Typische Gerichte zum Volksfest sind in den hiesigen Gastronomiebetrieben nicht üblich. Aber das Bäckerhaus in Ebersbach-Roßwälden hat erstmals ein Volksfestmenü auf der Karte.

Region: Corinna Meinke (com)

Schlägt sich eigentlich das Cannstatter Volksfest kulinarisch in den hiesigen Gastronomiebetrieben nieder? Werden Göckele und Haxen auch außerhalb der Festzelte serviert? Eine Blitzumfrage im Kreis Esslingen hat ergeben, dass sich nur wenige Lokale mit dem Thema beschäftigt haben.

 

Für spezielle Volksfest-Speisen sei der dreiwöchige Wasen eigentlich zu kurz, heißt es allenthalben oder man habe in der Küche für solche Extras keine Kapazität, wie aus der Kleinen Traube in Esslingen zu hören ist. Aber auch ohne Volksfest kann man zum Beispiel im Berkheimer Hof alle vierzehn Tage mittwochs in geraden Wochen das ganze Jahr über Grillhähnchen und Haxe vom Spieß genießen.

Das klassische Göckele steht in Esslingen eher selten auf der Speisekarte

Und statt dem klassischen Göckele gibt es auf vielen Speisekarten immerhin Hähnchengerichte wie beispielsweise im Trödler zur Burgschenke, im Dulkhäusle oder auch knusprige Ente aus dem Backofen im Jägerhaus. In vielen Lokalen beginnen außerdem jetzt die Wildwochen wie in der Kelter in Esslingen. Nach Volksfestgerichten habe allerdings noch niemand gefragt, ergänzt Kelterchef Ewald Rayher noch.

Drei Wochen Cannstatter Volksfest sind für die Gastronomen zu kurz

Man wolle dann auch Volksfestflair bieten, erklärt beispielsweise Marcel Hoffmann von der Alten Vogtei in Köngen, aber Dekoartikel seien teuer. Er habe sich tatsächlich überlegt, ob und wie er das Thema Volksfest aufgreifen könnte, doch für solche Specials müsse er sich erst die Kundschaft erarbeiten, das brauche Zeit.

Nach dem guten Erfolg der Winterterrasse im Advent 2024 und der Tiki-Bar in diesem Sommer bereite er mit seinem Team nun die Herbstsaison vor. Warme Cocktails wie Heißer Apfel mit Bourbon, Rumpunsch mit Birne und Vanille soll es ab der Wiedereröffnung am 3. Oktober an den acht bis neun offenen Feuerstellen genauso geben wie einen würzigen Gulaschtopf.

Liebesapfel und Lebkuchenherz wie vom Volksfest

Ein richtiges Volksfestmenü tischt dagegen das Bäckerhaus in Ebersbach-Roßwälden pünktlich zum Volksfestbeginn auf dem Cannstatter Wasen von Mittwoch, 24. September, bis Samstag, 4. Oktober, auf. Auf die Gäste warten Leckereien wie „Variation aus der Limpurger Ochsenbraterei“, ein „Spaziergang über das Französische Dorf“ und „Variation vom Bonbonstand“ mit Liebesapfel, Lebkuchenherz und Gebrannte-Mandel-Eis.

Seine Volksfestkarte hat Bäckerhauschef Markus Eberhardinger „Schmankerl und Stimmung in vier Gängen“ überschrieben. Und außer dem Menü kocht der ambitionierte Küchenmeister für seine Gäste noch mehr Frisches von seiner Volksfest-Spezialitätenkarte.

Eine kulinarische Liebeserklärung an das Cannstatter Volksfest

Die Gerichte sind auf jeden Fall schwäbisch-bayrisch inspiriert wie die Vorspeisen Obatzder oder Haxensülze, die mit Radi und Laugengebäck daher kommen. Wer es weniger fleischlastig angehen will, kann statt Schweinebraten mit Kruste, Bayrisch Kraut und Brezelknödel auch Krautspätzle mit Spaziergang um die Fruchtsäule bestellen, wobei mit dem Spaziergang eine frische Gemüseauswahl gemeint ist.

