Kultur in Weil der Stadt In der Mühle wird wieder gezaubert

Von Regine Brinkmann 

Das kulturelle Kleinod in Merklingen hofft auf erfolgreiches Comeback.

Sie sind wieder da: Sigrid Wolbold und Hermes Kauter. Foto: factum/Jürgen Bach
Sie sind wieder da: Sigrid Wolbold und Hermes Kauter. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Als Ende vergangenen Jahres die Merklinger Zaubermühle ihre Pforten für die Besucher geschlossen hat, haben das nicht nur die Mühlenbesitzer und Zauberkünstler Tres Face und Frascatelli alias Sigrid Wolbold und Hermes Kauter bedauert. Auch die Besucher, oft begeisterte Wiederholungstäter, wussten sehr genau, welches Kleinod der heimischen Kleinkunstbühne sich in den zugegebenermaßen wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen hat.

Doch das mit dem Ruhestand, das ist so eine Sache. Das Rentendasein klappt nicht wirklich in der Merklinger Zaubermühle. „Wir haben diesen wunderschönen Raum“, so Hermes Kauter mit einem verschmitzten Lächeln, „und nachdem wir im ganzen Haus neue Heizungen installiert haben, auch auf dem Theater-Dachboden, wäre es doch jammerschade, den Raum nicht mehr zu nutzen.“ Deshalb wollen die beiden Merklinger ihren Mühlensaal künftig ausgesuchten Künstlern zur Verfügung stellen, „Künstlern, die sich der kreativen Zauberei verschrieben haben“, verdeutlicht Kauter. Denn das, was das Paar mit der Zaubermühle geschaffen hat, gibt es so nicht noch einmal.

Ein ausgezeichnetes Netzwerk

Doch „nur“ die Strippen hinter den Kulissen zu ziehen, ist auch nicht ohne: „Mit den Vorbereitungen und der Organisation der Gastspiele haben wir erst mal genug zu tun“, lacht Kauter. Glücklicherweise verfügt das Paar über ein ausgezeichnetes Netzwerk Gleichgesinnter. Wie den Magier Zink, der Ende Dezember mit seinem Zauberprogramm „Schrott“ den Mühlensaal füllen wird. Zink ist dieses Jahr mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Zudem ist er der aktuelle Träger des Hofzinser-Gedächtnisrings, einer selten verliehenen Auszeichnung für Zauberkünstler, die sich besonders um die Zauberkunst verdient gemacht haben. Nebenbei bemerkt haben Sigrid Wolbold und Hermes Kauter dieses Zeichen der Anerkennung 2013 als erstes Duo – und Tres Face als erste Frau überhaupt – verliehen bekommen.

Doch auch andere kreative Kleinkünstler werden die Zaubermühle beleben. „Uns liegt am Herzen, dass auch Kinder Zugang zu aktivem, fantasievollem Theater finden und nicht nur mit dem Smartphone in der Hand durch die Welt marschieren“, betont Kauter. Ganz besonders freut er sich, dass sein Bruder Wolfgang von Kauter & Sauter, ein seit über 30 Jahren erfolgreicher Puppenspieler, im Januar das Grimmsche Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ in die Zaubermühle bringt. Die Brüder haben zusammen ein Mitmach-Theater entwickelt, das die kleinen Zuschauer aktiv werden lässt. „Ich bin immer wieder überrascht, wie ruhig selbst eine ganze Horde Kinder während der Vorstellung bleibt“, staunt selbst der bühnenerfahrene Hermes Kauter über die Faszination, die sein Bruder mit seinem fantasievollen Spiel schon auf die Kleinsten ausübt. Kein Wunder, kommen doch die Helden der Vorstellung nicht aus der Wichtelwelt, sondern aus dem Publikum. Es wird mitgesprochen, mitgesungen und mitgespielt.

Das Training macht Riesenspaß

Doch trotz neuer Wege können Tres Face und Frascatelli das Zaubern nicht ganz und gar lassen. Sie wollen weitergeben, was sie sich erarbeitet haben, und dem Künstlernachwuchs ihren ganz besonderen Stil vermitteln. „Wir trainieren derzeit ein junges Künstlerpaar aus dem Saarland“, erzählt Wolbold, „das macht Riesenspaß. Die beiden sind sehr begabt und haben schon international Erfolge gefeiert. Jetzt zeigen wir ihnen, wie sie ihre virtuose Zauberkunst kreativ gestaltet können.“ Weiterhin den Boden für mehr kreative Zauberei bereiten, das sehen die Tres Face und Frascatelli auch noch im Ruhestand als eine Lebensaufgabe.

Doch noch mehr soll sich in der Zaubermühle ändern. „Die Mühle und der riesige Garten, das schaffen wir alleine nicht mehr. Die Kraft reicht für unser großes Aufgabenfeld nicht mehr aus. Deshalb suchen wir Mitbewohner, die uns im Alltag unterstützen“, sagt Kauter und überlegt: „Wir wünschen uns eine lebendige Hausgemeinschaft. Ob eine junge Familie, die gerne ein Mehrgenerationen-Wohnen leben will, oder Einzelpersonen, die sich zu einer Wohngemeinschaft zusammenfinden, da sind wir offen. Es muss halt passen.“

Vielleicht finden Frascatelli und Tres Face dann auch die Zeit und die Kraft, wieder selbst auf der Bühne zu stehen? „Geplant ist nichts“, wiegelt Hermes Kauter ab. Und schickt gleich einen Hoffnungsschimmer hinterher: „Aber der Gedanke, vielleicht in kleinerem Rahmen oder mit anderen zusammen ab und zu aufzutreten, der ist schon da. Wir werden sehen.“ Ganz klar: Kreativität kennt eben kein Alter.

Was läuft wann?

„Zink“ mit seinem Zauberprogramm „Schrott“ ist ausverkauft. Für das Kindertheater „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ gibt es noch Karten. In einer ganz einmaligen Art beteiligt Kauter & Sauter Kinder aus dem Publikum an seiner Märcheninszenierung. Ein kurzweiliges Theatererlebnis mit fantasievollen Figuren, überraschenden Verwandlungen auf der Bühne und witzigen Spielideen. Für Kinder ab drei Jahren geeignet.

Das Kindertheater wird am Freitag und Samstag, 3. und 4. Januar 2020, jeweils um 15 Uhr gezeigt (Dauer etwa 40 Minuten). Auch die Kuriositätensammlung kann an diesen Tagen besichtigt werden. Der Eintritt kostet für Kinder sieben Euro, für Erwachsene zehn Euro. Ticketverkauf nur telefonisch unter 0 70 33 / 69 48 37. Mehr unter www.zaubermuehle.eu




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