-Eltern entstanden, erzählt Bernd Weinmann vom Vorstand des Trägervereins Sportplatz. Er ist begeistert. „Das Projekt ist toll und ein Mehrwert für uns.“ Gern hätte er die Kitakinder mit einbezogen, verzichtete wegen Corona jedoch darauf.

Seit Oktober beschäftigten sich jene acht Boschler mit dem Projekt Raumtrenner. Sie waren einmal vor Ort, überlegten sich ein Konzept, tauschten sich mit der Kita aus, schrieben Einkaufslisten. Sie seien aus verschiedenen Bereichen und hätten sich über das Projekt kennengelernt, sagt Lu Zhang. Das Netzwerken sei eines der Ziele des Projekts. „Man sieht sich immer zwei Mal“, ergänzt Christian Grimm, und dann kenne man sich bestenfalls schon. Bei den Sozialprojekten gehe es aber auch um einen Perspektivwechsel. In diesem Fall nehme man die Sicht der Kita, der Basis ein, sagt Christian Grimm. Der Vater von zwei Jungen wollte „etwas Praktisches“ machen.

Kita erwartet bald wieder Bosch-Mitarbeiter

Die Sprecherin der Standorte Feuerbach und Schwieberdingen, Christiane Spindler, sagt: „Wir erachten die Zusammenarbeit der Nachwuchsführungskräfte mit unseren internen und externen Projektpartnern in den Bereichen Gesellschaft und Engagement, Mitarbeiter und Nachwuchs sowie Umwelt- und Klimaschutz als sehr wertvollen Beitrag und vor allem auch als vorbildhaftes „Leben“ von unternehmerischer Mitverantwortung.“ Im Kern gehe es um persönliche Weiterentwicklung, außerhalb des alltäglichen Arbeitsgebietes und die Möglichkeit sich mit Neuem und Unbekannten auseinanderzusetzen, mit Leidenschaft und Spaß an einem sozialen Projekt zu arbeiten, Netzwerke weiter auszubauen, Teambuilding und gegebenenfalls die ein oder andere Anregung für den Management-Alltag einer angehenden Führungskraft, eines angehenden Fachreferenten oder Projektleiters außerhalb des Arbeitsalltages zu erhalten. Im „Talent Pool“ mit aktuell rund 6500 Mitgliedern sind Mitarbeiter „mit überdurchschnittlichem Entwicklungspotenzial für kommende Fach- und Führungsaufgaben in der Linie und in Projekten“. Die Dauer der Teilnahme liegt bei bis zu drei Jahren.

Bernd Weinmann erwartet bald wieder Bosch-Mitarbeiter. Die andere Gruppe, die mit dem Tipi, macht dieses noch fertig. Und sie will aus einem Baumstamm einen Fahrradständer fertigen, ein Insektenhotel errichten und den Zaun verschönern.

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