Tiroler Almhütten statt Französischem Dorf

Als Jugendlicher war Eberhardinger, der in Stuttgart-Degerloch aufgewachsen ist, natürlich auch auf dem Volksfest. Gut erinnern kann er sich an die verführerischen Düfte im Französischen Dorf, berichtet er, während er gerade in seiner Gasthausküche die Gebrannten Mandeln fürs Dessert zubereitet.

Christina Speißer-Eberhardinger und Mutter Dorothea kümmern sich um die Bäckerei, während Küchenmeister Markus Eberhardinger die Gastwirtschaft umtreibt. Foto: Archiv/Roberto Bulgrin

Seine Erinnerungen hat Eberhardinger im Menü als „Spaziergang über das Französische Dorf“ verarbeitet. Dazu gehören eine Bauernterrine „Pâté de Campagne“, eine Galette aus Buchweizenmehl mit Speck und Käse und ein gebackener Camembert.

Der Koch zaubert französische, schwäbische und bayrische Leckereien

Tatsächlich ist das „Französische Dorf“ auf dem Cannstatter Volksfest inzwischen Geschichte. Statt der französischen Lebensart des „savoir vivre“ hat seit 2007 auf dem Wasen das Almhüttendorf mit seinem kulinarischen Spezialitätenmix aus schwäbischen und Tiroler Speisen Einzug gehalten.

Aber noch mal zurück zur Menüfolge im Bäckerhaus. Nach den französischen Schmankerln hat sich Eberhardinger für seine Gäste ein halbes „Wachtel-Hendl“ mit Kartoffelstroh und Trüffelmayonnaise ausgedacht. Ohne ein Hendl sei ein Volksfest ja einfach nicht vorstellbar, erklärt der Küchenchef, und damit nach dem Zwischengang noch Platz im Magen bleibe, habe er sich für die deutlich kleinere Wachtel als Alternative zum Hähnchen entschieden.

Typisch fürs Volksfest war auch die Ochsenbraterei

Der Hauptgang soll dann an die traditionelle Ochsenbraterei erinnern, die früher auf dem Volksfest nicht fehlen durfte. Eberhardinger hat für sein Menü daraus als Hauptgang die „Variation aus der Limpurger Ochsenbraterei“ gemacht mit Meerrettichkruste, Krautwickel und geschmorten Ochsenfetzen mit Knödel.

Das Fleisch kommt von der ältesten noch lebenden Rinderrasse Württembergs, die zu den gefährdeten Nutztierrassen zählt. Typisch sei für diese das fein marmorierte Fleisch, das bei der Zubereitung seine Saftigkeit behalte und für seinen besonderen Geschmack bekannt sei, heißt es auf der Seite von Mareike Voggel aus Weilheim Teck, bei der Eberhardinger, den Prinzipien von Slow Food folgend, regionales Fleisch einkauft.

Hausgemachte Torten und Kuchen gibt es nachmittags

Und das Dessert steht mit Variation vom Bonbonstand ja auch bereits fest, wobei der süße Abschluss mit besagtem Liebesapfel, Lebkuchenherz und Gebrannte-Mandel-Eis lockt. Geöffnet hat das Bäckerhaus immer mittwochs bis samstags von 17 bis 22 Uhr und warme Küche gibt es bis 21 Uhr.

Am Freitag ist Fassanstich

Bäckerhaus
Freitags wartet auf die Gäste das wöchentlich wechselnde Mittagessen von 12 bis 14 Uhr (diese Woche gibt es Schweinshaxe aus dem Bäckerofen), und seit der Wiedereröffnung nach dem großen Hochwasserschaden werden von Mittwoch bis Freitag auch wieder Kaffee sowie hausgemachte Torten und Kuchen von der familieneigenen Bäckerei Rau serviert, die Ehefrau Christina leitet.

Volksfest
Das 178. Cannstatter Volksfest beginnt am Freitag, 26. September und dauert bis zum 12. Oktober. Der Fassanstich findet im Festzelt Klauss und Klauss am Freitag, 26. September, im Rahmen der Eröffnungsfeier zwischen 16 und 17 Uhr statt.