Kulturbetriebe in Baden-Württemberg Theater Ulm kontert AfD-Anfrage zu Staatsangehörigkeiten

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Die AfD hat mit ihrer Anfrage zu den Staatsangehörigkeiten von Künstlern in staatlichen Kulturbetrieben die Gemüter erregt. Das Theater Ulm reagiert jetzt mit einer Gegen-Anfrage an die AfD – und landet damit einen viralen Hit.

Der Landtag von Baden-Württemberg – die AfD-Fraktion hier hat mit einer Anfrage zu Staatsangehörigkeiten von Künstlern im Kulturbetrieb Proteststürme ausgelöst. Foto: dpa
Der Landtag von Baden-Württemberg – die AfD-Fraktion hier hat mit einer Anfrage zu Staatsangehörigkeiten von Künstlern im Kulturbetrieb Proteststürme ausgelöst. Foto: dpa

Stuttgart/Ulm - Mit der Frage nach Staatsangehörigkeiten von Künstlern an staatlichen Kulturbetrieben in Baden-Württemberg hat die AfD große Teile derselben gegen sich aufgebracht. Die Landtagsfraktion wollte nicht nur wissen, wie viele Künstler in den Sparten Oper, Schauspiel und Ballett keinen deutschen Pass besitzen, sondern auch, wo sie ausgebildet wurden. Viele empfanden das als Unverfrorenheit und unterstellten der AfD rassistische Beweggründe. Die AfD dementiert das.

Das Theater Ulm hat jetzt eine Gegen-Anfrage an den Landesverband der AfD in Baden-Württemberg gestellt:

Das Theater Ulm fragt nach den Vorstrafen, abgeschlossenen Schulabschlüssen und abgeschlossenen Berufsausbildungen der Mitglieder des AfD-Landesverbands – und landet damit einen viralen Hit. Am Mittwochmittag wurde der Post vom Dienstagabend bereits 3300 Mal auf Facebook geteilt.

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Die Kommentatoren aus dem Umfeld des Theaters nehmen die Aktion überwiegend positiv auf. „Eine tolle Retourkutsche, super Idee!“, schreibt eine Frau in der Kommentarspalte. „Großartig. Die Antwort, falls eine kommt, bitte auch veröffentlichen“, kommentiert eine andere. Natürlich ist die AfD hier zu keiner Antwort verpflichtet – anders als das Kunstministerium bei der offiziellen Landtagsanfrage der AfD, die es beantworten muss, ob es will oder nicht.

Nicht der erste kreative Protest

Das Theater Ulm ist nicht der erste Kritiker, der sich mit kreativem Protest gegen die AfD-Anfrage wehrt. Auch der Stuttgarter Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler empörte sich auf bemerkenswerte Art und Weise, als er eine Analyse seiner eigenen DNA in sozialen Netzwerken veröffentlichte. 36 Prozent als Skandinavier, 28 Prozent als Italiener, knapp 10 Prozent als Deutscher und zu 1,3 Prozent als Nigerianer sei das Ergebnis. „Als ‚schwedischer Italiener’ erkläre ich mich solidarisch mit den vielen Menschen aus so vielen verschiedenen Herkunftsländern, die hier auf den Bühnen des Landes Kultur zum Blühen bringen“, schreib Vosseler dazu.

Am 4. Juli endet die Frist des Kunstministeriums, die AfD-Anfrage zu beantworten. Womöglich könnte die Beantwortung nach der Staatsangehörigkeit der Künstler nicht ganz im Sinne der AfD ausfallen, wie das Ministerium hatte durchblicken lassen. Bevor die Antwort öffentlich gemacht wird, hat die AfD zusätzlich drei Tage Zeit, die Ergebnisse erstzuverwerten.