Kultur im Voralbgebiet Jeder sitzt in der ersten Reihe

Von Klaus Nonnenmacher 

Mit dem Bad Boller Bürgertreff BoB und der Zeller Scheune feiern in diesem Jahr zwei Institutionen, die das gesellschaftliche Leben bereichern, ihren ersten runden Geburtstag.

Milou & Flint haben die Sommerpause in der Zeller Scheune eingeläutet, die jetzt mit der Jubiläumsgala endet. Foto: Koos/Veranstalter
Milou & Flint haben die Sommerpause in der Zeller Scheune eingeläutet, die jetzt mit der Jubiläumsgala endet. Foto: Koos/Veranstalter

Zell - Gefeiert wird das Vereinsjubiläum am 16. September in der Zeller Scheune standesgemäß. Vor wohl ausverkauftem Haus mit einem Einakter der eigenen Schauspieltruppe, mit Marlies Blume und weiteren altbekannten Akteuren. Wobei sich das mit dem ausverkauften Haus schnell hat. Die Scheune, auf deren Dachboden vor weit mehr als zehn Jahren die Familie Koos ihr eigenes Theater eingerichtet hat, verfügt ­gerade mal über 40 Plätze. Die Enge hat einen großen Vorteil. Egal wer kommt, als Zuschauer fühlt man sich dort exklusiv. Die Künstler erlebt man hautnah. Die ­Atmosphäre ist familiär.

Die Scheune wird Kleinkunstbühne

Die Ursprünge der kleinen, aber feinen Kleinkunstbühne liegen mehr als 20 Jahre zurück. „Ich war schon immer theaterbegeistert, habe in der Göppinger Waldorfschule an einer Eltern-Theater-AG mitgemacht und beim Theater im Bahnhof Rechberghausen. Und immer, wenn ich den Dachboden in unserer Scheune in Zell betreten habe, habe ich gedacht, da könnte was entstehen“, erzählt Sonja Koos. Zu ihrem 50. Geburtstag habe sie sich dann gewünscht, dass die ganze Familie einmal das mache, was sie wolle. „Und dann haben wir in der Scheune die Bühne eingerichtet“, so Koos.

Den ersten Auftritt hat die Rechberghäuser Theatertruppe bestritten. Weitere Auftritte und Gastspiele andere Künstler folgten. Allerdings liegen die Ansprüche hoch. Auf die Bühne kommt nur, was Sonja und Malte Koos persönlich begutachtet haben, und zwar live. Von Demo-Videos oder Youtube halten sie nichts. Dafür umso mehr von Vielfalt. „Wir wollten Kultur aller Art nach Zell bringen und verstehen uns auch als Bühne für Neulinge, die bei uns ihre erste Referenz bekommen“, so Sonja Koos. Genregrenzen gibt es nicht. So waren in der Scheune im Ortskern von Zell auch schon Tanz oder Ausstellungen aller Art zu sehen.

Ein Ort, wo es nicht ums Geld geht

„Das ging jahrelang privat ganz gut, aber dann wollten wir es irgendwann auf eine breitere Basis stellen“, erläutert Sonja Koos, wie es vor zehn Jahren zur Vereinsgründung kam. Ein Gründungsmitglied ist die heutige Vereinsvorsitzende, die Kabarettistin Heike Sauer, besser bekannt als ihr Alter Ego Marlies Blume. Wenn es um die Zeller Scheune und das Ehepaar Koos geht, dann kommt sie ins Schwärmen. „Die Scheune ist einfach ein Ort, wo es noch nie ums Geld ging, wo ganz viel ausprobiert wird. Es ist meine Theaterheimat und der Ort, an dem ich alles Neue probieren kann“, berichtet sie. Und davon, dass die Künstler, die in der Regel nur für das Eintrittsgeld in der Scheune spielen, durch die Bank von der Bühne begeistert seien.

Nicht zuletzt besagen die Vereinsstatuten, dass die eigene künstlerische Betätigung im Vordergrund stehen solle. Ein Teil der 23 Mitglieder tritt deshalb auch in der vereinseigenen Theatergruppe auf. „Aber wir wollen auch nach außen wirken. Deshalb haben wir schon die Württembergische Landesbühne Esslingen in die Zeller Gemeindehalle gebracht“, so Sauer. Zum Jubiläum wünschen sich die Vereinsmitglieder aber vor allem, dass die Zeller Scheune auch in den kommenden zehn Jahren fantasievoll die Kulturlandschaft der Region bereichert.

Zum Jubiläum mehr als nur Theater

Am 16. September feiert der Verein von 20 Uhr an sein Jubiläum. Das Ensemble hat den Einakter „Die Königinnen von Frankreich“ von Thornton Wilder einstudiert. Das Stück wird am Sonntag darauf beim Dorffest aufgeführt. Durch den Abend führt Marlies Blume.

Gesang Duo
Martina Knoll und Angela Hack, kurz „Knack“, stehen für musikalische Unterhaltung und zeigen Ausschnitte aus ihrem allerersten Programm „Engelshaar und Höllenschweif“, das 2007 seine Premiere in Zell hatte.

Gesang

Solo
Kristin Art ist Sängerin, Songwriterin und Teil des Zeller Theaterensembles. Ihr Debütalbum„Into A World Of Gold . . .“ wird bald in einem abendfüllenden Konzert in Zell vorgestellt. Zum Jubiläum gibt es einen Vorgeschmack.

Kabarett

Hanna Münch und Heike Sauer bekommen in der Zeller Scheune immer den letzten Schliff für ihre gesellschaftskritische und politische Satire und nehmen die Festbesucher mit auf eine kabarettistische Plattform mit Weitblick.

Karten

Noch gibt es Restkarten fürs Jubiläum. Diese und weitere Informationen finden sich unter www.zeller-scheune.de.

Ausblick

Am 29. Oktober gastiert der Kölner Kabarettist Aydin Isik mit „Bevor der Messias kommt“ in Zell.