Kulturnacht in Hemmingen begeistert Auf der Zunge zergehen lassen

„Freyas Karussell“ nennt das Bewegungstheater Unakit seine Performance Foto: /Simon Granville (2)/Mostbacher-Dix

Nach Coronapause hat wieder – heiß ewartet – die Hemminger Kulturnacht stattgefunden: Die sechste Ausgabe bot Kunst, Kultur, Literatur, Musik an 21 Stationen.

Ich habe ein junges Mädchen gesehen – mit Milch und Honig auf ihrem Haupt. Sie kam mir seltsam bekannt vor.“ Kaum hat die Stimme aus dem Zelt ihre Geschichte erzählt, entsteigen deren Protagonisten der Plane: Drei Frauen mit goldenen Masken, eine weiß gewandet mit Mondsichel auf der Perücke, eine in rotem Kleid und bombastischen Tüllhaaren, eine in Schwarz mit Silberkette. Sie bewegen sich nacheinander im Kreis, bevor sie hintereinander wieder im Zelt verschwinden, wie die Figürchen eines Wetterhauses. „Freyas Karussell“ nennt das Bewegungstheater Unakit ihre Performance über den Kreislauf des Lebens, den sie vor der evangelischen Laurentiuskirche aufführen.

 

In letzterer hat gerade Renate Secker ihr Orgelkonzert beendet, Werke von  Johann Sebastian Bach auf Kompositionen des 21. Jahrhunderts und auf ihre abstrahierte Malerei in Acryl- und Mischtechnik treffen lassen. Und auch im Rathaus kommt die Ausstellung und Multivisions-Show der Nabu Foto AG gut an. St. Michael’s Mount, die Gezeiteninsel im Südwesten Großbritanniens vor Cornwall, ist da etwa zu sehen, der Glockenstuhl der Laurentiuskirche oder Impressionen aus Norwegen.

Die Performances, Musikdarbietungen und Ausstellungen sind nur einige Programmpunkte bei der sechsten Hemminger Kulturnacht, die auf dem Alten Schulplatz das Organisationsteam Distelart und Bürgermeister Thomas Schäfer eröffnet haben – unterstützt vom Spielmanns- und Fanfarenzug sowie der Jugend Percussion-Gruppe. Die Musizierenden greifen auch danach immer wieder schwungvoll in die Tasten der Blasinstrumente, etwa um Johann Strauß’ „Radetzky Marsch“ oder Michael Jacksons Hit „Heal the World“,  arrangiert  von Ron Sebregts, zu interpretieren, bevor sie zur Tagespflege Kleeblatt ziehen.

Auch „Auswärtige“ sind begeistert

Insgesamt an 21 Stationen sind bis 23.30 Uhr Kunst, Kultur, Literatur, Musik und mehr zu entdecken. Das Angebot goutieren Alt und Jung – zu Fuß und transportiert in Shuttlebussen. „Solch eine kulturelle Vielfalt ist geboten – und gutes Essen“, schwärmt Siegrid Weiß, die mit Familie unterwegs ist. Sekt und Crêpes bietet etwa das Rote Kreuz, Schweinehals aus dem Backhaus das Ortsgeschichtliche Museum nebst „Mittelalterlicher Musik am Lagerfeuer“.

Auch „Auswärtige“ sind zur Hemminger Kulturnacht gekommen. Darunter zum Beispiel Angelika Kraus aus Flacht, die betont, wie sie sich auf die Kulturnacht gefreut habe. „In der Coronazeit war nichts, es ist toll, was der Ort hier auf die Beine stellt! Auch die vielen Kulturen, die man kennenlernt.“ Sie meint die Musik im evangelischen Gemeindehaus. Dort singt und spielt auf der Bechertrommel Djembé und dem Klavier die Gruppe Kontrast Lieder aus verschiedenen Ländern, verdeutlicht im Song „Sisi Ni Moja – We are one“ die Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten der Menschen.

Schottland-Krimi von Sybille Baecker

Über Schottland und Whisky ist in der Bibliothek zu erfahren. Dort ist die Krimiautorin Sybille Baecker zu Gast, Erfinderin des Tübinger Kommissars Andreas Brander. Sie hat ihren ersten Schottland-Krimi veröffentlicht: In „Sturm über den Highlands“ ermittelt  Alison Dexter, private Ermittlerin aus Inverness. Baecker liest nicht nur aus ihrem Neuling, sondern erzählt auch von ihren Reisen und wie man das schottische Nationalgetränk Scotch verkostet. „Anschauen, Riechen, langsam auf der Zunge zergehen lassen und schauen, wie es wirkt ... bis in die Füße.“ Vier verschiedene Marken stehen in der Bibliothek bereit. Die Verkostung kommt so gut an wie die Lesung.

Wie auch in der Gemeinschaftshalle die Singgemeinschaft oder das Programm im Autohaus Scheller. Das wollen die Schülerinnen Luzie, Kristin und Malen unbedingt sehen. Dort ist der Hof voll: Der Nachwuchs kann mit dem Kinder- und Jugendhaus Astergarten per „Upcycling“ Kunstwerke aus Elektroschrott machen, während erst Werkstattrock von „Stains“, dann Rock & Pop von der Porsche-Band erklingt.

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