Stadtkind Stuttgart

Künstler Fortune Hunter "Ich will ganze Hauswände bemalen"

Von Tanja Simoncev 

Seit sechs Jahren lebt Joaquin Lemaitre in Stuttgart. Aber erst seit 2014 mischt er die Kunstszene im Städtle auf. Diesen Freitag wird zur Vernissage von "Inversion" ins Lala eingeladen. Wir haben mit dem 31-Jährigen über Kunst, Chaos und Kopfkino gesprochen.

Noch bis 2017 wird der von Künstler Fortune Hunter a.k.a. Joaquin Lemaitre bemalte Container auf der Kulturinsel zu sehen sein. Foto: Tanja Simoncev 6 Bilder
Noch bis 2017 wird der von Künstler Fortune Hunter a.k.a. Joaquin Lemaitre bemalte Container auf der Kulturinsel zu sehen sein. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Auf der Kulturinsel, im Designsupermarket oder Là Pour Là - die Bilder von Joaquin Lemaitre a.k.a. Fortune Hunter tauchen immer wieder an verschiedenen Orten der Stadt auf und hinterlassen bleibenden Eindruck. Und das vor allem auch deshalb, weil sie der Künstler oft direkt auf Wände oder Container malt. Meist sind es großflächige Kunstwerke mit surrealistischem Charakter, manchmal aber auch kleinformatige Projekte, die sich mit dem Realismus der Fotografie mischen - so wie im Saft-Shop Lala im Fluxus. Dort findet diesen Freitag die Vernissage für die Ausstellung "Inversion" statt, die die Realität mit einer manipulierten Farberfahrung mischt. 

Zwischen Wissenschaft und Kunst

Seit sechs Jahren lebt Joaquin nun schon in Stuttgart. Doch seine Kunst lebte er lange nur für sich aus. In Deutschland geboren und in Bolivien aufgewachsen, zog es ihn für ein Maschinenbau-Studium nach Kanada, wo er sechs Jahre verbracht habe. "Ja, ich weiß, das ist etwas ganz anderes", sagt der Künstler lachend. "Ich hatte eben immer auch ein Interesse für Wissenschaften - neben Musik und Kunst." Vielleicht sei er einfach auch nicht mutig genug gewesen, etwas Künstlerisches zu studieren. Nach dem Bachelor-Studium habe er sofort arbeiten und Erfahrung sammeln wollen. Ein Vorstellungsgespräch und schließlich auch sein späterer Job führten ihn nach Deutschland, außerdem lebt sein Bruder schon lange in Berlin. Da dachte sich Joaquin: "Okay, ich gehe nach Deutschland. Ich habe Familie hier, das wird schön." Und seitdem widmet er sich Planungen für Solar-Energie-Projekte, das ist sein Ding. Aber da ist noch etwas anderes, das immer stärker nach außen dringen wollte. "Ich habe im Laufe der Jahre gemerkt, so für mich privat, dass ich das Kreative weiterentwickeln will."

Die 31-Jähirge wuchs in einer Künstlerfamilie auf: Seine Mama ist Künstlerin, sein Bruder Musiker und auch Joaquin malte und zeichnete schon immer gern. Aber es sei lange nur ein inneres Gefühl gewesen, nichts, dass er unbedingt hätte nach außen tragen wollen. Das fing erst in Stuttgart an. Motivert dazu hatte ihn aber eine Streetartist-Bewegung in Montreal. "En Masse haben große Flächen mit schwarz-weißer Pop-Art bemalt, das habe ich so gefeiert." Schließlich habe er angefangen immer mehr zu malen bis irgendwann sein ganzes Schlafzimmer voll war - das Projekt Fortune Hunter war geboren. "Dann habe ich mehrere Arbeiten in diesem Stil gemacht, ganz minimalistisch, schwarz-weiß. Ich wollte unbedingt nach außen und die Werke gleich in einer konkreten Form auf einer Homepage präsentieren." Und warum Fortune Hunter, was übersetzt Glücksritter bedeutet? "Das war so eine Gefühlssache, es hat einfach gepasst, mehr kann ich gar nicht dazu sagen." 

Farbenfrohes Kopfkino

Seitdem ist einiges passiert. Joaquin stellte das erste Mal im Là pour là aus, das war im letzten Sommer. Eines seiner Bilder ist dort auch immer noch zu sehen. Doch der Künstler habe sich weiterentwickelt. "Am Anfang war meine Kunst sehr minimalistisch, fast nur schwarz-weiß. Themen, auch politische, wurden immer mit ein wenig Humor dargestellt. Nicht, dass ich jetzt anders denke, aber ich hatte irgendwann einfach Bock auf Farbe." Heute bemalt der 31-Jährige Leinwände mit Portraits und surrealistischen Elementen und lässt dabei vor allem dem Kopfkino freien Lauf. "Ich probiere immer wieder verschiedene Texturen und Farben aus. Es ist schwierig zu sagen, wo das mal hinführen wird." Doch gerade habe er das Gefühl, die Richtung stimme. Der Kreativkopf will noch mehr mit dem Großformat arbeiten, Streetart sei sein Ding und einmal eine ganze Hauswand zu bemalen ein Traum.

Die Suche nach einem Atelier ist für Joaquin gerade aber eher ein Albtraum, um so größer ist die Freude, dass Lala ihm Raum für seine Werke gibt. Hier geht's zum Event