Kultur- und Bürgerhaus Feuerbach Roser-Areal hat runden Geburtstag

Zum Tag der offenen Tür wurde das Haus mit Luftballons geschmückt. Foto: Archiv G. Friedel
Zum Tag der offenen Tür wurde das Haus mit Luftballons geschmückt. Foto: Archiv G. Friedel

Auch das Kultur- und Bürgerhaus hat seine Türen vor zehn Jahren zum ersten Mal geöffnet.

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Feuerbach - Vereinigte Hüttenwerke, städtebauliches Nirwana oder das Niemandsland zwischen Feuerbacher Bahnhof und Leobener Straße: So wurde das Gelände der Lederfabrik Roser im Bezirk oft beschrieben. Doch das war einmal.

Seit zehn Jahren zeigt sich das rund 40 000 Quadratmeter große Areal  in einem anderen Licht. Von einer Industriebrache ist nichts mehr zu sehen. Bürogebäude, ein Baumarkt, Gesundheitszentrum, Pflegeheim oder Einzelhandel sind dort zu finden. Von der mehr als 100-jährigen Geschichte der Firma Roser zeugen heute nur noch das denkmalgeschützte, ehemalige Maschinenhaus, in dem eine Lokalbrauerei untergekommen ist, und das ehemalige Verwaltungsgebäude. Letzteres hat der Leiter des Freien Musikzentrums, Andreas G. Winter, gekauft und es zum Kultur- und Bürgerhaus umgebaut. Zum ersten runden Geburtstag des umfunktionierten Bonatz-Baus zieht er eine positive Bilanz.

Laut Winter lebe das fünfstöckige Gebäude von seiner Vielfalt und seinen unterschiedlichen Angeboten. Die Mobile Jugendarbeit hat an der Stuttgarter Straße 15 genauso ihren Platz gefunden wie das Archiv des Feuerbacher Malers Otto Herrmann. Während Winter mit seiner Musikschule in den zweiten Stock des Gebäudes gezogen ist, hat er im Erdgeschoss für sein Freies Musikzentrum einen Veranstaltungssaal mit rund 240 Plätzen geschaffen. Dort, in der ehemaligen Kantine der Lederfabrik, gastierten in den vergangenen Jahren international geschätzte Pianisten wie Martin Stadtfeld, Ivo Pogorelich oder Till Fellner. Auch Bundestagsabgeordnete und Minister der Landesregierung gaben sich regelmäßig die Klinke in die Hand, wenn Parteien den Saal für ihre Veranstaltungen angemietet hatten.

„Wir müssen die Leute nicht mit dem Lasso einfangen, um sie in die Bürgeretage zu bringen“

Ein Stockwerk darüber befindet sich die sogenannte Bürgeretage. Schon in den 1970er Jahren wurde aus der Feuerbacher Bevölkerung der Wunsch nach einem Bürgerhaus laut, der mit der Einweihung der Räumlichkeiten im Oktober 2002 durch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster in Erfüllung ging. „Es hat sich gezeigt, dass die Bürgeretage angenommen wird“, sagt Gert Dannenmann vom Trägerverein Bürgerhaus Feuerbach. Die Auslastung der Räume sei sehr hoch. Schon am Vormittag würden zum Beispiel Sprachkurse stattfinden, und in den Mittag- sowie Abendstunden seien dann die Vereine vor Ort. „Viele Räume sind abends voll belegt. Wir müssen die Leute nicht mit dem Lasso einfangen, um sie in die Bürgeretage zu bringen. Sie war keine Fehlinvestition“, sagt Dannenmann.

Die Bürgeretage sei ein Ort der Begegnung, ergänzt Andreas G. Winter. Alteingesessene Feuerbacher Vereinsmitglieder, Muslimkreise oder Gruppen aus Südamerika würden hier beispielsweise aufeinander treffen. „Klar gibt es auch Parallelwelten im Haus. Aber das ist kein Problem. Wenn man sich begegnen möchte, klappt das auch.“ Rund 50 000 Besucher seien durchschnittlich jedes Jahr ins Kultur- und Bürgerhaus gekommen, sagt Winter, der sich wünschen würde, dass die Feuerbacher ein bisschen stolzer „auf dieses Gesamtensemble mit dieser einmaligen Mischung“ seien.

Weder er noch Gert Dannenmann wollen sich konkret zu den Diskussionen um einen eventuellen Umzug der Bürgeretage in die Lutherkirche äußern. „Man muss etwas Sinnvolles mit den Räumen der Lutherkirche tun“, sagt Dannenmann. Winter ergänzt: „Es sind tolle Räume, die für Feuerbach erhaltenswert sind. Aber weiter kommentieren möchte ich diese Ideen und Vorschläge aus der Bevölkerung nicht.“




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