„Viele Dinge werden leichter, wenn man singt!“ Tina Häussermann muss es wissen. Das gehört zu ihrem Beruf. Die Kabarettistin und Sängerin liefert, in die Tasten greifend, Beispiele aus dem Alltag. „Wenn der Partner einmal stinkt, träller’ lieber ‚Theo, hier ist ein Deo‘!“ Auch an anderen Überlegungen lässt die Trägerin des Deutschen Kabarettpreises das Publikum zum Auftakt des Cannstatter Kulturmenüs teilhaben, etwa, was mal auf dem Grabstein stehen könnte. „Vorfahrt hatte aber ich!“ oder für digitale Freunde: „Tina hat die Gruppe verlassen“. Und nervende Männer? Werden mit DHL verschickt. Viele Lacher sind ihr gewiss.
Unter den Schirmen lässt es sich auch bei der Hitze gut aushalten
Freilich auch vom stellvertretenden Bezirksvorsteher Joachim Kübler und Horst Merkle von der Initiative Cannstatter Kulturmenü, die zuvor das Event eröffneten. Der Innenhof am Klösterle vor dem Stadtmuseum von Bad Cannstatt ist sehr gut gefüllt. Unter den Schirmen lässt es sich auch bei der Hitze gut aushalten. Manche der Besucherinnen und Besucher sind schon seit kurz vor zehn Uhr unterwegs, um viele der kulturellen Leckereien zu erleben, die Merkle und seine Mitstreitenden seit über zwei Dekaden alle zwei Jahre an einem Samstag in dem Stuttgarter Stadtbezirk servieren. Rund um die Altstadt bis ans Neckarufer und zur Vorstadt gibt es ab vormittags bis kurz vor Mitternacht in Kirchen, Ex-Fabriken, Galerien, Ateliers und Cafés Ausstellungen, Performances, Lesungen, Führungen, Filme, Theater, Musik, Tanz und mehr.
„Wir waren schon in der Wunderkammer der Galerie Keim“, erzählt eine Frau. „Tolle Ausstellung.“ Andere schwärmen vom Kunstraum 5 und der dortigen Schau „Kunst gegen das Vergessen“, dem Atelierhaus in der Brückenstraße oder „Wortreich“ in der Galerie Wiedmann. Häuser, die schon lange Schmankerl zum Menü beisteuern. „Wir wollen die kulturelle Vielfalt Cannstatts, aber auch die Architektur und den Stadtraum erlebbar machen“, so Horst Merkle. Von Anfang an hätten stets 20 bis 25 Kooperationspartner mitgemacht. „Die Zusammensetzung wechselt immer wieder etwas.“
Neu dabei ist diesmal etwa das Kulturkabinett KKT. Im Innenhof des Zebra (Zentrum der Evangelischen Jugend in Bad Cannstatt im Ludwig-Raiser-Haus) wird die meditative Performance „Theater des Unbewussten“ des Theater 360 Grad gezeigt. Und in der Begegnungsstätte Cannstatter Brücke kommen erstmals Fidgety Feet und s’Dudelsäckle zusammen, also „Old Time Jazz trifft Mundart“. Auch für die Galerie Kunsthöfle ist es eine Premiere: Vor den Schaukästen in der Küblergasse präsentiert der Verein die Facetten der Mitglieder – und gedenkt Helge Bathelts. Der engagierte Gründungsvorsitzende und Ehrenvorsitzende starb am 4. Juli unerwartet 75-jährig.
Duftende Resultate des Seifenschnitzworkshops
Auch in der Galerie Nestel wird ein verstorbener Künstler geehrt mit der Schau „Andi Kluge und die temporäre Künstlerkolonie“. Wortkünstler Timo Brunke rezitiert Kluges Gedicht „Der Pförtner“, einige Zuschauer und Zuhörerinnen haben sich eingefunden. „Pförtner, Pförtner! Einer der letzten Jobs für uns Menschen in dieser Welt“, heißt es da in den Versen, die Kluge 2011 beim Kulturmenü an der Gutbrod’schen Pforte zu K 32 vortrug, beschreibend, welche Tiere so des Tags an ihm vorbeikommen. „Sein Hauptgedicht“, so Brunke, der mit Kluge in poetischem Dialog stand.
Duftende Resultate eines skulpturalen Austauschs sind am Neckarufer zu sehen – beim Seifenschnitzworkshop von Nicolai da Costa. „Einige kamen“, sagt er, während der Techniker, der vorher bei Häussermann den Ton regelte, vorbeieilt in Richtung Kurpark zur Tanzperformance der Schauspielerin Magda Agudelo. Ein Besucher kommentiert das Kulturmenü. „Eher wie ein Büfett, an dem für jeden was dabei ist – wunderbar!“