Kulturforum Weil der Stadt Eine große Feier zum 30. Geburtstag

Der Künstler Johannes Pfeiffer bei der Installation seines „Leuchtrads“ im Seilerturm. Auch dort macht am Sonntag ein Rundgang der Jubiläumsfeier halt. Foto: Hans Kienzle

Vor 30 Jahren ist das Kulturforum in Weil der Stadt gegründet worden. Eine Stiftung des Ehepaar Pees hat es möglich gemacht. Am Sonntag gibt es eine Jubiläumsfeier.

Die Feierlichkeiten haben sich schon vor Wochen angekündigt. Seit Pfingsten trifft man an der Südfassade der Stadtkirche St. Peter und Paul auf eine Installation des Künstlers Johannes Pfeiffer. Dieses Kunstwerk hat Pfeiffer zum 30-jährigen Bestehen des Weil der Städter Kunstforums, das jetzt am Sonntag, 14. Juli, begangen wird, geschaffen. Und nicht nur dieses. Im Seilerturm findet sich ein Leuchtrad von ihm und in der Wendelinskapelle ist derzeit eine Ausstellung mit Zeichnungen und Objekten Pfeiffers zu sehen.

 

Am Jubiläumstag ist eine Führung vorgesehen, bei der es von einem (Kunst-)Ort zum anderen geht und der Künstler Auskunft über seine Arbeiten gibt. Los geht sie gegen 12.30 Uhr bei der St. Peter und Paul-Kirche, wo Pfarrer Gruber die Teilnehmenden mit einem Orgelspiel empfängt. Die Geburtstagsfeier beginnt bereits um 11.30 Uhr im Klösterle, bei der Moritz Winckelmann, Pianist und künstlerischer Leiter von „Klassik im Klösterle“, für Musik sorgt.

Ein Blick zurück auf 30 Jahre Kunstforum

Helmut John, Horst-Peter Schlotter, Susanne von Eltz – sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des Vereins – sowie Beate Kienzle und Steffi R. Cramer, die Kuratorinnen von Pfeiffers Ausstellungen, sitzen um einen Tisch in der Wendelinskapelle und werfen einen Blick zurück auf 30 Jahre Kunstforum. Sie sind sich einig: Die Gründungsmitglieder wollten einen Verein, dem Qualität wichtig ist. Zugleich wollten sie etwas machen, das ihnen gefällt.

Im Juli 1994 präsentierte sich der neue Kulturverein in der Wendelinskapelle. Der ehemalige Bürgermeister Hans-Josef Straub, der zum Geschäftsführer bestellt wurde, sagte damals über die Gründung des Kulturforums, dass die Gründungsmitglieder „die Geburtshelfer“ seien, Rose Schnaufer, die Chefin der Wolldecke, die in vielen Vereinen mit angepackt hat, sei „die Mutter“.

Ziele des Kunstforums Weil der Stadt waren die Förderung des künstlerischen Nachwuchses und die Organisation von Ausstellungen. Eine städtische Sammlung, für die man Kunstwerke erwerben wollte, sowie eine Grafothek, bei der man Grafiken ausleihen kann, wurden anfangs ebenfalls anvisiert. Kunstschauen hatte es schon vorher in Weil der Stadt gegeben, initiiert beispielsweise von der Manufaktur oder dem Münklinger Kultur- und Heimatverein. Das Kunstforum wollte keine Konkurrenz zu ihnen sein, eine Ergänzung wurde angestrebt. Es ging den Gründungsmitgliedern um eine Bündelung der Ausstellungsinteressen von verschiedenen Vereinen und Ortsteilen.

Schon vorher hat es Kunstschauen in Weil der Stadt gegeben

Horst-Peter Schlotter, der seine Arbeiten bei der ersten Ausstellung des Kunstforums zeigte, erinnert sich, dass die damalige Stadträtin Olga Brandl-Engesser der „Katalysator für den Verein“ gewesen sei. „Olga hatte Erfahrung mit dem Kunsthandel,“ sagt Schlotter. Brandl-Engesser und John hätten einst viele Ideen gehabt. „Und Moritz Winkelmann hat damals schon bei Vernissagen gespielt“, weiß Helmut John.

Die Mitglieder des Kunstforums erinnern sich im Gespräch gut daran, wie eine Stiftung des Unternehmers Gerhard Pees und seiner Frau Anneliese es möglich machte, dass das Kunstforum auf die Beine gestellt werden konnte. Das Ehepaar gehörte ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern des Kunstforums. Anneliese Pees war auch im Künstlerischen Beirat des Vereins. Das Ehepaar Pees übergab 1994 einen Scheck über 30 000 Mark an Bürgermeister Straub mit einer dazugehörigen Stiftungsurkunde. Ein Gespräch mit Vertretern der Stadt ergab, dass Weil der Stadt wenig Mittel für künstlerische Aufgaben und Ziele hatte. Gerne sah das Ehepaar Pees ihre Stiftung dafür und eine Galerie verwendet. Susanne von Eltz erinnert sich: „Wir saßen mit unseren Geldgebern im Rappen. Da kam es zur Gründung.“

„Wir haben die Wendelinskapelle ‚okkupiert’“

Die Wendelinskapelle ist der bevorzugte Ausstellungsort des Kunstforums. Schon der ehemalige Bürgermeister Friedrich Knobloch hatte die profane Kapelle ab 1980 von einer Scheune zum Kulturort umwandeln lassen. „Wir haben den Raum inzwischen ‚okkupiert‘“, gibt Helmut John zu. Es gibt aber auch immer wieder Ausstellungen im Steinhaus in Merklingen. „Es ist naheliegend, dass man Künstler anspricht“, meint von Eltz. „Inzwischen melden sich auch welche bei uns“, so John. Die erste Schau im Jahr hat immer eine Verbindung zu den Frauenwochen in Weil der Stadt.

Es gibt einige Ausstellungen, die den Kunstforums-Mitgliedern besonders in Erinnerung geblieben sind. Dazu zählt das „International-Mailart-Project-Johannes-Kepler“ zu den Weiler Heimattagen 1996. Künstler weltweit wurden dafür angeschrieben. „600 Künstlerkarten aus 28 Ländern kamen zurück“, so John. Sie wurden in Plastikfahnen eingetütet und so präsentiert. Im Jahr 2012 war ein Heuhaufen Teil der Ausstellung von Annette Voigt. Eine Besonderheit war auch die Schau mit Arbeiten von Tine Schumann während der Corona-Zeit. Den Vorschriften konform wurden Einblicke auf Schumanns Werke im Innern der Wendelinskapelle durch die Fenster ermöglicht.

Das Kunstforum Weil der Stadt feiert am Sonntag, 14. Juli, ab 11 Uhr sein 30-jähriges Bestehen. Mehr zum Programm unter http://www.kunstforum-weilderstadt.de/.

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