Für ihre Fahrgäste waren sie nicht nur Fahrer, Fremdenführer und Seelsorger: Fast 15 Jahre lang fuhren Helga Jacob und Erika Mänzel den Waldbus. Damit ist jetzt Schluss – obwohl sie gern weitergemacht hätten.

Welzheim - Die Fahrgäste haben sie meist nur unter ihren Vornamen gekannt: Helga und Erika. Rund 14 Jahre lang sind die Schwestern Helga Jacob und Erika Mänzel mit dem feuerroten Waldbus im Schwäbischen Wald unterwegs gewesen und haben ihre Passagiere in die idyllischsten und verborgensten Ecken, zu den romantischsten Schluchten und skurrilsten Orten ihrer Heimat befördert.

 

Die Arbeitsteilung war klar: Helga Jacob saß am Steuer, manövrierte das samt Radanhänger rund 18 Meter lange Gefährt über die schmalen und kurvenreichen Sträßchen und fragte Einsteigende frei heraus: „Wo kommt ihr her?“ Schließlich, sagt die 52-Jährige, „muss man doch schwätza mit den Leut.“ Sie kamen aus der ganzen Region, aber auch aus China oder den USA.

Ein Fahrgast hat sogar ein Gedicht für die beiden geschrieben

Erika Mänzel war für das zuständig, was sie lachend als „das Innenleben“ bezeichnet: Sie wusste, wann wo welches Festle steigt, hielt Prospekte parat, gab Tipps zu Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke, half beim Be- und Entladen der Räder und reservierte auf Wunsch vom Waldbus aus gleich ein Plätzchen im jeweiligen Lokal. Ein Rundum-glücklich-Paket für die Passagiere, von denen sich so mancher völlig planlos in den Bus fallen und sich dort ein Freizeitprogramm servieren ließ. „Das ging nur, weil Erika dabei war“, sagt Helga Jacob. Und zwar ehrenamtlich, wohlgemerkt.

„Es war eine schöne Zeit, wir wollen keine Stunde davon missen“, sagen die zwei Welzheimerinnen. Denn Ende Juli war ihre letzte Fahrt: Bei einer europaweiten Ausschreibung hat das Busunternehmen, für das die Schwestern arbeiten, den Zuschlag nicht mehr bekommen. Ein echter Tiefpunkt für die „beiden mobilen Schwestern“, wie ein Fahrgast das Waldbus-Dreamteam einmal in einem Gedicht genannt hat. „Der Waldbus ist unser Baby“, so formuliert es Erika Mänzel: „Wir sind von Anfang an voll hinter dem Projekt gestanden. Die letzte Fahrt war sehr emotional.“ Nein, die Trauerphase haben die Mütter des Waldbusses längst nicht überstanden – 14 Jahre hinterlassen halt ihre Spuren.

Ganz am Anfang galten die Waldbus-Fahrerinnen als Exoten

Dass sie mal einen Bus steuern wollen, wussten die Schwestern schon als Kinder. Die „Liebe zu großen Fahrzeugen“ haben sie gemeinsam. Nach einer Lehre zur Verkäuferin beziehungsweise Einzelhandelskauffrau und bestandener Auto-, Lastwagen- und Busführerscheinprüfung haben sie beide im Jahr 1991 angefangen, für ein Busunternehmen zu fahren. „Wir waren damals Exotinnen. Das war nicht ganz einfach, man hat sich durchboxen müssen“, erzählt Helga Jacob über die Anfangszeit, als sie im Murrhardter Raum mit einem Linienbus unterwegs war. „Fahrpraxis ist das A und O“, sagt ihre zwei Jahre ältere Schwester, „und die kann man auf unseren Straßen hier bekommen.“