Berglen - Urlaub von einem ihrer beiden Jobs macht Monika Ehret in der Symposiumswoche auf dem Bildhauerhof von Michael Schützenberger. Für den Broterwerb arbeitet die studierte Künstlerin als Apothekerin. Um so mehr genießt sie es, sich beim siebten Künstlersymposium in Streich, dem kleinsten Teilort der Kommune Berglen, ein paar Tage ganz auf ihr handwerkliches Schaffen zu konzentrieren. Wieder arbeiten, aber eben ganz anders.
Monika Ehret hat auch einen Job für den Broterwerb
„Ich fahre quasi zweigleisig. Durch den Apothekerberuf bin ich finanziell abgesichert, um mich daneben künstlerisch zu betätigen“, sagt Monika Ehret, die weder als Hobby- noch als klassische Künstlerin bezeichnet werden will. Sie arbeite mit Keramik, aber auch in Richtung Bildhauerei. „Ich bin da nicht klar festlegbar“, sagt sie, die den Gastgeber Michael Schützenberger schon lange kennt, dieses Jahr aber das erste Mal als Teilnehmerin bei seinem Symposium mitmacht.
Der Bildhauertreff von Michael Schützenberger hat schon Tradition
Michael Schützenberger freut das. Unter dem Motto „Neustart-Kunst – Du musst dein Leben ändern“ hat er nach der besonders auch für freischaffende Künstler schwierigen Zeit des coronabedingten Lockdowns wieder zu einem Bildhauertreff eingeladen, den man inzwischen schon traditionell nennen kann. Arbeiten, Gespräche, Geselligkeit und gutes Essen inklusive.
Manche der neun teilnehmenden Künstler fahren nach einem erfüllten Tag heim, andere übernachten in der Nähe oder im Campingbus ums Eck. Für den Notfall bezieht Doina Apostol, die ebenfalls künstlerisch aktive Lebenspartnerin von Michael Schützenberger, auch die Schlafcouch für einen der Gäste.
Die ganze Woche über hämmert, klopft und sägt es
Die ganze Woche über hämmert, klopft und sägt es auf dem großen Hof des Bildhauers. Wo das Auge hinblickt, stehen Künstler, in ihre Arbeit vertieft, inmitten von halb fertigen Skulpturen, dicken Baumstämmen und großen Marmorblöcken. Geschafft wird täglich von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr. Am kommenden Sonntag zeigen die Künstler ihre entstandenen Arbeiten dann bei einer Abschlussveranstaltung. Was es dann zu sehen geben wird, ist nicht bei jedem Künstler von Anfang an klar. Bei Albrecht Grosse, der von Beruf Schreiner war und Skulpturen aus Holz fertigt, entwickelt sich das Kunstobjekt meist während der Arbeit. „Manchmal weiß ich schon vorher genau, was es werden soll. Aber das ist selten der Fall. Die meiste Zeit entwickelt es sich einfach, abhängig von den Eigenheiten des Baumstammes“, sagt Grosse, der bereits das sechste Mal bei dem Künstlersymposium auf dem Bildhauerhof in Streich dabei ist. Er schätze besonders das konzentrierte Arbeiten ohne Ablenkungen, den Austausch und das gegenseitige über die Schulter schauen an dem Symposium, sagt der frischgebackene Rentner, der nun mehr Zeit für die Kunst hat.
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Zeit nimmt sich auch Michael Schützenberger. Schon vorab räumt der in Backnang geborene und in Wien aufgewachsene Künstler seine Arbeiten weg und richtet mit den Künstlerkollegen die jeweiligen Arbeitsplätze ein. Er selbst sei seit vielen Jahren Anhänger der Symposiumsbewegung, erzählt er. Der Austausch ist ihm sehr wichtig. „Abends wird gegessen, Wein getrunken und über die Kunst diskutiert. Ganz im Sinne von Platons Gastmahl“, sagt Schützenberger und zitiert auch gleich noch Rainer Maria Rilke. Es geht also auch philosophisch und literarisch zu beim diesjährigen Künstlersymposium. Dabei ist für ihn jeder gleich: Der Bildhauer, der Kupferschmied, die Frau, die nur mit der Kettensäge arbeitet und die Köchin, die fürs leibliche Wohl aller sorgt.