Eigentlich hätte der Künstlerhort Container City bei den Wagenhallen jetzt dem Erdboden gleich gemacht sein müssen. Dort sollte – nach jahrelangen Planungen – Platz sein für den Interimsbau Staatsoper und Bauprojekte im Rahmen der Internationalen Architekturausstellung IBA sowie Stuttgart 21.
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: die Container City steht nach wie vor so da, wie sie schon seit Jahren da steht. Inzwischen wurde die Nutzungsdauer bis Ende September 2024 verlängert. Einige Kunstschaffende müssen dennoch schon Ende Oktober 2023 gehen, ihre Niederlassungen stehen dringenden Arbeiten am Wasserrohrnetz im Weg. Doch wer davon betroffen ist, steht noch nicht wirklich fest.
Materialtheater im Figurentheater
Die Künstler machen also halt das, was sie eh am liebsten machen: Kreativ arbeiten. Und ihre Ergebnisse zeigen sie jetzt halt nicht in oder neben den Wagenhallen, sondern an anderen Orten der Kultur. Etwa das Materialtheater: die aktuelle Produktion „Ich liebe Tisch!“ zeigt es im Figurentheater Fitz im Tagblatt-Turm-Areal – eine bestens eingeführte Spielstätte für Sigrun Kilger, Annette Scheibler, die vor 35 Jahren dieses Theater in Stuttgart gründeten und es seitdem leiten, inzwischen auch mit Alberto Garcia Sanchez. Die vorangegangene Produktion „Dingdarium“ spielten sie im Sommer 2022 auf dem Gelände der Wagenhallen. Und jetzt haben sie mit „Ich liebe Tisch!“ die vierte Produktion im Rahmen der von der Stadt vergebenen Projektförderung realisiert.
Im Stuttgarter Osten
Sylvia Winkler und Stephan Koeperl sind von den Umzugsplänen nicht betroffen, sie haben ihr Atelier in einem der alten Backsteinhäuser. Für ihre aktuelle Produktion sind sie jetzt zeitweilig an den Ostendplatz gezogen. Dort gibt es seit fünf Jahren den Projektraum in einem ehemaligen Ladengeschäft, dort sind sie bei der Jubiläumsausstellung vertreten, die dort noch bis zum 22. Oktober zu sehen ist. Der Titel ihrer Arbeit: PKD – Projektraum Kontrolldienst. Da knüpfen sie an ihre letzte Schau „MKD – Manifesta-Kontrolldienst“. Die begriffliche Nähe zum WKD, dem früheren Wirtschaftskontrolldienst ist gewollt: In MKD haben sie die Antisemitismus-Diskussion zur documenta in Kassel kritisch aufgearbeitet und mit der Kunstbiennale Manifesta verglichen, die im vergangenen Jahr in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, stattgefunden hat.
In PKD wird nun aktuell der Projektraum im Stuttgarter Osten kritisch hinterfragt, als Einrichtung an sich, als eine Einrichtung im Stadtteil und als Ort der Kunstvermittlung. Dazu haben die beiden 15 Fragen formuliert und diese in fünf Kategorien aufgeteilt. Beantwortet wurden diese bereits von den Projektraum-Machern Andreas Bär und Elin Doka im Rahmen einer Sendung des Freien Radios für Stuttgart. Die Sendung kann dort digital nachgehört werden.
Putze in der Schweiz
Auch der Skulpteur Thomas Putze muss sich erst mal keine Umzugsgedanken machen. Seine großformatigen Arbeiten mit Schrott-Teilen bleiben erst mal Blickfang am Haupteingang zum Wagenhallen-Areal. Im Dezember zieht es ihn dann ins schweizerische Sils-Maria. Dort wird er seine Krippenfiguren zeigen, diese wie jene aus früheren Jahren eher im Kleinformat. Und daran arbeitet er gerade. Und auch sonst steht schon einiges an Ausstellungsereignissen in seinem Terminkalender fürs kommende Jahr, bis jetzt vor allem außerhalb von Stuttgart.