Kultfilm mit Orson Welles Wo die Legende vom Dritten Mann lebt
Das Dritte-Mann-Museum in Wien zeigt Schauplätze des Kultfilms aus dem Jahre 1949. Das Betreiberpaar erinnert damit auch an ein dunkles Kapitel der österreichischen Hauptstadt.
Das Dritte-Mann-Museum in Wien zeigt Schauplätze des Kultfilms aus dem Jahre 1949. Das Betreiberpaar erinnert damit auch an ein dunkles Kapitel der österreichischen Hauptstadt.
Wien - Der Film „Der dritte Mann“ spielt 1948. Die Story: Der US-Schriftsteller Holly Martins (gespielt von Joseph Cotton) reist zu seinem Freund Harry Lime (Orson Welles) ins besetzte Wien. Am Tag seiner Ankunft wird Lime beerdigt, er soll ein skrupelloser Schwarzhändler gewesen sein. Der geschockte Martins stellt Nachforschungen an. Seine Suche nach der Wahrheit zieht ihn in einen Teufelskreis aus Korruption und Mord. Und immer wieder erklingt die charakteristische Melodie, gespielt auf einer Zither.
Das private Museum von Gerhard Strassgschwandtner und seiner Frau Karin Höfler im vierten Bezirk von Wien widmet sich diesem Kultfilm – und der Wiener Nachkriegsgeschichte. Er sagt: „Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um so ein Museum zu führen.“ Strassgschwandtner ist finanziell auf sich gestellt, was ihn nicht störe, wie er sagt.
„Mit der Bürokratie durch Zuschüsse geht die Leidenschaft verloren“, ist der Initiator überzeugt. Ganz wichtig ist ihm auch, dass „Der dritte Mann“ quasi ein Türöffner zur Wiener Zeitgeschichte ist. „Die Jahre nach 1945 hat man in Österreich verdrängt“, findet der Museumsleiter. Daher sei der englische Film zur Zeit seiner Erstaufführung hier nach drei Wochen schon abgesetzt worden. Inzwischen läuft der Klassiker regelmäßig im Burg-Kino.
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Wer Gerhard Strassgschwandtner trifft, ist nach kurzer Zeit mitten drin im Thriller und in der Wiener Nachkriegszeit. Bevor die Führung im Museum losgehen kann, muss er allerdings noch eine der drei Türen zum Museum öffnen. Direkt vom Gehsteig der Pressgasse geht es in die Zeit des Schwarz-Weiß-Films. Im ersten der 15 Räume, verteilt auf drei Häuser, fassen alte Fotos die Handlung zusammen. Es folgen Exponate über die Schauspieler und den weltweiten Erfolg, der bis nach Japan reichte. In einer U-Bahn-Station in Tokio erklingt bei jeder Zugeinfahrt die Filmmusik.
Hinter einer Treppe ist der sogenannte Kanalraum versteckt – samt einem Original-Gullydeckel aus Wien. Ein wichtiger Teil des Films spielt ja unter der Stadt im Kanalsystem, den Schmugglerwegen der Schwarzhändler. „Jeder, der versucht, ihn anzuheben, wie es im Film zu sehen ist, merkt sofort, dass er viel zu schwer ist“, erklärt Strassgschwandtner. Er ist um keine Antwort verlegen. Er führt seit Jahrzehnten durch Österreich und seit 2005 zusätzlich durchs Museum. „Meine Frau hat wohlweislich bei der Heirat auf getrennte Kassen bestanden“, gesteht der Filmfreak. „Das war gut so, denn ich bin ein ewiger Sammler und gebe keinen meiner Schätze her.“
Unter den rund 3000 Exponaten, alles Originale wie er betont, gibt es einige Schätze. So wie das Original-Drehbuch des Schauspielers Trevor Howard mit handschriftlichen Ergänzungen. Der Brite spielt in „Der dritte Mann“ den Major Calloway. Zu Strassgschwandtners Lieblingsstücken gehört auch ein Filmprojektor von 1936. Hier, im zweiten Teil des Museums, zeigt man auch zwei Minuten des englischen Originals.
Neben der außergewöhnlichen Kameraführung mit Licht- und Schatteneffekten, war auch die Musik eine Sensation. „Es war ein Zufall, dass Regisseur Carol Reed und Autor Graham Greene in einem Weinlokal auf den Zitherspieler gestoßen sind“, sagt der Museumschef. Komponist Anton Karas wurde weltberühmt, seine Filmmelodie führte über mehrere Wochen die US-Charts an. Im Museum sind viele Exponate aus Karas’ Nachlass zu sehen, darunter seine Zither.
Im dritten Teil des Museums dreht sich alles um die Zeit nach 1945: die Zerstörung, die Besatzungszonen, die mangelhafte Entnazifizierung und die Not der Bürger. „Es ist mir ein Anliegen, darüber zu sprechen“, sagt Strassgschwandtner. Er erlebe immer wieder, dass Besucher betroffen reagieren. „Eine gute Ausstellung hinterlässt Spuren.“
Zwei Wände zeigen bedrückende Fotos des zerstörten Wien. Sie stammen von einem unbekannten Fotografen und wurden dem Museum zugespielt. Ein ungeöffnetes Carepaket ist ausgestellt, das Jahrzehnte auf einem Dachboden schlummerte. Daneben liegt eine Puppe im Gasbettchen. Das war eine tragbare Box, die Babys bei Luftangriffen vor Gas schützen sollte. Zum Grausen.