90 Prozent der Besucher empfehlen die Stadtbücherei Leinfelden-Echterdingen weiter. Ein Erfolg auf dem sich das Team nicht ausruht. Was ist geplant?
Diese Zahlen können sich sehen lassen: 90 Prozent der Besucherinnen und Besucher empfehlen die Stadtbücherei Leinfelden-Echterdingen weiter. 75 Prozent finden dort, wonach sie gesucht haben und 74 Prozent sind auch mit den Öffnungszeiten zufrieden. Weil aber mittlerweile so viele in die beiden Häuser in Echterdingen und in Leinfelden kommen, wie Stefanie Schütte, die Leiterin erklärt, findet man weniger ruhige Plätze, um zu Lesen. Auch das spiegelt sich in den Ergebnissen einer internationalen Publikumsstudie wieder, an der das Team der Stadtbücherei teilgenommen hat.
Unter Strich kommen die beiden Büchereien in Leinfelden und Echterdingen aber sehr gut an. 95 000 Menschen wollten sich im Jahr 2024 ein Buch ausleihen oder sind zum Lernen vorbeikommen. Nach dem Einbruch in der Pandemie steigen die Besucherzahlen und Neuanmeldungen aktuell wieder. Und das obwohl im Team der Stadtbücherei aktuell weniger Stellen besetzt sind (9,58), als dies das Land empfiehlt (13,2 Stellen). In den von den Ehrenamtlichen des Fördervereins betriebenen Stadtteilbüchereien Musberg und Stetten wurden im vergangenen Jahr 27 310 Medien ausgeliehen. Den Medienetat aber hat die Stadt seit 2018 nicht mehr erhöht, was Uwe Janssen, der Leiter der Fördervereins bemängelt. „Da die Inflation auch am Buch- und Zeitschriftenmarkt nicht vorbeigeht, führt das jetzt dazu, dass wir weniger neue Bücher bekommen“, sagt er. Zeitschriften mussten sogar abbestellt werden, weil sie zu teurer geworden sind. Stadträte wollen sich nun für eine Erhöhung des Etats einsetzen.
So alt ist die Echterdinger Bücherei inzwischen
In der Echterdinger Bücherei ist seit Dienstag eine Fotoausstellung zu sehen. Die Schau nimmt die hundertjährige Geschichte der Bibliothek in den Blick. Sie erzählt davon, wie diese am 10. Februar 1925 im Echterdinger Rathaus gegründet wurde. Warum sie auch in der NS-Zeit reichlich Zuspruch erhalten hat.
Viermal ist sie umgezogen, um dann 1997 in der Echterdinger Zehntscheuer ihre Heimat zu finden. Die Fotos erinnern auch an Dinge, die mittlerweile der Vergangenheit angehören, wie den Discman, bestimmte Jugendzeitschriften oder auch CD-Roms. Auch Wii-Spiele können nicht mehr ausgeliehen werden, „weil die Konsolen fehlen“, sagt Stefanie Schütte. Ein Azubi hat mit Hilfe des Stadtarchivs die wechselvolle Geschichte der Echterdinger Bücherei recherchiert und zusammengetragen.
Diese Projekte laufen an in Leinfelden-Echterdingen
An ältere Menschen, die oft einsam sind, richtet sich das Projekt „Besuch mit Buch“, welches das Bücherei-Team gemeinsam mit dem Stadtseniorenrat und dem Seniorenarbeitskreis im Kirchenbezirk Bernhausen gerade begonnen hat. Der Name ist Programm: Besucher bringen ein Buch zum Vorlesen mit, während des Vorlesens wird der persönliche Kontakt gestärkt. Am Dienstag, 30. September, 19 Uhr, wird dazu einen Informationsabend in der Leinfeldener Bücherei angeboten. Von 4. Oktober an organisiert der Förderverein wieder die Aktion „Kauf der Bücherei ein Buch“. Der Verein ruft zu Buchspenden für die Büchereien der Stadt auf. Im vergangenen Jahr wurden 155 Bücher gespendet und ein neuer Rekord aufgestellt. Am 6. Oktober beginnt die Lesezeit in Leinfelden-Echterdingen. Dabei präsentieren fünf Autoren mehr als 1000 Schülerinnen und Schülern ihre Bücher. Slam-Poet Bas Böttcher ist am Freitag, 10. Oktober, zu Gast in Leinfelden-Echterdingen. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler wird mit ihm ihre Texte öffentlich aufführen. Beginn ist um 18.30 Uhr in der Mäulesmühle.
Das hat sich das Team bis zum Jahr 2029 vorgenommen
Mit einer neuen Konzeption hat sich die Stadtbücherei einen Fahrplan bis ins 2029 verordnet. Das Papier ist das Ergebnis eines einjährigen Workshops. „Die Mediennutzung verändert sich extrem schnell“, sagt die Stadtbüchereien-Leiterin Stefanie Schütte. „Wobei das Buch stabil ist.“ Das Team will nicht nur Orte bieten, an denen Medien ausgeliehen werden können, sondern vielmehr Orte der Begegnung, des Lernens und der Freizeitgestaltung.
Mehr Platz fürs Lernen und ein Raum für Veranstaltungen seien dafür nötig. Viele nutzen schon jetzt die Computer oder das WLAN in der Bücherei. Manche Kinder finden oft allein in der Bücherei ausreichend Ruhe zum Lernen.
Der Fokus soll künftig noch mehr auf Kitagruppen, Schulklassen und Familien gerichtet werden. Neue Medien wie Tonie-Figuren und Tiptoi-Stifte ergänzen schon jetzt das Medienangebot der Büchereien. Größer sollen die Flächen der Kinderbücherei werden, Ruhezonen geschaffen werden. Man will Senioren verstärkt in den Blick nehmen, die in die Bücherei kommen, um dort beispielsweise die Zeitung zu lesen.