Kultur in Ludwigsburg Die Schlossfestspiele sollen jünger, frecher und mutiger werden

Das Monrepos Open Air hat große Strahlkraft – sie soll erhalten bleiben. Foto: Werner Kuhnle

Ein Ziel, das der Aufsichtsrat dem neuen Schlossfestspiele-Chef Lucas Reuter auf den Weg gegeben hat, ist es, jüngeres Publikum zu erreichen. Der Auflösungsvertrag mit Geschäftsführerin Gabriele Zerweck ist mittlerweile unterschrieben.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Der Auflösungsvertrag mit der Geschäftsführerin der Ludwigsburger Schlossfestspiele ist von den Anwälten zu Papier gebracht und vom Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Knecht und Gabriele Zerweck unterschrieben. Eigentlich wäre ihr Vertrag noch bis Ende 2026 gelaufen, doch jetzt endet ihr Mandat als Geschäftsführerin auf eigenen Wunsch Ende September. Lucas Reuter beginnt zum 1. Oktober.

 

Überraschend kam das für die wenigsten. Auch für Matthias Knecht nicht. „Es war nach den letzten Monaten zu erwarten“, sagt der Ludwigsburger Stadtchef. Die hohe fachliche Nähe zu Lucas Reuter – beide seien Kulturmanager erster Güte – entspreche nicht ihrer Vorstellung. Hätte man sich für Stuttgarts Opernintendanten Victor Schoner entschieden, wäre dessen Aufgabe rein auf den künstlerischen Bereich ausgelegt gewesen – wie bei dem scheidenden Jochen Sandig. Doch es kam anders, und Zerweck zog ihre Konsequenzen.

Keine gleichberechtigten Geschäftsführer mehr

Und das tun auch die Mitglieder im Aufsichtsrat. Sie haben aus der Entscheidung der über Ludwigsburg hinaus geschätzten Geschäftsführerin offenbar gelernt. Denn künftig soll es eine „hinkende“ Spitze geben, wie Matthias Knecht es formuliert. Also keine zwei gleichberechtigten Geschäftsführer mehr.

Zur Erinnerung: Als Gabriele Zerweck im November 2021 ihre Aufgabe übernahm, war sie anfangs nur zweite Geschäftsführerin, Jochen Sandig war Intendant und erster Geschäftsführer. „Eine solche Konstellation mit Intendanz an der Spitze und einer kaufmännischen Geschäftsleitung als Unterstützung streben wir wieder an.“ Reuter wird Intendant und Geschäftsführer und die zweite Person entweder nur kaufmännischer Leiter beziehungsweise Leiterin mit Prokura oder zweiter Geschäftsführer mit Prokura.

Matthias Knecht (rechts) nach der Wahl von Lucas Reuter. /Peter Spear

Ob die Stelle überhaupt ausgeschrieben wird, stehe im Moment noch nicht fest, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates. „Es kann auch sein, dass wir direkt jemanden ansprechen. Wir haben bereits Personen im Auge.“ Da die Schlossfestspiele von einer GmbH des Privatrechtes getragen werden, habe man in diesem Punkt auch keine rechtlichen Einschränkungen.

Dass die Turbulenzen und Entscheidungen der vergangenen Monate rund um die Schlossfestspiele nicht jedem schmecken, dessen ist sich Knecht bewusst – auch in der Sponsorenschaft. Die eher konservativ denkenden Kritiker sehen in Lucas Reuter eine regionale Lösung, sagt er. „Sie vermissen den internationalen Glanz.“ Dabei sei der neue Geschäftsführer international sehr gut vernetzt – und zwar europaweit. „Zudem ist er ehrgeizig und brennt für das, was kommt.“

Um auch die Zweifler von Lucas Reuter zu überzeugen, hat dieser sich und sein Konzept vor Kurzem im Forum präsentiert: Unternehmern, Stiftungen, Förderern, dem Freundeskreis und Kuratorium sowie Mitgliedern des Aufsichtsrates. „Und die deutliche Mehrheit hat sich klar positioniert und geht seinen Weg auch mit“, versichert Knecht. Darüber hinaus gebe es bereits jetzt schon zwei neue „namhafte“ Sponsoren. Um wen es sich handelt, könne er zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen.

Den neuen Weg soll Reuter beim Start im Herbst im Detail beschreiben. Da möchte der Aufsichtsratsvorsitzende nicht vorgreifen. Und doch gibt es einige Leitplanken, die er setzen möchte. Das Bespielen der vielen spannenden Spielstätten, die Ludwigsburg hat etwa. Und damit sind nicht nur die drei Schlösser gemeint. Auch der Hof zwischen den Akademien könnte in den Blick genommen werden ebenso wie der Theaterturm auf dem Campus der Darstellenden Künste. Auch eine intensivere kulturelle Zusammenarbeit mit den Partnerstädten wolle er. Umso mehr, als dass die Abkehr vom Festspielorchester definitiv sei. „Da brauchen wir das ein oder andere internationale Orchester.“ Es sei wichtig, dass die Schlossfestspiele weiterhin als internationales Event wahrgenommen würden. „Wir wollen etwas Besonderes für Baden-Württemberg sein.“

Ein großes und vermutlich mit das wichtigste Ziel ist für Knecht, jüngeres Publikum für die Schlossfestspiele zu gewinnen. Was wiederum auch mit neuen Spielstätten gelingen könnte. Besagtes Ziel habe der Aufsichtsrat Reuter auf jeden Fall als Aufgabe mitgegeben. „Als ich Schüler war, habe ich mehrere Konzerte im Rahmen der Schlossfestspiele gehört – und nicht nur ich, sondern viele junge Menschen“, erinnert er sich.

Lob für die Jazz-Open

Das sei nicht mehr so, weil die Gesellschaft sich verändert habe. „Und auf diese Veränderung muss man reagieren“, mahnt Knecht. Den Machern der Stuttgarter Jazz-Open zollt der Ludwigsburger Respekt. Lange Zeit hat man sich dort auf den reinen Jazz konzentriert, doch seit 2008 vermischen sich die Genres des Musikfestivals. Ein Special des Festivals sind „Fusion- oder Orchesterprojekte“. Heuer wurde beispielsweise Herbert Grönemeyer für ein Konzert mit den Stuttgarter Philharmonikern nach Stuttgart geholt. „Die Epoche Barock steht für jung, frech und mutig– das müssen wir beim Programm sein, um Studierende, Auszubildende und Schüler zu erreichen“, mahnt Knecht.

Mehr Geld für die Schlossfestspiele?

Geld
Die Zukunftskommission des Gemeinderates hat empfohlen, das Budget der Schlossfestspiele jährlich um 500 000 Euro zu erhöhen – ein Drittel Land, ein Drittel die Stadt und ein Drittel Unternehmen. Matthias Knecht hält dies für nicht realisierbar. „Alle drei sind grenzwertig herausgefordert. Eine Reduzierung wäre jedoch ein verheerendes Signal, deshalb habe ich die Erwartung, dass das Budget so bleibt wie es ist.“

Monrepos
Das Open Air am Seeschloss Monrepos lockt bis zu 10 000 Menschen an. Für den Ludwigsburger Stadtchef ist es alternativlos. „Das Monrepos Open Air ist wichtig für die Stadt. Es steht“, versichert er. Im September stehen Gespräche mit dem Haus Württemberg und dem Landrat Dietmar Allgaier an.

Abschied
Jochen Sandig und Gabriele Zerweck werden bei der Open Air Reihe Frei Luft Musik auf dem Marktplatz am 20. September verabschiedet.

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