Kürbisausstellung in Ludwigsburg Wie aus einem Baumstamm Elvis Presley wird

Von Lukas Claus 

Die Kürbisausstellung in Ludwigsburg begeistert jedes Jahr mit tollen Figuren. Für diese ist bereits seit 20 Jahren der selbe Künstler verantwortlich. Wer ist der Mann?

Pit Ruge fertigt seit der zweiten Kürbisausstellung die beeindruckenden Figuren in Ludwigsburg an. Foto: imago images/Eibner/Eibner-Pressefoto/Kuhnle via www.imago-images.de
Pit Ruge fertigt seit der zweiten Kürbisausstellung die beeindruckenden Figuren in Ludwigsburg an. Foto: imago images/Eibner/Eibner-Pressefoto/Kuhnle via www.imago-images.de

Ludwigsburg - Die Kürbisausstellung lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher in das Blühende Barock nach Ludwigsburg. Das liegt auch daran, dass die Veranstaltung immer unter einem anderen Motto steht. Im 21. Austragungsjahr dreht sich alles um die Musik. Überall auf dem Gelände sind große Kürbisfiguren platziert, die etwas mit dem gewählten Thema zu tun haben. Dazu zählen zum Beispiel ein überlebensgroßer Elvis Presley, Beethoven oder ein Ghettoblaster.

Hauptverantwortlich für diese Figuren ist der Künstler und Fotograf Pit Ruge. Der 53-Jährige wuchs in Marbach auf und ist seit der zweiten Kürbisausstellung vor 20 Jahren der Kopf hinter den Skulpturen. Obwohl er mittlerweile in Berlin wohnt, kehrt er jedes Jahr für drei Monate in die Heimat zurück, um die Figuren herzustellen. Wie funktioniert das? Zuerst müssen die Objekte geplant werden.

Die genaue Planung ist entscheidend

Dieser Schritt beginnt Ende November. In einer kleinen Konferenz wird das Motto der kommenden Ausstellung beschlossen, woraufhin Pit Ruge einen Großteil der Objekte ausarbeitet. In einer weiteren Kreativrunde einigen sich die Teilnehmer auf die zu bauenden Figuren. „Ich hätte in diesem Jahr lieber David Bowie dabeigehabt“, sagt der gelernte Fotograf. Es sei aber auch wichtig, Kompromisse einzugehen. Anschließend überlegt sich Ruge wie die Figur aussehen soll, wie groß sie wird und wie sie gebaut wird. Dabei bedient er sich oft der Bildrecherche. Anhand der Vorlagen konzipiert er die Skulpturen. Nicht selten entnimmt er den Fotos auch Maße, wie zum Beispiel den Abstand zweier Lautsprecher eines Ghettoblasters.

Über die Jahre hat sich der 53-Jährige einige Maßtabellen angelegt. Zusätzliche Hilfsmittel sind Bücher über Proportionslehre und Anatomie. Das sei wichtig um die Stabilität zu gewährleisten. Schließlich wiegt allein der Kopf mancher Figuren etwa 80-, eine ganze Figur oftmals 700 Kilogramm. Bei der Planung muss auch die Größe der Kürbisse eingerechnet werden. „Die Figur wird durch die Kürbisse etwa sieben bis 15 Zentimeter größer. Die Proportionen müssen aber trotzdem noch stimmen. Deshalb muss man bestimmte Maße der Figur im Vorhinein verkleinern“, meint Ruge.

Arbeiten mitten im Cleebronner Wald

Zum Bau der Objekte zieht sich der Künstler ab Mai für drei Monate in seine Waldwerft nach Cleebronn zurück. Für diese Zeit wohnt er mitsamt seinen Arbeitern mitten im Wald in seinem Atelier. „Das ist eine sehr intensive Zusammenarbeit. Wir haben quasi keinen Kontakt zur Außenwelt und sind nur noch wir“, beschreibt der 53-Jährige. Diese Methode liefere die besten Ergebnisse. Meistens werden drei bis vier Figuren parallel gebaut, die auch etwa drei bis vier Wochen zur Fertigstellung benötigen. Im Normalfall arbeiten zwei oder drei Personen an einer Figur. Für die Schnitzarbeit ist aber fast ausschließlich Ruge selbst zuständig. Die Baumstämme werden für jede Skulptur genau passend ausgewählt.

Das Team arbeite laut dem gelernten Fotograf Hand in Hand. Die Arbeitsschritte würden fließend in einander übergehen. Die Objekte bestehen zum Großteil aus Holz, für einige größere, eckige Teile werden auch Rahmen aus Stahl angefertigt. Die einzelnen Elemente einer Figur werden oft auch erst auf der Ausstellung zusammengesetzt, erklärt Ruge: „Bei Personen zum Beispiel sind die Beine, der Oberkörper und der Kopf eigene Module.“

Aufwendige Handarbeit

Um die Kürbisse anzubringen, wird stabiler Volierendraht an den entsprechenden Stellen befestigt. Von Hand wird bei jedem Kürbis per Bohrmaschine der Strunk durchbohrt. Anschließend werden sie mit Kabelbindern am Draht festgebunden. Ein ziemlich großer Aufwand, wie der 53-Jährige verdeutlicht: „Es gibt Figuren mit 1500 Kürbissen. Am Ghettoblaster aus dieser Ausstellung hängen aber zum Beispiel ungefähr 3000 Kürbisse. Da weiß man danach was man gearbeitet hat.“ Wenn die Früchte kaputt gehen, oder einen Sonnenbrand bekommen, müssen sie ausgetauscht werden.

Eine der größten Herausforderungen sei die richtige Wirkung bei den Besuchern zu erzielen, meint der Künstler. Deshalb könne man beim Behängen noch viel ruinieren. Bei der Auswahl der Kürbisse müsse man sehr variabel vorgehen, gute Kontraste zu setzen, sei wichtig. Aus diesem Grund werden die Farben gezielt ausgesucht und Einzelheiten, wie zum Beispiel Gürtel, bewusst hervorgehoben. Wo welche Farbe benutzt wird, sei oft Gefühlssache. Trotzdem hat man auch hin und wieder Einschränkungen: „Wenn bei einer Figur die Farbe in den Köpfen der Besucher schon vorhanden ist, dann muss sie da auch hin“, sagt Ruge. Fast alle Kürbisse stammen vom Obsthof Eisenmann in Marbach-Rielingshausen.

Von Ausstellung zu Ausstellung

Sind die Objekte fertig, werden sie zunächst auf der Jucker Farm in der Schweiz ausgestellt. Erst im darauffolgenden Jahr finden die Figuren ihren Weg nach Ludwigsburg. Wenn sie dort ihre Aufgabe erfüllt haben, geht es für sie auf den Spargelhof Klaistow in Brandenburg. Pit Ruge zufolge sind die Figuren etwa sieben bis acht Jahre lang auf Ausstellungen zu sehen. Anschließend werden die Objekte eingelagert. Hin und wieder werden einzelne Figuren danach noch für private Ausstellungen hervorgeholt oder ersetzen kaputte Skulpturen.

Pit Ruge ist mittlerweile ein echter Kürbis-Experte. Vergangenes Jahr schrieb er mit „Adler, Einhorn, Eichhörnchen“ sogar ein Buch über die Kürbisausstellung. Spaß an seiner Arbeit hat er auch nach 20 Jahren noch immer: „Die Arbeit an den Figuren, gerade auch im Wald, das will ich nicht missen.“




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