Kultur im Kiosk Der Therapeut, Kindergärtner und Kioskbetreiber

Von Kathrin Thimme 

Das Projekt Flanerie hat seine Veranstaltungsreihe „Gute Bude“ in Stuttgarter Kiosken begonnen.

Im Kiosk wird über Kioske gesprochen. Foto: Horst Rudel
Im Kiosk wird über Kioske gesprochen. Foto: Horst Rudel

S-Mitte - Da eröffnet sich ein ganzes Universum“, sagt Karsten Michael Drohsel. Der Stadtplaner aus Berlin beschäftigt sich erst seit wenigen Monaten mit dem Thema Kiosk und ist selbst erstaunt darüber, wie viel sich darüber sagen und aus wie vielen Blickwinkeln sich das Thema beleuchten lässt. Er war als Vertreter des Berliner Netzwerks Urbanophil für urbane Kultur am Mittwochabend nach Stuttgart gekommen, um an der Veranstaltung „Gute Bude“ im Kiosk von Reza Shirazehbaf an der Moserstraße teilzunehmen.

Organisiert hatten den Abend Tina Saum und Daniela Metz von der Flanerie, die sich hier in Stuttgart ebenfalls mit urbaner Kultur auseinandersetzen. Auf einem zur Leinwand umfunktionierten Regal zeigten sie Kurzfilme über Kioske. Neben Drohsel war auch die Hamburger Kulturwissenschaftlerin Darijana Hahn zu Gast, deren Interesse alltäglichen Dingen, so auch dem Kiosk gelten. Gemeinsam mit den Zuhörern diskutierten sie über die Bedeutung des Kiosks, aus wissenschaftlicher und persönlicher Sicht.

Der Ursprung liegt in der Trinkhalle

Auf Zustimmung stieß Hahns ein wenig pathetische Feststellung, dass es zwischen Kunde und Kioskinhaber eine herzliche Nähe gebe. Sie selbst habe auch einen Lieblingskiosk in Hamburg-Wilhelmsburg gehabt. „Mittlerweile ist ein neuer Besitzer drin und wir müssen erst warm miteinander werden“, sagt sie. Die Vertrautheit, die in einem Kiosk als zentraler Punkt eines Quartiers entstehe, sei etwas gewachsenes. In einem Kiosk gehe es neben Waren- auch immer um kommunikativen Austausch. „Und der Betreiber ist oft Therapeut, Kindergärtner und Sozialarbeiter in einem“, sagt Darijana Hahn.

Seinen Ursprung, so Hahn, habe der Kiosk in der Trinkhalle, deren Besonderheit früher war, dass sie rund um die Uhr auch sonntags geöffnet sein durfte. „Heute ist das mit den Ladenöffnungszeiten nicht mehr ganz so wichtig“, so Hahn. Der Name Trinkhalle werde nur noch selten genutzt. Heute sei es das Wasserhäuschen, das Büdchen oder gar der Spätkauf – je nach Region. Die Bedeutung bleibe aber für die Kunden oft die gleiche. „Der Kiosk strahlt einfach viel Positives aus.“

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