In der Altenpflege sind es – etwa wegen des Einsatzes möglicher Pflegeroboter – 14 Prozent. Und sogar 83 Prozent der Tätigkeiten von Verkäuferinnen und Verkäufern können von der Technik übernommen werden. So können Roboter Dosen und Tüten in Regale räumen, der Kunde bezahlt die Ware auf digitalem Wege, teilweise kontaktlos. Die Kunstfertigkeit eines Konditors kann gar komplett etwa von einem 3-D-Drucker übernommen werden. Der Job-Futuromat macht deutlich: Digitale Technologien erobern zunehmend den Arbeitsalltag. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:
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Welche Rolle spielt dabei die Künstliche Intelligenz?
Der Übergang zwischen Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) ist fließend. Nur wenn digitale Daten und Prozesse vorhanden sind, funktioniert KI als zweiter Schritt – eine Technologie, die auf Basis vorliegender Daten eigenständig Entscheidungen trifft und daraus lernt. Versicherungs- und Kreditanträge, Steuererklärungen, Kostenanalysen und Übersetzungen – bei all diesen Tätigkeiten, die bereits von der Maschine übernommen werden können, ist KI im Spiel, sagt Katharina Dengler, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Wie viele Jobs derzeit von KI beeinflusst werden, ist unklar. Es ist nicht mal klar, wie viele Unternehmen überhaupt KI einsetzen – die Zahlen schwanken zwischen 6 und 16 Prozent. Fest steht aber, dass der Anteil rasant steigen wird. Die Firmen interessieren sich für diese Technologie – und loten die Chancen aus. Allein durch die Digitalisierung sind etwa 25 Prozent der Stellen bedroht, so das IAB in seiner letzten Studie.
Nehmen Computer und Roboter den Menschen die Arbeit weg?
Befürchtungen, dass Büros und Fabrikhallen künftig menschenleer sein werden, sind derzeit unbegründet, sagt Katharina Dengler vom IAB. Denn die Zahlen – etwa beim Job-Futuromaten – zeigen stets das technologisch Machbare. Ob Unternehmen dann tatsächlich in Automatisierung investieren, hänge auch von anderen Kriterien ab, etwa der Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition. Die Expertin räumt aber ein: Wenn Unternehmen die Chance haben, werden sie diese irgendwann auch nutzen.
Eine Untersuchung des IAB habe ergeben: Je höher das Substituierbarkeitspotenzial einer konkreten Arbeit ist, desto geringer ist das Beschäftigungswachstum. Allerdings: Auch wenn KI Einzug halte, sei nicht gleich der ganze Arbeitsplatz weg, sondern nur einzelne Tätigkeiten seien betroffen, erläutert Anne-Sophie Tombeil vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
Zudem ist die Arbeit nicht statisch. Beschäftigte passen sich an technologische Veränderungen an, die Arbeitsplätze verändern sich entsprechend, wie Terry Gregory, Leiter der Forschungsgruppe „Digitale Transformation“ am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), sagt. Berücksichtige man dies, fielen nicht – wie teilweise befürchtet – 50 Prozent der Stellen weg, sondern „nur“ zehn Prozent.
Welche Jobs sind besonders gefährdet?
In der Vergangenheit haben Maschinen meist Routineaufgaben übernommen. Das betraf sowohl Jobs von Sachbearbeitern als auch von Produktionsmitarbeitern. Dagegen erfreuten sich Berufe ohne klare Routine – wie sie Ingenieure und Programmierer, aber auch Reinigungskräfte wahrnehmen– einer erhöhten Nachfrage. Dieser Trend werde sich grundsätzlich fortsetzen, so Gregory.
Es könnte aber auch anders kommen: Denn Künstliche Intelligenz kann Maschinen für Aufgaben trainiert werden, die keiner Gewohnheit folgen – wie die Krebsdiagnose oder die Polizeiarbeit. Gleichzeitig werden Jobs entstehen – wie KI- und App-Entwickler oder Datenspezialisten. Chancen können sich auch für Geringqualifizierten eröffnen: „Möglich ist, dass durch digitale Assistenzsysteme neue Arbeitsplätze für Geringqualifizierte entstehen. Denn über eine Datenbrille kann jeder einzelne Arbeitsschritt eingeblendet werden.
Damit könnten Geringqualifizierte zum Teil auch in der Lage sein, die Tätigkeiten von Fachkräften zu übernehmen“, sagt Dengler. Oliver Stettes ergänzt: KI unterstütze Menschen dabei, Kompetenzen aufzubauen. Denn die Technologie ermögliche ein flexibles Lernen, das intelligenter auf individuelle Neigungen und Fähigkeiten eingehe, sagt der Leiter Kompetenzfeld Arbeitsmarkt und Arbeitswelt beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW).
Gibt es Jobs, die durch die Digitalisierung und KI nicht verändert werden?
Anne-Sophie Tombeil hat da eine klare Meinung: „Digitalisierung wird überall Einzug halten vom Maschinen- und Ackerbau über Bildung und Forschung bis zur Pflege und zum Beten.“ Beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaften ist man überzeugt: Je stärker die Tätigkeit mit Aspekten wie Kreativität, Problemlösungen, der Interaktion mit Menschen und sozialen Kompetenzen zu tun hat, desto weniger dürfte sich das Profil dieser Berufe verändern.
In welchem Umfang müssen sich Berufsausbildung und Studium verändern?
Ein Blick in die Stellenanzeigen macht deutlich: Datenanalyse oder Programmierung werden immer wichtiger. Das spiegelt sich auch in der Ausbildung wider. Grundbegriffe des maschinellen Lernens müssen in der Ausbildung vermittelt werden. Aktuell wird diskutiert, ob und wie Themen der Digitalisierung, KI, selbstständige Lernen von Maschinen in die Lehrpläne von Ausbildungsberufe integriert werden können, sagt Tobias Schubert, Referent für Industrie 4.0 beim Dienstleister Festo Didactic im Bereich technische Bildung.
Nicht geklärt ist bislang zudem, welche Inhalte bei welchem Ausbildungsberuf prüfungsrelevant sind und wie viele Stunden in welchem Ausbildungsjahr KI unterrichtet werden soll. Diese Fähigkeiten benötigen freilich nicht nur Berufseinsteiger. Das Thema Weiterbildung wird zunehmend wichtiger für die Unternehmen.