Kultur in Bad Cannstatt Diskussion über Zukunft des Stadtmuseums

Der Bezirksbeirat will Auskunft über das Stadtmuseum und die Unterstützung. Foto: Iris Frey

Der Bezirksbeirat Bad Cannstatt hat in einem Antrag einen Bericht darüber verlangt, wie die Stadt die Einrichtung weiterhin unterstützt.

Lokales: Iris Frey (if)

Das Stadtmuseum mit all seinen Ausstellungen und Aktivitäten, das auch zu einem großen Teil ehrenamtlich vom Verein Pro Alt-Cannstatt aktiv unterstützt wird, wird auch von den Bürgern seit Jahrzehnten geschätzt. Jetzt hat es im Juli Gerüchte über Mittelkürzungen, die Zukunft und den Weiterbetrieb des Stadtmuseums Bad Cannstatt gegeben, wie SPD-Fraktionssprecher Marcel Schlatterer erklärt. Seine Fraktion hat deshalb einen Antrag gestellt, um nachzuhaken, was da dran ist. Der Bezirksbeirat hat einstimmig entschieden, dass die Verwaltung Auskunft darüber geben soll, wie die Ausstellungen und der Dauerbetrieb des Stadtmuseums gegenwärtig und in Zukunft personell und finanziell geführt werden sollen.

 

Die Stadt Stuttgart hat auf Nachfrage unserer Zeitung in ihrer Antwort das Gerücht, dass der Weiterbetrieb gefährdet sei, nicht bestätigt. Im Gegenteil, Christina Vollmer, die Leiterin des Stadtmuseums, erklärt, dass die Einrichtung weiter wie auch im vergangenen Jahr finanziell ausreichend gefördert werde und auch weitere Ausstellungen und Aktionen geplant seien.

10 000 Euro wurden bereitgestellt

Auf die Frage nach dem Etat, der finanziellen Förderung des Stadtmuseums, erklärt Elena Kaifel vom Stadtpalais, dass für das Stadtmuseum Bad Cannstatt aus dem Etat der Museumsfamilie für die aktuelle Ausstellung rund 10 000 Euro bereitgestellt worden seien. Dieses Geld sei auch im letzten Jahr für Ausstellungen dem Stadtmuseum zur Verfügung gestanden. Hiervon würden Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen bezahlt. Dazu kämen noch Gelder für Pressearbeit und Marketing sowie Aufsichtspersonal. Die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes trage das Liegenschaftsamt. Diese Zuschüsse werde es auch im kommenden Jahr in dieser Höhe geben.

Der Bezirksbeirat hakt nach mit dem Ziel: „Wir wünschen den Erhalt des ältesten Wohnhauses auf Stuttgarter Gemarkung als Stadtmuseum und Wahrzeichen Bad Cannstatts“, so Schlatterer. An dieser Stelle könne Cannstatter Geschichte förmlich inhaliert werden, und es stecke viel Herzblut namhafter Cannstatter Personen darin. „So ein Kleinod, das sich Kultur auf die Fahnen geschrieben hat, lässt man doch nicht verkümmern als Stadt“, erklärt der SPD-Fraktionssprecher.

Und auch Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler betont: „Es ist unser Interesse, dass das Stadtmuseum die notwendigen Mittel erhält.“ Auch der Schultes hat Interesse daran, wie es weitergeht und das Museum weiter gefördert wird. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Christina Vollmer, dass ab November eine Wechselausstellung gezeigt werde, die aus Untertürkheim ausgeliehen sei und mit Exponaten aus dem Stadtmuseum Bad Cannstatt ergänzt werde. Thema ist der Wasen im Wandel. Am 24. März kommenden Jahres soll dann die nächste große Sonderausstellung zu Cannstatter Fabriken und den historisch und zeitlich bedingten Veränderungen eröffnet werden. Diese nächste größere Sonderausstellung werde vom Verein Pro Alt-Cannstatt mit Unterstützung der Museumsfamilie vorbereitet.

Sonderausstellung zu Cannstatter Fabriken

So sei weiterhin eine Zusammenarbeit der Museumsfamilie mit Pro Alt-Cannstatt geplant: Beide, die Leiterin der Museumsfamilie, Christina Vollmer, und der Vorsitzende des Vereins Pro Alt-Cannstatt, Olaf Schulze, wollen eigenen Worten zufolge weiterhin gemeinsam Projekte realisieren und im Jahr 2023, nach den ruhigeren Pandemiejahren, wieder verstärkt Angebote und Veranstaltungen vor Ort, auch zu den Sonderausstellungen anbieten.

Außerdem soll die Erzählung auf den digitalen Plattformen und Social-Media-Kanälen des Stadtmuseums Bad Cannstatt die Ausstellungen inhaltlich ergänzen. In der Pandemie waren die digitalen Kanäle verstärkt worden.

Das Stadtmuseum

Bürger kämpften einst für
die Einrichtung des Stadtmuseums. Es wurde Ende 1988 im renovierten Nebengebäude des „Klösterles“ aus dem 15. Jahrhundert auf Initiative von Cannstatter Bürgern eröffnet. Der Heimatforscher Erwin Hageloh und der Kunstmaler Hermann Metzger richteten zunächst in der Wilhelmstraße 7 eine erste Ausstellung ein. 1988 konnte die Ausstellung in das Nebengebäude des „Klösterles“ umziehen, das auf Initiative von Pro Alt-Cannstatt erhalten und renoviert worden war. Im Dezember 1988 wurde es – unter dem Namen Stadtmuseum Bad Cannstatt – am heutigen Standort eröffnet.

Preisgekrönt
wurde das Stadtmuseum 2017. Da erhielt es vom Arbeitskreis Heimatpflege des Regierungsbezirks Stuttgart einen Preis als vorbildliches Heimatmuseum. 2016 war das Obergeschoss für rund 150 000 Euro erneuert worden. Das Stadtmuseum dokumentiert Stationen der Ortsgeschichte von Bad Cannstatt.

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