Kuhroulette in Unterensingen Kuhfladen ist 333,33 Euro Wert
Wo landet der erste Kuhfladen? Das ist alle zwei Jahre die große Frage beim Kuhroulette in Unterensingen im Kreis Esslingen. Nach zehn Minuten war diesmal alles vorbei. Ein Spielbericht.
Wo landet der erste Kuhfladen? Das ist alle zwei Jahre die große Frage beim Kuhroulette in Unterensingen im Kreis Esslingen. Nach zehn Minuten war diesmal alles vorbei. Ein Spielbericht.
Gute zehn Minuten hat es gedauert. Dann hob Wolkara dezent ihren Schwanz, ließ den ersten Fladen auf Feld F24 fallen, und sechs glückliche Gewinner konnten sich über jeweils 333,33 Euro beim zwölften Unterensinger Kuhroulette freuen. Wo sonst die Fußballer des örtlichen FC die Stars sind, verwandelte sich der Sportplatz bei der Bettwiesenhalle für Wolkara, Daisy, Oeda und Winnyaka zum „Catwalk“ oder besser zum „Cowwalk“. Die große Frage war: Wo setzt eine der „Damen“ zuerst einen Fladen auf das in 420 drei Mal drei Meter große Quadranten aufgeteilte Spielfeld?
Um die Kühe zu mehr Bewegung zu animieren, wurden zuvor Apfelschnitze auf den Feldern verteilt. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es mit ein bisschen Bestechung besser funktioniert“, sagte Christian Holder grinsend. Er ist der Vorsitzende des Posaunenchors im örtlichen CVJM, der das skurrile Event seit 2001 in zweijährigem Turnus organisiert. Das Kuhroulette als Veranstaltung sucht laut Holder weit und breit seinesgleichen, nur in Bayern und in Norddeutschland gebe es ähnliche Feste. Entsprechend groß war auch der Zuschauerzuspruch.
Festlich geschmückt wurden die tierischen Hauptakteurinnen bei zünftiger Blasmusik des Posaunenchors auf den Platz geführt und vorgestellt. Mit stoischer Ruhe ließen die vier „Damen“ das Prozedere über sich ergehen. Dabei war es für alle eine Premiere: Da Thomas Pfisterer, von dessen Hof die tierischen Stars bisher stammten, die Kuhhaltung aufgegeben hat, sprang der Unterensinger Landwirtschaftsbetrieb Kemner in die Bresche. Dass es Wolkara war, bei der es im ersten Durchgang zuerst kräftig pflatschte, wunderte Juniorchef Felix Kemner nicht: „Wolkara ist die entspannteste Kuh auf unserem Hof.“
Dabei hatte Wolkara wie ihre drei muhenden Kolleginnen zuletzt mehr Stress als ihre 76 Mitkühe im Kemner’schen Stall. Seit Ende Juni wurden die vier Kühe gezielt auf ihren Einsatz vorbereitet. „Zuerst haben wir sie an den Strick gewöhnt, dann sind wir mit ihnen spazieren gegangen und haben sie draußen auf eine extra eingezäunte kleine Weide gestellt“, erklärte Felix Kemner, der sich zusammen mit Thomas Pfisterer um das „Training“ gekümmert hatte. Da seine Kühe sonst nur im Stall sind – es fehlt an geeigneten Weideflächen in der Nähe – war das viel Neues für Wolkara und ihre Gefährtinnen, die sonst ein recht beschauliches Leben führen.
Man habe schon um einiges länger auf den ersten Fladen warten müssen, bekannte Unterensingens Bürgermeister Sieghart Friz. Der Schultes, der zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Hanna Gack sowie Notar Jörg Dettinger das Schiedsgericht bildete, muss es wissen: Seit 30 Jahren ist er im Amt und in Sachen Beurteilung dampfender Fladen quasi Pionier der ersten Stunde. Wolkaras Hinterlassenschaft wurde übrigens per Meterstab offiziell beurteilt und mit einem Mindestdurchmesser von mehr als zehn Zentimetern von der Jury als vollwertiger Fladen anerkannt.
Insgesamt wurden 4200 Lose verkauft, Holder schätzt, dass rund 1800 Besucher dabei einen Heidenspaß hatten. Beste Voraussetzungen also für die 13. Auflage im September 2026 – dann feiert der Unterensinger CVJM inklusive Posaunenchor zeitgleich seinen 100. Geburtstag.