Noch läuft der Aufbau, aber am 23. August geht die Kürbisausstellung los. Foto: Simon Granville
Laura Ramsauer achtet als künstlerische Leiterin der Ludwigsburger Kürbisausstellung darauf, dass alle Kürbisse an der richtigen Stelle landen. Wie sieht die perfekte Figur aus?
Die Räder des Kamerawagens könnte man mit orangefarbenen Kürbissen behängen, schlägt eine Mitarbeiterin vor – oder mit den schwarzen. „Orange ist perfekt, das machen wir“, sagt Laura Ramsauer, und los geht’s. In den Stielen stecken Kabelbinder, damit befestigen sie die Kürbisse an den Gitternetzen der einzelnen Figuren. Es sind geübte Handgriffe, die Frauen machen diese Arbeit seit Jahren. Mehr als 15 sind es bei Ramsauer. Mittlerweile gehört sie zu den Menschen, ohne die die Kürbisausstellung im Ludwigsburger Blühenden Barock kaum funktionieren würde.
Künstlerische Leiterin heißt ihr Job bei der Juckerfarm, dem Ausstellungsveranstalter, offiziell. Doch wer mal ein paar Stunden mit ihr im Blühenden Barock unterwegs ist, merkt schnell: Es ist viel mehr als das. Sie scheint jeden der Mitarbeiter beim Namen zu kennen, ist überall auf dem Gelände unterwegs, und wenn es sein muss, setzt sie sich auch mal selbst in den Stapler und kutschiert Strohballen umher.
Aus der Spülküche zur künstlerischen Leitung
Ramsauer ist ein Kind dieser Ausstellung. Sie wohnt nicht nur in Ludwigsburg, ihrem Stiefvater gehört auch der Transportdienst, der die Kürbisse zu den einzelnen Ausstellungen fährt. Angefangen hat sie damals in der Spülküche der Cafeteria am Rosengarten. Irgendwann half sie im Shop mit, in der Gastro, und dann ließ man sie endlich beim Aufhängen der Kürbisse an den Figuren mitmachen. „Ich mache gerne die kreativen Sachen“, sagt sie. „Das Behängen hat etwas Meditatives, und wenn man am Ende des Tages einen Schritt zurück macht, sieht man auch, was man geschafft hat.“
Mittlerweile gehört sie auch zu dem Personenkreis, der sich Anfang jeden Jahres in einem Hotel trifft, um die kommende Ausstellung zu besprechen. „Großes Kino“ ist in diesem Jahr das Thema in Ludwigsburg. Charlie Chaplin, Jedi-Meister Yoda oder Harry Potter werden deshalb im Blüba zu sehen sein. „Ganz wichtig ist der emotionale Wert“, sagt Ramsauer zur Frage nach der perfekten Figur. „Es muss sich etwas regen, wenn man die Figur anguckt.“
Zwischen Konzentration und Routine: Laura Ramsauer (rechts) hängt Kürbisse auf. Foto: Simon Granville
Auf dem Gabelstapler unterwegs
Als sie im vergangenen Jahr mit Elsa und Schneemann Olaf auf dem Gabelstapler durchs Blüba fuhr, „sind die Kinder ausgeflippt“, erzählt sie. Diesmal hört man begeisterte Rufe, wenn jemand Micky Maus entdeckt. Immer wichtiger werden Fotospots, die Ausstellung lebt auch davon, dass die Menschen Bilder in den sozialen Netzwerken posten. „Da könnten wir sogar noch ein paar mehr haben“, findet Ramsauer.
In den Grundzügen steht die Gestaltung der Figuren schon fest, bevor sie in Ludwigsburg aufgestellt werden. Entworfen werden sie seit jeher vom Cleebronner Künstler Pit Ruge, er liefert auch die Gerüste, an denen die Kürbisse aufgehängt werden. Zudem ist die Ausstellung im Jahr zuvor auch immer schon in der Schweiz zu sehen. Zu Laura Ramsauers Aufgaben gehört es dann, die passenden Kürbissamen zu bestellen und an die Höfe zu verteilen. „Dass Micky Maus eine rote Hose und Superman einen blauen Anzug mit rotem Cape trägt, ist so ikonisch, dass wir das natürlich auch genauso darstellen müssen“, erklärt sie.
An anderer Stelle gibt es ein bisschen mehr künstlerische Freiheit – etwa an den Rädern des Kamerawagens.
Auch nach 15 Jahren ist es ein Knochenjob
Sie liebt die familiäre Stimmung unter den Mitarbeitern, der harte Kern arbeitet seit Jahrzehnten zusammen. Leidenschaft müsse sie für ihren Job mitbringen, aber auch eine gehörige Portion Flexibilität. „Ich weiß morgens nie genau, was auf mich zukommt“, sagt sie. „Da heißt es oft zu improvisieren.“ Die Erfahrung von 15 Jahren hilft zwar, es bleibt aber ein Knochenjob. Vor allem, wenn es so erbarmungslos heiß ist wie in diesen Tagen und der Arbeitstag trotzdem zehn Stunden dauert. „Im Regen ist es noch schlimmer, die Kürbisse aufzuhängen“, sagt sie. „Da weichen die Finger irgendwann auf.“
Und wenn die Ausstellung in Ludwigsburg am 23. August beginnt, ist Laura Ramsauer nicht einmal da. Denn sie ist auch für die übrigen Kürbisausstellungen der Juckerfarm zuständig. Davon gibt es mittlerweile eine Menge. Die Figuren kommen ganz schön rum. Wenn sie renoviert werden müssen, packt Ramsauer mit an, bemalt Gesichter neu, tauscht Holzstücke aus. Nicht zuletzt flickt sie die stabilisierenden Metallgitter.
Den kommenden Monat über wird Laura Ramsauer deshalb viel unterwegs sein: in Kaiserslautern, Beelitz oder sogar in Brüssel, der Hauptstadt Belgiens. „Dort haben sie noch das zusätzliche Angebot Kürbisschnitzen mit Kindern angefordert“, sagt sie. „Darum muss ich mich noch kümmern.“