Kulturelle Unterschiede Indische Freiwillige helfen in der Tafel Bietigheim-Bissingen

Subhadip Manna (links) und Mukul Rawat (rechts) packen mit an. Foto: Simon Granville

Vom weit entfernten Indien in den Kreis Ludwigsburg: Subhadip Manna und Mukul Rawat arbeiten seit zwei Wochen in der Tafel Bietigheim-Bissingen mit. Sie erzählen von ihren ersten Eindrücken und ihren Plänen, wie sie in Deutschland ankommen wollen.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

In einer Einbahnstraße durchlaufen die Menschen die verschiedenen Stationen und füllen dabei ihren Einkaufskorb: gekühlte Produkte, Obst, Gemüse, Backwaren. Hinter aufgereihten Flaschen mit Rapsöl steht Subhadip Manna. Er ist einer der zwei indischen Bundesfreiwilligen, die seit zwei Wochen in der Tafel Bietigheim-Bissingen mitarbeiten. Ein Jahr bleiben sie. Über das Projekt Weltwärts und den Verein der deutsch-indischen Zusammenarbeit sind der 23-Jährige und der 27-jährige Mukul Rawat nach Deutschland gekommen und packen jetzt bei der Verteilung der Lebensmittel mit an. „Es ist eine Bereicherung, wenn wir Menschen verschiedener Kulturen hier haben“, sagt Leiterin Ingrid Brandl.

 

Schon das Jahr zuvor war ein junger Mann aus Indien in der Tafel. Antje Niemann-Nöhm, stellvertretende Vorsitzende, erzählt, dass er zu Beginn Heimweh gehabt habe und ihm ständig kalt gewesen sei. Später aber habe er verlängert und wolle sogar zurück nach Deutschland kommen, um Sozialpädagogik zu studieren.

Tafeln wie in Deutschland gibt es in Indien nicht

Auch Subdahip Manna war in seiner ersten Woche in Bietigheim-Bissingen ständig kalt. In seiner Heimat Purba Medinipur, an der nordöstlichen Küste Indiens, hat es derzeit 43 Grad. Das Konzept der Tafel kennen die beiden Bundesfreiwilligen nicht. In Indien gibt es zwar in den Sikh-Tempeln eine kostenfreie Essensausgabe auf Spendenbasis, jedoch nicht die Möglichkeit, verschiedene Lebensmittel für wenig Geld einzukaufen, erzählen Subhadip Manna und Mukul Rawat.

Beide sind zum ersten Mal im Ausland, Mukul Rawat hat jedoch schon in Indien Deutsch gelernt. Während sie hier sind, leben sie in Gastfamilien in Ochsenburg und Oberriexingen. „Ich wollte wissen, wie es ist, um die Welt zu reisen, eine andere Kultur und fremde Menschen mit anderen Problemen kennenzulernen“, erklärt Mukul Rawat seine Gründe für den Aufenthalt. Zuhause arbeitet er im Management-Bereich und hat sich schon immer für Europa interessiert.

2020 hat er in Indien zwei Deutsche kennengelernt, die auch mit Weltwärts unterwegs waren und in der Region Stuttgart wohnen. Von denen wisse er auch, dass Deutsche häufig distanziert gegenüber Menschen aus dem Ausland seien. Trotzdem sei ihm wichtig, Deutsche kennenzulernen und nicht ausschließlich den Kontakt zu Landsmännern und -frauen zu suchen. Er will sich deshalb im Fitnessstudio anmelden, Subhadip Manna geht an diesem Abend das erste Mal zum Volleyball. Er hat zuhause als Software-Ingenieur gearbeitet und nutzt die Auszeit in Deutschland, um herauszufinden, was er in Zukunft machen möchte.

In der Tafel kaufen auch Menschen ein, die 100 Prozent arbeiten

Bis zu 200 Menschen kaufen in der Bietigheim-Bissinger Tafel täglich ein. Unter den Menschen sind viele Ukrainer, zurzeit auch eine wachsende Zahl an Türken, viele Rentner. „Wir haben auch Leute hier, die arbeiten 100 Prozent und haben die Berechtigung für eine Tafelkarte“, sagt die Leiterin Ingrid Brandl. Das sei besonders bitter. Zehn bis 20 Prozent des gewöhnlichen Kaufpreises zahlen die Kunden in der Tafel für die Produkte: Fünf Cent für einen Apfel, 30 Cent für eine Packung Nudeln.

Anfang April wurden die Öffnungszeiten auf fünf Tage die Woche ausgedehnt, in der Hoffnung, dass sich der Kundenstrom dadurch entzerrt. „Wir haben einen guten Stamm an Ehrenamtlichen“, sagt Brandl. Darunter Rentner, Schüler, viele Menschen aus dem Ausland, beispielsweise der Ukraine, die hier teilweise noch nicht arbeiten dürfen. Nur dienstags und donnerstags fehlen noch Freiwillige. Auch deshalb ist man in der Tafel dankbar wegen der Hilfe der zwei indischen Männer.

Weitere Themen