Künzelsau Angeklagter gesteht Vergewaltigung

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Ein Mann aus Syrien gibt zu, sich an einer ehrenamtlichen Flühclingshelferin vergangenen zu haben.

Das Urteil in einem Vergewaltigungsprozess soll Ende März fallen. Foto: dpa
Das Urteil in einem Vergewaltigungsprozess soll Ende März fallen. Foto: dpa

Künzelsau - Die Freundschaft zwischen einem Syrer und einer jungen Frau in Künzelsau (Hohenlohekreis) ist am 24. Juli 2016 abrupt zerbrochen. Zurück blieb ein Trümmerfeld, das nun das Landgericht in Heilbronn sortieren soll. Denn der 22-jährige A. soll die Frau, die ihn ehrenamtlich in seinem neuen Leben in Deutschland unterstützt hat, in ihrer Wohnung vergewaltigt und verletzt haben. Zum Auftakt des Prozesses hat der Angeklagte am Mittwoch die Vorwürfe gestanden und sich entschuldigt. „Ich hoffe, dass sie mir diesen Fehler verzeiht“, sagt A. nach einer langen und tränenreichen Aussage vor Gericht. Der junge Mann wurde eine Woche nach der Tat festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die beiden saßen auf dem Bett

Der Angeklagte hatte seine Bekannte an jenem Juliabend in ihrer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung besucht – wie schon so oft. Sie hätten miteinander geplaudert, eine Weile Tippkick gespielt und sich schließlich auf ihrem Laptop einen Film zusammen angesehen, sagt der 22-Jährige. Die beiden saßen auf dem Bett, der Computer stand auf einem Stuhl davor. Auch das hatten sie schon öfter so gemacht. Irgendwann habe die Frau eine Flasche Wein aufgemacht. A., der nach eigener Aussage eigentlich keinen Alkohol trinkt, wollte kosten. Er habe das ganze Glas auf einmal gekippt, erzählt er. Sie habe nachgeschenkt, und er habe noch ein paar Schlucke getrunken. „Wir saßen auf dem Bett, meine Füße waren auf ihrem Bauch, und mein Körper war wie Feuer“, sagt er. „Da habe ich gemerkt, ich kann mich nicht mehr beherrschen.“

Als sich die Frau nach vorne gebeugt habe, um den Laptop auszuschalten, habe er sie von hinten umarmt und geküsst. Sie habe ihm da noch nicht signalisiert, dass sie das nicht wolle, sondern im Gegenteil eine altmodische arabische Redewendung verwendet: „Die Milch ist rein“, soll sie gesagt haben, was laut dem Dolmetscher so viel bedeutet wie „Wir haben kein Problem miteinander“. Als er fortfuhr, sie zu berühren und zu küssen, habe sie ihn immer wieder weggestoßen – vergeblich. Er habe sie festgehalten und vergewaltigt. Etwa 15 Minuten habe das Ganze gedauert. Danach habe seine Bekannte seine Kleider vor die Tür geworfen, und er sei gegangen. „Mein Kopf ist schwer geworden wie ein großer Stein“, sagt er.

Opfer berichtet von einem einstündigen Kampf mit dem Täter

Seine Schilderung deckt sich nicht mit der Aussage, die sein Opfer bei der Polizei gemacht hat. Die Frau, die am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht gehört wurde, berichtete demnach von einem Kampf, der sich über eine ganze Stunde hingezogen habe. Dabei erlitt sie Schürfwunden, Quetschungen und blaue Flecke. Außerdem soll sich das Bedauern des Täters im vorigen Sommer, als er dem Haftrichter vorgeführt wurde, noch eher auf sich selbst konzentriert haben. „Aus ihrer Sicht ist Vergewaltigung eine große Sache?“, soll er nach Angaben des Staatsanwalts damals gesagt haben.

Der junge Syrer lebt seit einem Jahr in Deutschland. Zuvor hat er Schlimmes erlebt. Sein älterer Bruder sei von IS-Soldaten vor seinen Augen enthauptet worden, sagt er. Auch ihn hätten IS-Kämpfer entführt, in ein Gefängnis gesperrt und ausgepeitscht. Nach vier Wochen sei bei einem Angriff auf das Gefängnis eine Wand eingestürzt. Er habe fliehen können und sich zu einer Tante gerettet, die ihm Geld für die Flucht gegeben habe. „Ich muss hier weg, die bringen mich um“, habe er ihr gesagt.

Das Urteil wird Ende März erwartet

Die Flucht führte ihn über die Türkei nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich schließlich am 26. Februar 2016 nach Deutschland. In Künzelsau fand er Unterschlupf; was aus seiner Familie in Syrien wurde, weiß er nicht. A. bekam Arbeit bei einer Baumschule und eine eigene kleine Wohnung. Die junge Frau hatte er seiner Aussage zufolge in einem Treffpunkt für Flüchtlinge kennengelernt und sich schnell mit ihr angefreundet. Drei Monate lang hätten sie sich gegenseitig besucht.

Beim schweren Unwetter im Frühjahr, als Künzelsau überflutet wurde, half A. mit anderen Flüchtlingen und seiner Bekannten beim Aufräumen. „Wir waren dick befreundet“, sagt er. Dass er sich mehr von ihr erwartet, erhofft oder erträumt hat, streitet er ab. Nach der Vergewaltigung sah er sie nur noch einmal. Die Frau hatte ihr Handy bei ihm liegen lassen und holte es ab. Danach beantwortete sie keine Whats­app-Nachrichten mehr und ließ seinen Kontakt schließlich sperren. Eine Woche später kam die Polizei.

Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird für Ende März erwartet.