Kultur in Leinfelden-Echterdingen Stadt schließt das Spielkartenmuseum ab

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Das Spielkartenmuseum stellt seinen Ausstellungsbetrieb in der Schönbuchschule in Leinfelden vorzeitig ein. Ein neues Konzept ist noch nicht beschlossen.

Vorerst sind keine Spielkarten-Ausstellungen mehr in Leinfelden geplant Foto: dpa
Vorerst sind keine Spielkarten-Ausstellungen mehr in Leinfelden geplant Foto: dpa

Leinfelden-Echterdingen - Seit ziemlich genau 30 Jahren ist das Deutsche Spielkartenmuseum in der Schönbuchschule in Leinfelden beheimatet. Fast ebenso lang dauert der Streit darüber an, ob der Ausstellungsraum – „im Souterrain“ sagen die einen wohlwollend, „im dunklen Kellerloch“ die scharfen Kritiker – überhaupt derart hochwertigen Kunstschätzen gerecht wird. Nun ist der Streit vorbei. Ende Juni baut Museumsleiterin Annette Köger die Schauen „Werbung im Taschenformat“ und „Automobil-Quartette“ plangemäß ab. Danach wird es keine Ausstellung mehr geben.

Diesen Umstand hängt die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen nicht an die große Glocke; eine Mitteilung darüber hat sie an die Medien noch nicht herausgegeben. Aber auf Anfrage bestätigt der Pressesprecher Klaus Peter Wagner die unserer Zeitung vorliegende Information.

Kein neues Konzept

Die Stadt stellt den Ausstellungsbetrieb ein, bevor der Gemeinderat darüber oder über ein neues Konzept für das defizitäre Museum – 180 000 Euro beträgt das Minus im Schnitt der vergangenen Jahre – entschieden hat. Die Schließung des Museums ist vor der beabsichtigten Umwandlung in ein Archiv, das Wanderausstellungen organisieren soll, offensichtlich jedoch nicht kurzfristig verfügt, sondern von langer Hand vorbereitet worden. Die Museumsleiterin muss 2012 bereits mit gekürzten Mitteln wirtschaften. So wurden der Ansatz für die Ergänzung und den Unterhalt der Sammlungen um 75 Prozent auf 1000 Euro abgesenkt und die Honorare für freiberufliche Mitarbeiter von 1900 auf 600 Euro zusammengestrichen. Der Haushaltsposten für „eigene Veranstaltungen“ enthält nur noch 8900 Euro – statt 13 000 Euro im vergangenen Jahr. Selbst die Heizkosten wurden bereits um 700 Euro nach unten korrigiert. Nicht zu vergessen die Personalausgaben, die um rund 52 000 Euro niedriger ausfallen als 2011. Befristete Arbeitsverhältnisse wurden nicht verlängert .

Die Schließung des Museums stößt derweil nicht überall auf Wohlwollen. L.-E. verletzt damit offenbar mindestens eine Klausel des im August 1982 mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie dem Landesmuseum Württemberg ausgehandelten und unterzeichneten Vertrags. Der ist fristgerecht zum Jahresende 2012 gekündigt worden.

Keine Abstimmung mit dem Landesmuseum

„Wir gehen davon aus, dass der Ausstellungsbetrieb bis zum 31. Dezember läuft“, erklärt Heike Scholz, Pressesprecherin des Landesmuseums. Laut Vertrag habe die Stadt L.-E. die Öffnungszeiten mit dem Vertragspartner abzustimmen. „Ein Antrag auf eine vorzeitige Schließung oder Veränderung der Öffnungszeiten ist nicht eingegangen“, sagt Scholz auf Anfrage.

Auch über den aktuellen Stand der Neukonzeption ist das Landesmuseum offenbar nicht im Bilde. Die letzten Informationen dazu stammen laut Scholz vom Sommer 2011. Zur Frage, ob sich das Land wie von L.-E. gewünscht ein stärkeres finanzielles Engagement vorstellen könnte, äußert sich das Landesmuseum zurückhaltend. Analog zu anderen Zweigmuseen denke man an die Übernahme der „konservatorischen und wissenschaftlichen Betreuung“.

Bürgermeister Alexander Ludwig war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.




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