Kultur am Rande startet in Esslingen durch Die Versponnenen machen die Spinnerei wieder flott

Kultur am Rande und die Spinnerei haben viele Freunde: Die Schauspieler Sabine Bräuning und Reinhold Ohngemach lasen zum 1. Mai Texte von Rosa Luxemburg. Foto: Roberto Bulgrin

Die Spinnerei des Vereins Kultur am Rande ist ein Ort, der stets offene Türen für Kunst, Kultur und Kreativität bietet. Nach dem Tod des Initiators Werner Bolzhauser hing die Zukunft am seidenen Faden. Ein Künstlerkollektiv sorgt nun dafür, dass es weitergeht.

Die Spinnerei des Vereins Kultur am Rande hat ihren festen Platz im kulturellen Leben der Stadt. Mag das historische Gebäude am Rande des Rossneckarkanals noch so klein sein – für Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Couleur und deren Publikum ist es aus Esslingen nicht wegzudenken. Doch nach dem Tod des Initiators Werner Bolzhauser war die Zukunft monatelang in der Schwebe. Nun feiert die Spinnerei ihr Comeback.

 

Gerhard Polacek, Marion und Felix Jeiter, Bine Dotzer und Antonio Lallo führen Kultur am Rande mit ihrem Künstlerkollektiv Die Versponnenen weiter, und sie wollen mit viel Engagement dafür sorgen, dass die Spinnerei bleibt, was sie stets war: Ein Ort, an dem Kunst und Kultur gedeihen können und der stets offene Türen für Kreativität bietet. Mit einem viertägigen Festival feiert das kleine Kulturhaus bis Sonntag sein Comeback. Der Auftakt der Pop-up-Tage hat Künstlern und Kulturliebhabern Lust auf mehr gemacht.

Esslinger Spinnerei zeigt, was sie kann

Am Wiedereröffnungstag wurden künstlerische und kulinarische Häppchen serviert. Foto: Roberto Bulgrin

Der neue Kultur-am-Rande-Vorsitzende Gerhard Polacek und seine Mitstreiter wollen mit ihrem viertägigen Festival zeigen, was die Spinnerei künftig bieten kann und will. So ist ein buntes Potpourri aus Musik, Theater, Lesungen, einer Ausstellung und interessanten Begegnungen entstanden. Gleich zum Auftakt am 1. Mai sind viele gekommen, um bei freiem Eintritt die Wiedereröffnung der Spinnerei zu feiern, mit den neuen Macherinnen und Machern ins Gespräch zu kommen und einen Vorgeschmack auf kommende Projekte zu bekommen. „Wir fanden es sehr ermutigend, wie viel Zuspruch wir von allen Seiten bekommen haben“, resümierte Gerhard Polacek nach dem ersten Festival-Tag. Dass gleich zum Auftakt eine ganze Reihe befreundeter Künstlerinnen und Künstler das Programm mit gestaltet haben, freut den neuen Vorsitzenden umso mehr: „Die Solidarität, die wir in der Kultur spüren, erfüllt unsere Herzen mit Freude und stärkt uns in unserem Bemühen, die Spinnerei in Werner Bolzhausers Sinne als offenes Haus weiterzuführen, Projekte zu ermöglichen und Neues auf den Weg zu bringen.“

Dass Die Versponnenen auf dem richtigen Weg sind, hat ihnen am ersten Tag auch Bolzhausers Lebenspartnerin Petra Steenbuck bescheinigt: „Es hätte Werner besonders gefreut, dass die Wiedereröffnung am 1. Mai stattfindet. Der Maifeiertag hatte für ihn immer eine besondere Bedeutung. Deshalb ist dieser Tag für mich und auch für Werners weitere Weggefährten ein besonders emotionaler Moment. Dieses Haus ist für Esslingen und seine Kultur so wichtig, weil es Platz für vieles bietet, was anderswo keinen Platz hätte. Wo gibt es sonst noch so eine kleine Bühne, auf der Neues entstehen und gedeihen kann?“

Lob vom früheren Esslinger Kulturbürgermeister

Der Theaterraum in der Spinnerei bietet Platz für kleine Inszenierungen. Foto: Roberto Bulgrin

Das sieht auch der frühere Esslinger Kulturbürgermeister Udo Goldmann so, der mit seiner Ehefrau Renate zu den ersten Gästen gehörte: „Kultur am Rande und die Spinnerei sind die besten Beispiele dafür, was kulturell entstehen kann, wenn Impulse aus der Stadt heraus kommen und wenn sich Menschen für eine gemeinsame Idee begeistern. Das macht den besonderen Charakter der Esslinger Kulturszene aus.“ In seiner Zeit im Rathaus hatte Goldmann die Entwicklung der Spinnerei konsequent unterstützt. Jetzt ist er froh, dass die Zukunft gesichert ist: „Ich habe großen Respekt vor dem Künstlerkollektiv, das sich für dieses Projekt mit so viel Leidenschaft und Herzblut engagiert.“

Einer aus dem Kollektiv ist der Schauspieler Antonio Lallo, der am Mittwoch noch eine Generalprobe am Alten Schauspielhaus in Stuttgart zu meistern hatte, den ganzen Maifeiertag lang in der Spinnerei kräftig angepackt hat, um am Freitagabend in Stuttgart in der Premiere eines neuen Stücks wieder auf der Bühne zu stehen. „So etwas nötigt mir Respekt ab“, erklärt Udo Goldmann, der gespannt ist, was unter dem Dach von Kultur am Rande demnächst noch alles entstehen wird: „Die Spinnerei liegt ganz zentral, die Nähe zur Maille, zum Komma und zum Kommunalen Kino bietet reizvolle Möglichkeiten, und das Haus selbst ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt.“

Die Pop-up-Tage gehen weiter

Samstag
 Das Programm am 3. Mai beginnt um 12 Uhr mit einem „Offenen Haus“ und Anna Jacobis Ausstellung „First“ in der Spinnerei. Gerhard Polacek serviert ab 18 Uhr Texte aus dem Wiener Kaffeehaus, um 19 Uhr beginnt die musikalische Lesung „Komm ma janz nah bei mir – Meine Oma Herta“ mit Bine Dotzer, Anna Breidenstein und Gerhard Polacek. Ab 20 Uhr lesen Marion Jeiter und Polacek „Aus dem Leben einer Strickjacke“, um 21 Uhr feiert Felix Jeiters neues Werk „Rückwärts“ Premiere.

Sonntag
Die Pop-up-Tage enden am Sonntag, 4. Mai: Ab 11 Uhr erklingen Audiominiaturen von Moritz Brendel und Antonio Lallo, ab 16 Uhr ist Bine Dotzer mit ihrer Performance „Begegne!“ zu sehen, um 16.30 Uhr beginnt unter dem Titel „Ein Haus Bücher“ eine Lesung mit Gerhard Polacek, Felix Jeiter, Antonio Lallo und Bine Dotzer. Um 18 Uhr beenden Polacek und der Geiger Martin Schnabel mit einer musikalischen Lesung den viertägigen Programmreigen.

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