Wenn in den kommenden Tagen Musik und Kino für viel Vergnügen auf der Esslinger Burg sorgen, werden sich viele an frühere Sternstunden über den Dächern der Altstadt erinnern. Denn das altehrwürdige Gemäuer hat schon oft die malerische Kulisse für Kulturveranstaltungen unterschiedlichster Couleur geboten.
Mit dem Burgfestival fing alles an
Unvergessen ist das erste „Burgfestival der Esslinger Jugend“, das 1969 rund 7000 begeisterte Besucher jeden Alters mobilisiert hatte und damit zum Wegbereiter für viele weitere Open-Air-Veranstaltungen und das „Kino auf der Burg“ geworden war, die heutzutage ganz selbstverständlich die Fans in Scharen auf Esslingens Höhen locken. So ziemlich alles, was Kultur in Esslingen damals ausgemacht hat, war beim ersten Burgfestival zu erleben. Das Erfolgsgeheimnis der Macher um den unvergessenen Bernd Daferner: „Wir hatten einfach das Gefühl, dass die Zeit reif war, so etwas zu versuchen, und haben einfach losgelegt.“ Später organisierte das Kulturzentrum Dieselstraße jahrelang ein eigenes Burgfest.
Das nächste Mal rückte die Burg 1977 in den Blickpunkt: Die Stadt Esslingen feierte ihr 1200-jähriges Bestehen und beschenkte sich selbst mit einer renovierten Burganlage. Zur Einweihung wollte man ein kulturelles Schmankerl servieren. Studenten und Dozenten der damaligen Pädagogischen Hochschule, darunter Erich Koslowski und Herbert Häfele, entwickelten gemeinsam das Theaterstück „Der Ritter von Zwieblingen“ – ein Riesenspaß, an den sich ältere Esslinger noch immer gern erinnern.
Kultursommer macht Lust auf mehr
Seit Anfang der 1990er vergeht kein Jahr, in dem auf der Burg nicht einiges geboten wäre. So richtig (wieder-)entdeckt wurde die Burg als Schauplatz für unterschiedlichste Kulturveranstaltungen während des Esslinger Kultursommers 1993: Ob Oper, Rockkonzerte mit Größen wie den Hooters oder Willy De Ville, die zauberhaften Aufführungen der spanischen Theatertruppe La Fura Dels Baus und natürlich das Open-Air-Kino zeigten damals, wie schön sich Kultur in diesem Ambiente genießen lässt. Manches, was im Kultursommer seinen Anfang genommen hatte, ist mittlerweile fest in Esslingen etabliert so wie das „Kino auf der Burg“ unter der Regie des Kommunalen Kinos. Und dann sind da natürlich auch die sommerlichen Rockkonzerte, die ursprünglich nach dem Willen der städtischen Kulturverwaltung Künstlerinnen und Künstlern vorbehalten sein sollten, die ein Stück Rock- oder Bluesgeschichte geschrieben haben.
Entsprechend illuster liest sich die Liste derer, die sich über die Jahre ins Gästebuch der Esslinger Burg eingetragen haben. Große Namen wie B. B. King, Al Jarreau, Eric Burdon, Steve Winwood, Ian Anderson und seine Band Jethro Tull, die Kölsch-Rock-Legende BAP, Konstantin Wecker, Ritchie Blackmore oder Van Morisson gaben auf Esslingens Höhen bereits ihre musikalischen Visitenkarten ab. Heute macht man’s eine Nummer kleiner – auch deshalb, weil die Platzkapazität auf der Burg aus Sicherheitsgründen deutlich reduziert wurde. An Großkonzerte wie den legendären Auftritt der schottischen Folk-Rock-Band Runrig, der von 5000 Fans gefeiert wurde, ist heute nicht mehr zu denken. Und damit wird’s schwierig, die ganz großen Namen weiter auf die Burg zu locken.