Kulinarische Genüsse in Böblingen Schlemmen mit den Freunden aus dem Piemont

Maurizio Cirio von der veranstaltenden Famija Albèisa an der Essensausgabe Foto: Eibner-Pressefoto/Dennis Duddek (2), Nicolas Wörn

Bei der 15. Auflage der „Kulinarischen Genüsse aus Alba“ durften die Böblinger und ihre Gäste am Wochenende wieder allerlei Leckereien aus der italienischen Partnerstadt genießen.

Ein Blick in die Küche am Freitag um 18.30 Uhr? „Oh nein, im Moment unmöglich“, heißt es gleich. Zu viel Hektik kurz vor der Eröffnung, dazu strenge hygienische Vorschriften. Chefkoch Domenico Pavan und seine rund 80 Helfer aus Alba haben alle Hände voll zu tun, um die unzähligen Leckereien vorzubereiten. Hunderte von gespannten und hungrigen Böblinger Gästen warten auf Vitello tonnato, Risotto mit Castelmagno-Käse und Nüssen, Rinderbraten in Barolo, Schweinefilet mit Haselnusspesto oder eine Panna Cotta zum Nachtisch. Wer mag, kann sich das Hauptgericht mit weißem Trüffel verfeinern lassen: Drei Gramm des Edelpilzes kosten etwa 18 Euro.

 

Der Papst ruft Seit über 30 Jahren gibt es die „Kulinarischen Genüsse aus Alba“ in Böblingen. Und hier wird nicht nur die norditalienische Feinschmecker-Region gefeiert, sondern auch die langjährige Partnerschaft der beiden Städte. Massimo Lampugnani, Vizepräsident des Veranstalter-Vereins Famija Albèisa, überbrachte zur Eröffnung eine Botschaft des greisen Giovanni Bressano, dem geistigen Vater der „Kulinarischen Genüsse“, der nicht mehr so weit reisen kann. Albas Bürgermeister Carlo Bo und der piemontesische Regionalpräsident Alberto Cirio (vergleichbar mit dem Ministerpräsidenten eines hiesigen Bundeslandes) beschworen die deutsch-italienische Freundschaft. Die beiden Offiziellen konnten nicht das ganze Wochenende in Böblingen bleiben, sondern mussten bereits am Samstagmorgen zurückreisen. Denn im Piemont wartete hoher Besuch: Papst Franziskus, dessen Familie aus der Nähe von Asti stammt.

Auch Bier schmeckt Während im Europasaal an langen Tischen gespeist wird, verwandelt sich das Foyer in eine kleine Kulinarik-Messe. Vor allem Weinhändler bieten ihre edlen Tropfen aus Alba und Umgebung an. Zum Beispiel Enrico Orlando, der den Aufenthalt in Böblingen jedes Mal sehr schätzt – nicht zuletzt, weil er das lokale Bier mag. „Wir hatten in Alba lange einen Getränkehändler, der auch Schönbuch Bräu im Angebot hatte“, übersetzt seine Kollegin Arianna Pittalis, die einige Jahre in Karlsruhe gelebt hat, „aber weil der jetzt im Ruhestand ist, müssen wir das Bier selber organisieren.“ Und Orlando zeigt grinsend auf die zwei Kästen Bier, die er unter dem Tisch platziert hat.

Lässig vs. pünktlich Eugenio Martino verkauft Käse und Wurst. „Die Fenchelsalami ist immer als erstes weg“, sagt der 67-Jährige, „keine Ahnung, warum.“ Er sei sehr stolz, die Produkte aus Alba in Böblingen präsentieren zu dürfen. Zudem seien die Deutschen gute Kunden. „Nach dem Wochenende ist normalerweise von meinen Waren nichts mehr übrig.“ Dass die Verständigung zwischen den Albesi und den Böblingern so gut klappt, liegt zu einem Großteil an Franca Fiorenza. Die Italienerin, die seit 1957 in Deutschland und seit 1984 in Böblingen lebt, ist rund um die „Kulinarischen Genüsse“ als Dolmetscherin aktiv. Das beginnt schon im Juni, wenn organisatorische Fragen aller Art zu klären sind. „Das gute Essen verbindet“, nennt Fiorenza den Wesenskern des Events, „hier lässt sich ein Stück Italien genießen.“ Was lässt sich voneinander lernen? „Die Deutschen könnten etwas mehr Lässigkeit vertragen“, findet sie, „den Italienern hapert es an der Pünktlichkeit, dafür können sie besser improvisieren.“

