Die Denkendorfer Künstlerin Heidi Deuschle präsentiert ein aus Beton gefertigtes Mühlespielbrett. Foto: Rainer Kellmayer
Heidi Deuschle fertig kunstvolle Objekte aus Beton. In ihren Exponaten kreiert die Künstlerin aus Denkendorf ungewöhnliche Verbindungen zwischen Beton, Holz, Glas und Metall.
Rainer Kellmayer
18.07.2025 - 12:09 Uhr
Kreatives Tun hat Heidi Deuschle schon immer gereizt. „Ich habe mich intensiv mit Acrylmalerei beschäftigt, überdies machen mir Handarbeiten großen Spaß“, sagt die 57-Jährige, deren Mann Markus Deuschle Inhaber eines Bauunternehmens und Beton-Fertigteilewerks in Denkendorf ist. Im Jahr 2019 kam eine neue Leidenschaft hinzu: Das künstlerische Arbeiten mit Beton.
„Da wir ständig mit Beton zu tun haben, hat mich mein Mann animiert, mit dem flexiblen Baustoff etwas Neues zu wagen“, erinnert sich Deuschle. Die künstlerischen Möglichkeiten sind vielfältig: Man kann Beton mit Holz, Glas oder Metall kombinieren, und durch verschiedene Betonmischungen lassen sich mannigfache optische Wirkungen erzielen.
Auch funkelnde Schmuckstücke lassen sich aus Beton herstellen. Foto: kell
Experimente in Denkendorf: Beton-Tipps von den Bauprofis
Der Anfang war nicht einfach. „Ich habe viel experimentiert, und zu Beginn gab es manchen Frust und ordentlich Ausschuss“, erzählt Heidi Deuschle. Doch nach zahlreichen Fehlschlägen fand sie schließlich die passenden Mischverhältnisse zur Herstellung ihrer künstlerischen Objekte. Da das Anrühren des Rohmaterials eine fundierte Expertise erfordert, weiß man erst nach vielen Versuchen, wie man Wasser, Sand und Zement mit Fließmitteln perfekt kombiniert. Zudem kann man mit Weiß- oder Grauzement arbeiten, Pigmente oder Glasfasern einmischen, und durch Bemalung erhalten die Objekte einen besonderen Kick.
Bei der kreativen Arbeit sind die Ratschläge ihres Mannes eine große Hilfe, zudem kann Heidi Deuschle auf die Unterstützung durch die Mitarbeiter der Firma zählen. Wertvoll ist auch die fachkundige Community im Internet. Hier tauschen sich Betonkünstler aus und geben Tipps, wo man die verschiedenen Formvorlagen erhält. Doch oft fertigt die Denkendorferin diese aus Silikon auch selbst an.
Die Künstlerin lebt seit 25 Jahren in Denkendorf
Inzwischen hat Heidi Deuschle, die aus Ehingen an der Donau stammt und seit 2000 in der Fildergemeinde wohnt, ein breites Portfolio. Sie hat schon Möbel und Küchenplatten aus Beton gefertigt und bietet künstlerisch gestaltete Elemente an, deren Vielfalt von Blumenvasen und Lampenständern hin bis zu Schmuckanhängern reicht. Hochsaison ist stets vor Weihnachten und Ostern. Dann fertigt Deuschle, die ihre Kreationen in einem vor der Firma platzierten Bauwagen offeriert, spezielle Objekte an: Heiß begehrte Geschenke für die Festtage.
Kürzlich erhielt die Beton-Künstlerin einen besonderen Auftrag. Zu einem Jubiläum bestellte Owen vier überdimensionale Buchstaben, die den Stadtnamen symbolisieren. Inzwischen sind diese Objekte fertiggestellt und werden – nach der Bemalung – auf einem massiven Fundament als Kunstwerk in Owen aufgestellt.
Beton-Fußabdruck in Denkendorfer Garten
Auch kuriose Aufträge laufen gelegentlich bei der Künstlerin ein. Ein bekannter Denkendorfer Bürger möchte seinen Fußabdruck von Heidi Deuschle in Beton gießen lassen, und diesen dann in seinem Garten als Blumenkübel aufstellen.
„Es läuft super“, freut sich Heidi Deuschle über eine stetig zunehmende Kundschaft. Ihre Exponate, die zuweilen von einer örtlichen Firma mit Lasertechnik bedruckt werden oder in Zusammenarbeit mit einer fränkischen Holzfirma entstehen, sind – weit über Denkendorf hinaus – sehr gefragt.
„Besonders groß war die Resonanz, als ich im Herbst vergangenen Jahres meine Objekte beim zweiten Denkendorfer Künstlermarkt im Rathaus ausgestellt habe“, erzählt Heidi Deuschle. Die Besucher waren von ihren Kunstwerken begeistert, und danach gingen viele neue Aufträge ein.
Nur vor Ostern und Weihnachten macht die Denkendorferin Werbung
Besondere Werbeaktionen muss die kreative Denkendorferin nicht starten. Vor Ostern und Weihnachten gibt es zwar gelegentlich einen Flyer mit den neuesten Produktionen, doch meist kommen die treuen Stammkunden oder auch Firmen mit Anfragen von selbst auf sie zu.
Heidi Deuschle ist stets auf der Suche nach neuen Fertigungsprozessen für ihre Exponate. Derzeit überlegt sie, Beton mit Torf zu mischen und daraus Blumenkübel zu gießen. „Die Ideen gehen mir nie aus“, sagt Heidi Deuschle und schmunzelt. „Demnächst werde ich mit meinem Sohn, der in Denkendorf ein selbstständiger Elektromeister ist, eine neue Serie kreieren, die Beton und Leuchtmittel kombiniert“.
Beton - Ein vielseitiger Werkstoff
Historie Bereits vor 14 000 Jahren entdeckten Handwerker in Anatolien, dass Kalk und Ziegelmehl zu einer stabilen Mischung verarbeitet werden kann. Über die Griechen gelangten diese Erkenntnisse im dritten Jahrhundert nach Italien. Im antiken Rom wurde der sogenannte „Opus Caementitium“ entwickelt, der für monumentale Bauwerke wie Aquädukte und Tempel verwendet wurde.
Romantik Nachdem der Beton über Jahrhunderte eine untergeordnete Rolle spielte, führten im 19. Jahrhundert Erfindungen wie der Portlandzement durch Joseph Aspdin zu einer Renaissance des Betons. Die Entwicklung des Romanzements und des künstlichen hydraulischen Kalks waren entscheidend für den modernen Betonbau. Der französische Gärtner Joseph Monier stabilisierte Blumenkübel, in dem er den Beton mit einem Stahlgeflecht verband.
Neuere Zeit Der weltweite Siegeszug des Betons begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung spezieller Transportfahrzeuge (Fahrmischer). Die Technik entwickelt sich ständig weiter: Heute ist Beton ein Hightech-Produkt. Beispiele dieser Evolution sind selbstverdichtender Beton, Textilbeton und ultrahochfester Beton. 3-D-Druck und lichtdurchlässiger Beton sind die jüngsten Erzeugnisse einer Entwicklung, deren Ende nicht absehbar ist.