Die Veränderungen der Arbeitswelt sind fast schon revolutionär. „Der Wandel beschleunigt sich jede Woche“, meint Bosch-Chef Stefan Hartung. Damit steht er nicht allein. „Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz, von Robotik und Exoskeletten für unseren Mittelstand wächst rasant“, sagt Susanne Herre, die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.
Wer in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben möchte, könne auf solche Technologien nicht verzichten. „Wir wollen den Unternehmen helfen, die Effizienz in den Betrieben zu steigern, die Mitarbeiter bei schweren Arbeiten zu entlasten und den Personalmangel zu bekämpfen“, sagt Roman Leonov, Experte für digitale Anwendungen in den Betrieben bei der IHK Stuttgart.
Auch im Handwerk wird deren Bedeutung erkannt. „Bereits heute nutzen zahlreiche Handwerksbetriebe KI“, meint Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW und der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Handwerk möchte Förderung für KI-Nutzung
Allerdings, so räumt Reichhold in einem Positionspapier ein, „die Investitionen für KI-Technologien sind häufig noch hoch, was besonders für kleine und mittelständische Betriebe eine erhebliche Belastung darstellt.“ Nötig sei deshalb ein „passgenaues Förderprogramm mit Zuschüssen für Investitionen in KI-Technologien“.
Baden-Württemberg sieht sich bundesweit mit an der Spitze bei der Nutzung künstlicher Intelligenz: Nach einer Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin nutzen 76 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Südwesten Künstliche Intelligenz oder haben vor, diese in den nächsten drei Jahren einzuführen – bundesweit sind es nur 61 Prozent.
Auch Exoskelette können Effizienz steigern
Auch Exoskelette, die die Bewegungen des Trägers unterstützen und so zum Beispiel Beschäftigte bei schweren Arbeiten entlasten, können etwa „einen Handwerksberuf modernisieren“, wie Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart meint. Laut dem „Branchenbericht Handwerk 22“ des Instituts für betriebliche Gesundheitsforschung waren 25 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage im Handwerk auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen – durch ständig zu hohe Belastungen und falsche Bewegungsabläufe.
Exoskelette können helfen, Krankheiten zu reduzieren, meint Friedrich.
Gewerkschaften haben Gesundheit bei der Arbeit im Blick
Die Arbeitsbedingungen in Industrie und Handwerk haben natürlich auch die Gewerkschaften im Blick. Vieles müsse noch verbessert werden, meint der DGB-Landesvorsitzende Kai Burmeister, aber „diese Investitionen zahlen sich langfristig auch für die Unternehmen aus“.
Besonders Betriebsräte wüssten, was zu tun sei. Andreas Harnack, Leiter des Regionalbüros Baden-Württemberg der IG Bau, sagt allerdings, in seinem Arbeitsbereich, etwa im Bau- und Ausbaugewerbe, gebe es viele kleine Betriebe ohne Betriebsräte. Es gebe auch noch andere Hilfsmittel als Exoskelette, auf jeden Fall aber müssten diese auf die einzelnen Beschäftigten abgestimmt sein: „Ein Exoskelett muss individuell einstellbar sein.“ Nicht nur im Handwerk kann die Körperhaltung zum Problem werden.
Hilfe auch für Ärzte
Auch Ärzte leiden vielfach unter ungesunden Körperhaltungen, etwa bei Operationen. Ein Unternehmen aus Wannweil bei Reutlingen will hier Abhilfe mit einem neuartigen Operationsroboter Abhilfe schaffen. 75 Prozent aller Chirurgen leiden an Muskel- und Skeletterkrankungen, sagt Sabrina Hellstern, die Chefin von Hellstern medical, „40 Prozent müssen dauerhaft Schmerzmittel nehmen“.