Aromengenuss für Nase und Gaumen Im gut besuchten Württembergsaal gibt es am Samstagnachmittag zwei kommentierte Weinproben. Um 15 Uhr kommen gut 40 Interessenten und um 19.30 Uhr über 70. Auf der Bühne stellten der Piemont-Spezialist Otto Kühnle und Massimo Lampugnani fünf Gewächse vor. Sie plaudern kenntnisreich über die lokalen Spezialitäten.

Der erste vorgestellte Wein schmeckt nach Kirsche - wie bitte? Ja, die fast ausschließlich in Piemont angebaute Rebsorte Doletto hat dieses fruchtig-samtige, leicht rauchige Aroma. Und der Name der Einzellage verweist darauf, dass es im Piemont französische Einflüsse gibt; Sörì Autinot in Diano‚ Alba von Cascina rosso. Angenehm sachlich und ohne den bei Weinproben gefürchteten Infoschock wird der Bread-and-Butter-Wein des Piemont präsentiert, ein säure-frischer Barbera d’Alba von der Cascina Chicco. Kühnle: „Ein perfekter Begleiter zu den nicht gerade mageren, aber unglaublich geschmackvollen Würsten aus der Region.“

Einen tollen Jahrgang hatte man mit dem 2019er Barbaresco von Piazzo mitgebracht. Er besteht aus der Rebsorte Nebbiolo, was von Nebbia für Nebel kommt, da die Trauben sehr spät, meistens im November geerntet werden. Lampugnani: „Sie verfügt über wenig Farbe, die wie das Tannin aus den Traubenschalen kommt. Der Gaumen-füllende Charakter lässt auf eine schöne Zukunft während der Flaschenreife hoffen, Aromen erinnern an Himbeeren und Marzipan.“

Der Barolo von Coppo beendet die Rotweinparade. Er ist Vertreter eines Jahrgangs (2018), der über eine bereits sich öffnende Frucht verfügt und ist laut Moderator Otto Kühnle aufgrund seiner weicheren Tannine ein Tipp für den kommenden Weihnachtsbraten, mit Aromen von Gewürzen, Veilchen und Trüffeln.

Nach so viel Rotweinpower gibt es einen hoch-delikaten süßen Abschluss: einen echten Moscato d’Asti. Im Gegensatz zu französischen Champagnern verfügen diese Schaumweine über einen sehr niedrigen Alkoholgehalt und über eine höhere, natürliche Restsüße. Otto Kühnle schwärmt: „Dazu Semifreddo al Torrone und den Asti in großen Schlucken schnell trinken, denn er darf nicht warm werden.“

Immerhin war die Neugier geweckt, sodass einige Teilnehmer zur kommentierten Weinprobe auch Fragen haben - rund um die Themen Gerbstoff, Aromen und Fassausbau.

Alba im Piemont

Daten
 Die 30 000-Einwohner-Stadt Alba liegt im Piemont, etwa 60 Kilometer südlich von Turin. Die Partnerschaft mit Böblingen besteht seit 1985. Die „Kulinarischen Genüsse aus Alba“ finden seit 1991 im Zwei-Jahres-Turnus in Böblingen statt.

Leckereien
 Alba ist berühmt für den Trüffel und die Weine, die in den Regionen Langhe, Roero und Monferrato angebaut werden. Auch Schokogigant Ferrero (12,7 Milliarden Jahresumsatz) hat seinen Sitz in Alba.

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