Ludwigsburg - Es hat sich in den vergangenen Monaten abgezeichnet, jetzt steht es endgültig fest: Die Rockfabrik in Ludwigsburg hat keine Zukunft mehr an ihrem bisherigen Standort. Das ist das Ergebnis eines Telefonats, das der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht am Dienstnachmittag mit dem Eigentümer des Rofa-Gebäudes, dem Immobilienunternehmer Max Maier, geführt hat. In „konstruktiver und offener Atmosphäre“ habe man miteinander gesprochen, berichtet der OB. Welche Pläne Maier für die Immobilie in der Weststadt hat, ist auch nach diesem Gespräch nicht bekannt. Klar ist aber: „Für die Rofa geht es an diesem Standort nicht mehr weiter“, sagt Knecht. Ende des Jahres, vielleicht auch erst ein paar Monate später, werde die Disco dort schließen müssen.
Das ist die schlechte Nachricht für alle Fans, Mitarbeiter und die Betreiber der legendären Discothek. Die gute: Die Lichter gehen zwar aus, aber es besteht weiterhin Hoffnung, dass sie später an anderer Stelle wieder angemacht werden. Nachdem in den vergangenen Monaten mehr als 30 000 Unterschriften für die Rofa gesammelt wurden, 2000 Demonstranten mit Plakaten und Sprechchören durch die City marschierten und sich Musiker aus aller Welt mit der Rofa solidarisierten, hat auch die Stadt die Rettung der Disco zur Chefsache erklärt.
Aus zehn werden vier Standorte
Bereits vor Wochen versicherte Knecht, man wolle den Rofa-Betreibern bei der Suche nach alternativen Standorten helfen. Jetzt präzisiert der OB die entsprechenden Bemühungen. „Unser Fachbereich Liegenschaften arbeitet gerade daran, vier Standorte intensiver zu prüfen“, sagt er. In zwei Wochen werde die Stadt der Rofa das Ergebnis vorlegen. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass es klappt“, sagt Knecht. „In 14 Tagen werden wir es wissen.“
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Ursprünglich hatte die Verwaltung zehn potenzielle neue Standorte für die Rockfabrik identifiziert, verteilt auf das ganze Stadtgebiet. Sechs wurden nach einer ersten groben Untersuchung verworfen, darunter das Getrag-Areal im Süden der Stadt, das zuletzt als heißer Anwärter galt, aber nun doch nicht zur Verfügung steht. Übrig bleiben vier Gebäude, die jetzt genauer auf baurechtliche und vor allem brandschutzrechtliche Aspekte hin unter die Lupe genommen werden. Bekannt ist lediglich, dass das vor einigen Monaten frei gewordene Nestlé-Areal am Bahnhof unter den Kandidaten ist, zu den restlichen drei Grundstücken will Knecht sich nicht äußern. Nur die Rahmenbedingungen nennt er: Es handle sich um Areale in der Nähe des Stadtzentrums, die im Besitz der Stadt seien.
Darf die Disco ein paar Monate länger in der Weststadt bleiben?
Sollten sich keine unüberwindbaren Hindernisse auftun, hat die Rofa also doch noch eine Chance. Verschenken werde die Stadtverwaltung ihre Gebäude allerdings nicht, stellt Knecht klar. „Man müsste sich über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einigen. Wir machen ein Angebot – alles Weitere liegt an der Rofa.“ Ein weiteres Problem: „Die Zeit wird knapp.“
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Der Mietvertrag mit Max Maier läuft Ende Dezember aus, aber der Unternehmer hat sich gegenüber dem Oberbürgermeister bereit erklärt, der Rockfabrik eine Übergangsfrist einzuräumen. Sofern sich ein anderer Standort findet, darf die Discothek ein paar Monate länger in der Weststadt bleiben, um den Umzug zu organisieren.
Eine Achterbahnfahrt für die Betreiber
Nach dem Telefonat mit Maier hat Knecht am Dienstag die Rofa-Betreiber über die neue Entwicklung informiert. Nach seiner aktuellen Gefühlslage gefragt, sagt Johannes Rossbacher, einer der Geschäftsführer: „Es ist eine Achterbahnfahrt.“ Während die Chefs sich darauf vorbereiten müssen, die Rofa zu schließen, kämpfen sie weiter für die Rettung. Anfrage für Konzerttermine für 2020 müssen sie ablehnen. Auch die Mitarbeiter sind informiert, dass womöglich Ende des Jahres alles zu Ende ist. „Es gibt für uns momentan keine Planungssicherheit.“ Aber Hoffnung gibt es noch: „Wir werden uns das Angebot der Stadt natürlich genau anschauen.“ Allzu euphorisch klingt Rossbacher dabei nicht. „Wo die Achterbahnfahrt endet, wissen wir nicht.“
Auch in anderen Städte haben Rossbacher und Co. ihre Fühler ausgestreckt, aber die Optionen werden weniger. Kürzlich hatte der Betreiber der Großraumdisco Dancing Park Palazzo in Freiberg am Neckar Interesse an einem – wie auch immer gearteten – Geschäft mit der Rofa geäußert, dann aber einen Rückzieher gemacht. Es sieht also alles danach aus, als werde das Angebot der Stadt Ludwigsburg zum letzten Strohhalm. Und wenn es nicht klappt? Wird trotzdem gefeiert, wenn auch vermutlich in Endzeitstimmung. Das Motto der Silvesterparty jedenfalls steht: „The Final Countdown“.