Kult-Diskothek in Leonberg Wie das riesige Nachtschicht-Schild den Besitzer wechselte

Sammlerstück: Patrick Böhmler hat sich das große Eingangsschild der einstigen Leonberger Diskothek Nachtschicht gesichert. Foto: Simon Granville

Nur etwas verstaubt, ansonsten in Top-Zustand: Das Schild über dem Eingang zur einstigen Leonberger Kult-Disco hat einen neuen Besitzer. Wie kam es zu der Aktion?

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Die Nachtschicht weckt bei vielen Leonbergerinnen und Leonbergern nach wie vor große Emotionen. Die Diskothek im Keller der Römergalerie schloss zwar 2013 ihre Pforten. In den Köpfen vieler Gäste von damals ist sie aber nach wie vor schwer präsent. So auch bei Patrick Böhmler. Der 37-Jährige hatte im Jahr 2022 die Gelegenheit, den zu diesem Zeitpunkt noch vollständig eingerichteten „Tanzstadl“ besuchen zu dürfen. Jetzt hat er sich ein ganz besonderes Andenken gesichert.

 

„Als ich 2022 dort war, habe ich das große Schild über dem Eingang überhaupt nicht wahrgenommen“, berichtet er. Erst nach dem Bericht in unserer Zeitung Mitte März habe er realisiert, dass es nach wie vor an Ort und Stelle hänge. Also setzte er sich mit der Eigentümerin der Römergalerie, der Immobilienagentur Ashtrop Properties aus Berlin, in Verbindung. Von dort gab es schließlich – erfrischend unkompliziert – das Go: Böhmler konnte sich um einen Termin mit dem Hausmeister zum Abbau kümmern.

Patrick Böhmlers erster Besuch in der Nachtschicht: denkwürdig

„Ich habe ein paar Leute von früher gefragt, ob sie vielleicht Lust hätten, mir dabei zu helfen“, so Böhmler, der erst zwischen 2010 und 2012 erstmals einen Fuß in die Nachtschicht gesetzt hat. „Das war an dem Tag, an dem ich zum allerersten Mal 100 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren bin“, erinnert er sich. Abends habe ein Freund in der „Schicht“ Geburtstag gefeiert, wobei es ziemlich wild zugegangen sei. Nicht außergewöhnlich, war die Disco doch berüchtigt für ihre ausschweifenden Feten.

Ein Freiwilliger für die Schild-Abbau-Aktion fand sich tatsächlich, sein Kumpel Julian Bäuerle – der in der Nachtschicht einst seine jetzige Frau kennenlernte. Er rückte sogar mit einem Anhänger an. Mit Hausmeisters Hilfe zwickte und montierte man in der vergangenen Woche die voluminöse Tafel ab. „Wir waren ganz vorsichtig, auch beim Transport“, betont Patrick Böhmler, der noch immer beeindruckt ist vom guten Zustand des Schilds. „Es war nur ziemlich eingestaubt, und bis auf eine kleine Macke ist es fast wie neu.“ Öffne man es irgendwann einmal vorsichtig, könne man vielleicht sogar die Beleuchtung wieder in Betrieb nehmen – oder austauschen.

Nachtschicht-Schild kostete nichts, außer einer kleinen Spende

Gesichert hat er sich außerdem eines der neon-orangefarbenen Plakate zur Ankündigung der „Closing-Party“ am 31. März 2013. „Ich bin Grafik-Designer und habe das einfach zum Spaß mal am Computer nachgebaut“, sagt Böhmler und lacht. Dabei ist ihm aufgefallen, dass auf dem Plakat ein anderes Nachtschicht-Logo zu sehen ist als auf dem Schild. „Keine Ahnung, warum“, fügt er hinzu. Diese fehlende „Corporate Identity“ fuchst ihn aber allein schon von Berufs wegen.

Gekostet hat ihn die Aktion übrigens nichts – außer einer Spende an den Naturschutzbund. Aber was geschieht denn nun mit dem großen Schild? „Ich bin eigentlich überhaupt kein Sammler“, sagt Patrick Böhmler, „aber bei manchen Sachen habe ich das Bedürfnis, sie zu bewahren.“ Von daher, ja, sei es in der Tat ein Sammlerstück. Wie auch der Aschenbecher und die Streichholzschachteln, die er zusätzlich noch abgreifen konnte. „Falls die Stadt Interesse daran hat, kann sie sich gerne bei mir melden“, sagt er. Vielleicht sei das Schild ja ein Fall für das Archiv. Bis auf Weiteres lagert es in Patrick Böhmlers Garage.

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