Künstlerinnen aus Stuttgart Frauen gehörten an den Herd, nicht ins Atelier

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Ein neues Buch stellt Künstlerinnen der frühen Moderne vor, die der „Stuttgarter Damenklasse“ angehörten. Diese wurde an der Kunstschule eingerichtet, um Frauen trotz hoher Gefahren, das Studium zu ermöglichen.

Ida Kerkovius in ihrer Wohnung. Auch sie ist Teil der „Stuttgarter Damenklasse“. Foto:  
Ida Kerkovius in ihrer Wohnung. Auch sie ist Teil der „Stuttgarter Damenklasse“. Foto:  

Stuttgart - Frauen in der Kunst? Über Jahrhunderte war das undenkbar, selbst der berühmte Kunsthistoriker Otto Lichtwark sagte noch im vergangenen Jahrhundert frei heraus: „Warum lassen Sie Ihre Tochter nicht lieber ordentlich kochen lernen? Es gibt so viele schlechte Künstlerinnen und so wenig gute Köchinnen.“ Es gab trotzdem Frauen, die den Widerständen zum Trotz Künstlerinnen wurden. In Stuttgart durften sie immerhin bereits 1860 an der Königlichen Kunstschule studieren – an anderen Akademien blieben sie ausgeschlossen, weil sie beim Aktstudium nackte Männer gesehen hätten.

Die Kunsthistorikerin Gabriele Katz hat sich auf Spurensuche begeben und nach teilweise vergessenen Stuttgarter Künstlerinnen geforscht. „Stuttgarter Damenklasse“ nennt sich ihr gerade erschienenes Buch, das „Künstlerinnen auf dem Weg in die Moderne“ vorstellt, darunter Käte Schaller-Härlin und Emma Joos, Lily Hildebrandt und Ida Kerkovius. Sie seien Frauen gewesen, zu deren Leben meist „Konzessionen und persönliche Krisen gehörten“, wie Katz schreibt.

Auch an der Stuttgarter Kunstschule wurden die Frauen zunehmend kritisch beäugt. Die Studenten fürchteten die weibliche Konkurrenz, sodass um 1880 das Unterrichtsgeld für Künstlerinnen drastisch erhöht wurde und sie fortan für Modelle bezahlen mussten – bis man einen Kompromiss fand, und jene „Damenklasse“ gründete, die dem Buch den Titel gab.

„Malen kann das Frauenzimmer“

Anna Peters ist eine der führenden Künstlerinnen dieser Zeit, über die sogar Adolph Menzel anerkennend sagte: „Malen kann das Frauenzimmer“. Sie wuchs in einer Künstlerfamilie auf, auch ihre Schwester Pietronella wurde Malerin. Ihre Blumenbilder sind gefragt, Anna Peters stellt in Wien, Dresden, München und Köln aus – und sie wird die Vorsitzende des Württembergischen Malerinnenvereins, der sich 1893 gründet. Sie gewährt dem Verein sogar ein Darlehen, damit er ein Haus in der Eugenstraße kaufen kann mit Ateliers für die Mitglieder.

Gabriele Katz streift in ihrem Buch immer wieder die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, stellt in einzelnen Kapiteln aber auch die Künstlerinnen selbst vor, wobei sie Bildbeschreibungen und Biografien mischt und manchen Randaspekt allzu ausführlich beleuchtet. Letztlich erfährt man aber doch wenig über die einzelnen Künstlerinnen, über Maria Caspar-Filser oder Maria Hiller-Foell, die eine der begabtesten Schülerinnen von Adolf Hölzel gewesen sein soll. Auch wenn Katz einiges Bildmaterial zusammengetragen hat, genügt es nicht, um dem Werk dieser oft missachteten Künstlerinnen endlich annähernd gerecht zu werden.