Künstler aus Hemmingen Wie KI die Kunstszene auch im Ausland begeistert
Der Künstler Dominik Stelzner aus Hemmingen arbeitet auf ungewöhnliche Weise. Er nutzt Künstliche Intelligenz. Damit hat er zunehmend Erfolg. Aber es geht ihm um mehr.
Der Künstler Dominik Stelzner aus Hemmingen arbeitet auf ungewöhnliche Weise. Er nutzt Künstliche Intelligenz. Damit hat er zunehmend Erfolg. Aber es geht ihm um mehr.
Aufgeregt – so fühlt sich Dominik Stelzner. Kein Wunder, der Hemminger steigt als Künstler die Karriereleiter weiter hoch. Wobei der 37-Jährige über seinen Erfolg bescheiden spricht. „Es geht alles in eine gute Richtung“, sagt er, der sich seit seinem Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 2019 als KI-Künstler einen Namen macht. Nach zahlreichen Ausstellungen – bundesweit, vor allem aber im Großraum Stuttgart – zeigt er im Oktober in den Niederlanden vier Bilder. „Meine erste physische internationale Ausstellung“, sagt Dominik Stelzner erfreut. In der Coronakrise war er mit seinen Schauen online gegangen. Die Pandemie begann kurz nach dem beruflichen Neustart.
Die Dead End Gallery in Amsterdam ist auf Dominik Stelzner aufmerksam geworden, nachdem er sie angeschrieben hatte. Sie ist nach eigenen Angaben die weltweit erste KI-Galerie, setzt also auf Künstliche Intelligenz. Perfekt für den Hemminger, der seine Kunstform „Digital Fusion Art“ nennt: Es ist ein Mix aus digital und traditionell, oft entstanden mithilfe Künstlicher Intelligenz, sogenannte KI-generierte Kunst oder auch AI-generated Art.
Kürzlich erfuhr der Hemminger, dass es eine Planänderung gibt. Vor der Vernissage in Amsterdam, die Anfang Oktober sein sollte, wird ein Bild Stelzners auf der Kunstmesse in Den Haag ausgestellt. „Das ist ein superkrasser Bonus“, findet er. Er schätzt, dass die Kunstmesse Zehntausende Menschen besuchen. Bei der Bildauswahl für Amsterdam habe er freie Hand gehabt. Einzige Bedingung: Die Werke dürfen noch nie woanders zu sehen gewesen sein. Also produzierte der freischaffende Künstler eigens für die Galerie neue Bilder. Mit „recht maritimen Motiven, Amsterdam liegt ja am Wasser“.
Ehe Dominik Stelzner in die Niederlande fährt, verschlägt es ihn nach Ludwigsburg. An diesem Samstag, 13. September, ist von 14 Uhr an im Seniorenzentrum Haus Edelberg eine Benefizausstellung. Es ist die erste Veranstaltung im Rahmen von Stelzners neuem Projekt „Kunstkumpel“. Die Idee dahinter sei einfach: „Wir organisieren Benefiz-Kunstevents, bei denen ein Teil der Erlöse an gemeinnützige Zwecke gespendet wird. So schaffen wir Veranstaltungen, die nicht nur Kunst erlebbar machen, sondern zugleich Gutes bewirken.“ Der Kontakt zum Seniorenzentrum entstand über einen Freund, mit dem Stelzner das „Kunstkumpel“-Projekt stemmt. Der Erlös – aus einer Tombola sowie ein Teil der Einnahmen durch verkaufte Bilder – geht an das Ludwigsburger Kinderhospiz. Die Musikerin Franziska Kleinert spendet ihre Gage.
Die „Kunstkumpel“ wollen weitere Veranstaltungen komplett selbst planen und realisieren, „Unternehmen, Vereine, Einrichtungen oder Privatpersonen können uns aber auch beauftragen, ein Event zu organisieren“, sagt Dominik Stelzner. Derzeit würden Angebotspakete ausgearbeitet. Langfristig möchten die „Kunstkumpel“ auch mit anderen Künstlern zusammenarbeiten.
Freilich hofft Dominik Stelzner, dass er über das neue Projekt noch bekannter wird. Er betont aber auch, ihm sei der soziale Gedanke wichtig. Er wolle mit Kunst mehr machen und Brücken bauen. „Alle sollen etwas von der Kunst haben.“ Die Kunstschaffenden, das Publikum, die Auftraggeber – „und natürlich die Menschen, die von den Spenden profitieren“. Ins Grab nehme er nichts mit, also könne er zu Lebzeiten etwas Geld abgeben.
„Ich teile Kunst gern“, sagt Dominik Stelzner und denkt an seine „Freiluftgalerie am Zaun“: Er zeigt seine Kunst hierbei im öffentlichen Raum, indem er drei Bilder als Drucke auf Acrylglas an die Holzlatten entlang des Gehwegs vor seiner Haustür in der Hochdorfer Straße hängt. Zudem verschönern seine Werke Bushaltestellen.
Der Grafikdesigner mit Diplom als Digital Artist in 3D-Visualisierung verwandelt mit spezieller Computersoftware Worte in Bilder. Das können fünf, sechs Sätze sein oder bloß ein Wort. Dominik Stelzner tippt häufig noch ein Gefühl mit ein. Unikate entstehen, weil er das Digitale mit dem Analogen vereint. Auf eine Leinwand druckt er das KI-Bild und legt dann los: Er verwendet Acrylfarben, Silber-, Gold-, Bronze- und Metallfolien, grafische Elemente, ab und zu Kohle. Struktur schafft er mit Spachtelmasse – und gelegentlich läuft er auch mal über ein Bild. Zudem arbeitet er mit metallischen Rost-Effekten. Für seine digitalen Collagen nutzt der 37-Jährige auch Fotos und 3D-Elemente.
Der Traum vom eigenen Kunstcafé ist derweil realer denn je. Vielleicht seien die „Kunstkumpel“ der Schlüssel. Jedenfalls sei er mit seinem Freund dahingehend im Austausch. Alles sei möglich. „Niemals hätte ich vor einem Jahr gedacht, dass sich die Dinge so entwickeln.“