Künstler Hans Mendler in Waiblingen Kettensägen-Kunst ist laut: „Meine Nachbarn machen Brennholz, ich Skulpturen“

Hans Mendler mit seiner Skulptur Gigolo. Sie und weitere Objekte sowie Gemälde sind derzeit in Waiblingen zu sehen. Foto: Gottfried Stoppel

Ob Hinterglasmalerei oder Kunst mit der Kettensäge: Hans Mendler ist für alles zu haben. Oft nutzt er Alltagsgegenstände für seine Kunst, die nun in Waiblingen gezeigt wird.

Neugierig ohne Ende – so beschreibt sich Hans Mendler selbst. Wer einen Blick auf das Werk des Künstlers wirft, merkt schnell: schaffig ist der Mann noch dazu. Im Winterhalbjahr arbeitet der 75-Jährige in Leonberg, sein Atelier hat er in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert eingerichtet. Dort entstehen zum Beispiel Skulpturen aus Ton und Gips oder seine oft farbenfrohen, mal mehr, mal weniger abstrakten Bilder, die beim Betrachten gute Laune machen. Bis zum 13. März zeigt die Galerie Neuer Kunstverlag in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) eine Auswahl seiner Arbeiten, viele davon aus der jüngsten Zeit.

 

In der warmen Jahreszeit lebt und arbeitet Hans Mendler in Dunaszekcső, einer 1800-Seelen-Gemeinde im Süden Ungarns. Seine Frau Márta, die mit Wolle künstlerisch tätig ist – sie filzt zum Beispiel Wandbilder – stammt aus dem Land. Im Sommer wirft Hans Mendler oft die Motorsäge an. Unter dem großen Birnbaum im Garten schnitzt er aus Baumstämmen oder alten Hausbalken seine Objekte. Über Lärm beschwere sich in Dunaszekcső niemand, sagt er: „Meine Nachbarn machen Brennholz, ich mache Skulpturen.“

Egal, ob Hans Mendler Holz in die gewünschte Form sägt, mit dem Pinsel fragile Hinterglasmalerei betreibt, eine Leinwand bestempelt oder Farbe über sie fließen lässt, ob er Ton mit den Händen formt, hinein schneidet oder kratzt: „Ich bin die ganze Zeit im Dialog mit meinem Material.“

Hans Mendler schätzt das ruhige Dorfleben an der Donau, mit der er sich seit Kindertagen verbunden fühlt. Schließlich ist er an diesem Gewässer aufgewachsen – allerdings knapp tausend Kilometer weiter flussaufwärts, in der Stadt Ulm. Dort war sein Vater als Kunstmaler tätig. Natürlich seien etliche von Vaters Gemälden in der Wohnung gehangen, sagt Hans Mendler: „Aber die Tür zum Atelier war immer abgeschlossen, damit er seine Ruhe hatte.“

Hans Mendlers Motto: Hauptsache machen!

Einer von Hans Mendlers Charakterköpfen Foto: Gottfried Stoppel

Seit seiner Jugend wollte Hans Mendler mit den Händen arbeiten. Sein Motto: „Hauptsache, ich darf machen.“ Schon zur Schulzeit hat er Bühnenbilder angefertigt, Kunst war sein Lieblingsfach. Sie gab ihm Sinn. Der von ihm sehr verehrte Kunsterzieher erlaubte ihm, nachmittags in der Schule zu werkeln. Dort hat er seine ersten Radierungen angefertigt.

Seiner Bewerbung an der Kunstakademie in Stuttgart räumte er selbst wenig Chancen ein: „Ich bin davon ausgegangen, dass das nichts wird.“ Einen Plan B hatte der junge Abiturient schon: „Ich wäre Schreiner geworden.“ Doch er wurde sofort als Kunststudent aufgenommen, schnupperte in alle Bereichen hinein, erkundete die Holz- und Druckwerkstatt, lernte das Schweißen.

Nach dem Studium war er 34 Jahre als Kunsterzieher am Kepler-Gymnasium in Leonberg tätig. „Ich war sehr gerne Lehrer“, sagt Hans Mendler. Manchmal, erzählt er, hätten ihn Eltern angesprochen: „Unsere Kinder haben so viel Spaß bei Ihnen im Unterricht – lernen die auch was?“ Hans Mendler grinst. Menschen zur Kunst zu verführen, ist sein Ding. Um das zu erreichen, stellt er seine Arbeiten auch an Orten aus, an denen Kunst eher selten zu sehen ist, zum Beispiel im Frisörsalon oder einer Gastwirtschaft. Der Humor kommt bei ihm nie zu kurz.

Ausstellungen in Singapur, Moskau, Kalifornien

A propos Ausstellungen: Gleich die allererste beim Kunstverein Ludwigsburg war erfolgreich. „Danach bin ich in den Kunstbetrieb reingerutscht.“ Im Lauf der Jahre folgten viele Ausstellungen, auch im Ausland: in Wien, Budapest, Paris, Kalifornien, Singapur und Moskau. Seinen Lehrauftrag reduzierte er irgendwann auf die Hälfte. In all den Jahren sind ihm die Ideen nie ausgegangen: „Mein Kopf ist voll damit.“

Eine Inspirationsquelle ist auch sein Atelier, in dem viele Dinge liegen, oft auf Flohmärkten entdeckt. Irgendwann werden sie vielleicht Teil eines Kunstwerks. Manche Fundstücke haben das schon geschafft: In der aktuellen Ausstellung stehen Skulpturen, in denen Hans Mendler die Stopfen alter Weinfässer oder eine Schabeglocke zum Entborsten von Schlachtschweinen verarbeitet hat.

Die Ausstellung ist bis zum 13. März in der Galerie Neuer Kunstverlag, Beim Hochwachtturm 2, in Waiblingen zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags nach Vereinbarung.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kunst Kürbisausstellung Kettensäge