Genau hier hinter dem Tresen der Stuttgarter Kult-Bar Kottan fand man 17 Jahre lang Andreja stehen, Bier zapfen und mit den Gästen schnacken. Foto: Charlotte Haug
17 Jahre lang war Andreja Maros das Gesicht hinter dem Kottan. Zwischen Bohème, Bier, Tischtennis und DJs entwickelte sich das einstige Zotti zu einem Ort, an dem sich Generationen begegneten. Nun geht die Ära zu Ende.
Charlotte Haug
30.04.2025 - 11:05 Uhr
Bald ist Schluss. Das Kottan wird Ende September schließen. Im Herbst übernimmt Uwe Wagner die Bar, eine bekannte Figur der Stuttgarter Gastroszene, der unter anderem das Oblomow mitbetrieb. Auch bei der Location am Hans-im-Glück-Brunnen war er von Anfang an dabei – als Geschäftspartner, Geldgeber und Pachtvertragshalter.
Wie und warum es zu Uwes alleinigen Übergabe nun kommt, bleibt von beiden beteiligten Seiten vage. Sicher ist: Der Vertrag mit Andreja wurde nicht verlängert. Die Bar wird komplett umgebaut, das Konzept neu gedacht. Es soll eine Nichtraucherbar werden. Für viele wird der Wandel deutlich spürbar sein – und für Andreja ist klar: Das wird nicht mehr ihr Kottan sein.
Kottan Stuttgart: Aus nach 17 Jahren – Umbau folgt
Die Geschichte des Kottan beginnt vor knapp siebzehn Jahren mit einem Telefonat. Andreja, seit Jahrzehnten in der Stuttgarter Gastro unterwegs – Oblomow, Lefonk, Bar im Westen, Schräglage – hörte eines Tages, dass Suse Ochs, die damalige Betreiberin des Zotti, darüber nachdachte aufzuhören. Ihre Reaktion: „Ich habe sie einfach angerufen und gesagt: Ich will deinen Laden haben.“
Zwei Wochen später kam die Zusage: „Nachdem sie sich mit ihrem Mann besprochen hatte, hat sie mich angerufen und hat gesagt: Du kriegst meinen Laden.“ Gemeinsam mit Uwe Wagner, der als Geldgeber einstieg, entwickelte sie das Konzept für einen neuen Ort – inspiriert von einer Ästhetik, die sie beide gut fanden: das Wiener Kaffeehaus. Gedimmtes Licht, dunkle Farben, ein Hauch Bohème – nur eben im Kleinen. Das Kottan wurde ihre Interpretation davon auf wenigen Quadratmetern.
Noch bis Ende September kann man sich vom Kottan und Andreja verabschieden. Foto: Charlotte Haug
Auch der Name war ein gemeinsames Brainstorming. Er stammt von der österreichischen Krimiserie „Kottan ermittelt“ – eine skurrile TV-Figur mit Kultstatus, deren durchlaufende Kaffeemaschine zur satirischen Konstante wurde. Eine kleine Hommage mit Augenzwinkern.
Stuttgarter Kult-Bar Kottan: Ende einer Ära naht
Das Kottan fühlt sich für viele an wie ein zweites Wohnzimmer. „Alle fühlen sich hier aufgehoben, egal in welchem Alter.“ Jugendliche und Menschen über Siebzig sitzen Seite an Seite am Tresen. Die Bar ist für viele längst mehr als ein Ort fürs Feierabendbierchen – sie ist untrennbar mit Barchefin Andreja verbunden. Nicht wenige sagen: „Ich gehe nicht ins Kottan, ich gehe zu Andreja.“
Dass hier so viele Begegnungen möglich sind und sich Freundschaften entwickelt haben, hält sie nicht für selbstverständlich. „Das Besondere ist, dass sich hier extrem viele Menschen kennenlernen. Was für Stuttgart relativ unüblich ist.“ Wer allein kommt, bleibt es selten lange.
Wenn jemand Hilfe brauchte – bei IT, Wohnungsfragen oder irgendwas anderem – wusste die Wirtin meist sofort, wer im Raum die passende Ansprechperson ist. Dann rief sie einfach quer durch den Laden und brachte die Leute zusammen.
Auch das Bar-Team prägte den Laden. Andreja wählte die Leute mit viel Gefühl aus. „Ich habe ein Händchen für gute Leute. Jede:r Mitarbeitende hat wieder andere Gäste angezogen.“ Mit der Zeit kamen DJs dazu, die regelmäßig rechts aus dem Eck heraus aufgelegt haben – zunächst auf Anfrage, dann von selbst. „Irgendwann ist es ein Selbstläufer geworden.“
Beim „Tanz in den Mai“ am 30. April legt traditionell DJ Ram auf – jedes Jahr (auch heute). Auch der CSD ist gesetzt, und für den kommenden letzten Sommer haben sich viele DJs noch einmal angekündigt. Auch draußen ist immer was los – auch wenn der Außenbereich wegen der Baustelle gegenüber etwas kleiner geworden ist. Früher standen hier am Wochenende bis zu 200 Leute, und die Tischtennisplatte hatte ihre eigene Fanbase.
Andreja Maros verlässt Kottan: Betreiberwechsel und Neukonzept
Seit Anfang des Jahres steht fest: Andrejas Zeit in der Geißstraße 14 und die des Kottans wie man es kennt, gehen zu Ende. Und zwar Ende September. Sie weiß, dass sich der Laden grundlegend verändern wird und hat mittlerweile ihren Frieden damit geschlossen. Das Interieur wird vollständig umgebaut, das Rauchen im Inneren verboten. „Damit ist für alle sofort klar, dass es nicht mehr mein Laden ist“, sagt die Stuttgarterin. Da würde der Deckel nicht mehr auf den Topf passen.
Ganz vorbei ist es aber noch nicht. Am 14. Juni wird das 17-jährige Jubiläum gefeiert – mit DJs und Außenbar. Und im September soll ein ganzer Abschiedsmonat mit Specials folgen. Andreja rechnet eher mit einem schleichenden Abschied – einem „vierwöchigen Leertrinken“, wie sie es nennt. Wenn alles klappt, werden dabei auch alte Teams von früher noch einmal gemeinsam hinterm Tresen stehen.
Und was kommt danach? „Viele fragen, ob ich dann woanders bin – aber das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen.“ Klar ist für sie nur: Das Kottan war nicht irgendein Laden. Es war etwas, das gewachsen ist – mit ihr, mit der Stadt, mit den Menschen.
„Ich habe hier echt was Großes aufgebaut. Ich finde, ich habe der Stadt und mir wirklich was Gutes gegeben. Und vielen, vielen Mitarbeitenden und lieben Menschen, die sich hier kennengelernt haben. Das war eine Ära. Mein zweites Kind, sozusagen.“