Kulturprojekt der Region Spotlight auf die „Kunst am Wegesrand“

Anette C. Halm will die Kunstliebhaber auf einen ganz besonderen Ausflug mitnehmen. Foto: Dimitri Reimer

Die Künstlerin Anette C. Halm möchte Kunstbegeisterte zu einem Spaziergang auf einem digitalen Kunstweg rund um Nürtingen einladen. Das dafür notwendige Geld soll durch eine von der Region unterstützte Crowdfunding-Aktion zusammenkommen.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Nürtingen/Stuttgart - Die Idee passt wunderbar in die aktuelle Situation: Denn das Spazierengehen erlebt in den Zeiten der Pandemie eine Renaissance. Wie wäre es also, das Natur- und Stadterlebnis zu Fuß um eine kulturelle Dimension zu erweitern? Die aktuelle Trägerin des Kunstpreises Nürtingen, Anette C. Halm, hat da einen Vorschlag. Die renommierte Performancekünstlerin möchte einen digitalen Kunstweg durch Nürtingen (Kreis Esslingen) und um die Stadt herum schaffen.

 

An einem oder mehreren Tagen in den kommenden Wochen wollen Künstlerinnen und Künstler unter der Regie von Anette Halm an verschiedenen Stellen der Stadt Performances aufführen. Wer an diesen Live-Erlebnissen aus zeitlichen Gründen – oder weil die Coronaregeln das nicht zulassen – nicht teilnehmen kann, hat nichts verpasst. Denn alle Aufführungen werden aufgezeichnet und Teil der kostenlosen App „Kunst am Wegesrand“. Diese soll allen Kunstbegeisterten die Gelegenheit geben, zum selbst gewählten Zeitpunkt auf den Spuren bekannter und nicht ganz so bekannter historischer Figuren aus Nürtingen zu flanieren.

Auf der Suche nach dem Startkapital

Damit aus der Idee Wirklichkeit wird, braucht Anette Halm Geld. Zwar arbeiten alle Künstler nahezu ehrenamtlich. Und auch die Computerexperten, die letztlich die App an den Start bringen sollen, verlangen nur einen Bruchteil des gewohnten Honorars. Dennoch sind mindestens 5000 Euro als Startkapital notwendig, um das Projekt verwirklichen zu können.

An dieser Stelle kommen die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) und die Kulturregion Stuttgart ins Spiel. Denn vor Kurzem haben beide Organisationen, unterstützt vom Verband Region Stuttgart (VRS), die Crowdfunding-Kampagne „Kulturimpuls Region Stuttgart“ gestartet. Mit der Aktion auf der Internetplattform Startnext wollen regionale Initiatoren freischaffende Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturbetriebe aus der Region Stuttgart dabei unterstützen, Gelder für innovative Kulturprojekte und -veranstaltungen einzuwerben – und ihre Vorhaben auch in der Coronazeit bekannt zu machen. Das erste Projekt, das auf dieser Plattform auf Unterstützung von Firmen, aber auch Privatpersonen hofft, ist der Kunstspaziergang von Anette Halm.

Es fließt auch Geld

Das Besondere an der Aktion: Den Initiatoren geht es nicht nur darum, eine regionalweit beachtete Crowdfunding-Plattform zu schaffen und somit den Künstlerinnen und Künstlern eine möglichst breite Präsentationsmöglichkeit für ihre Ideen zu bieten. Es fließt auch Geld: Denn der VRS hat jene 35 000 Euro, die man gespart hat, weil 2020 der Sommerempfang pandemiebedingt ausfallen musste, in einen Fördertopf gegeben.

Dieser soll nun geleert werden. Das funktioniert so: Eine unabhängige Jury entscheidet, ob das eingereichte Kulturprojekt den Vorgaben entspricht. Wird die Idee für gut befunden, kann das Geldsammeln auf der Plattform beginnen. Für jeden eingesammelten Euro legt die Kulturregion noch einen obendrauf. Damit möglichst viele Kulturschaffende in den Genuss des Sonderzuschusses kommen, werden pro Projekt allerdings maximal 2000 Euro draufgelegt.

Bewerbungsfrist endet am 31. Mai

Sich bewerben können Soloselbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler, gemeinnützige und nicht gemeinnützige Vereine, freie Träger des Kulturbetriebs und der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Kulturämter in der Region Stuttgart. Die Bewerbungsfrist für die Künstler endet am 31. Mai, die Crowdfunding-Kampagne dann einen Monat später.

„Mit der Crowdfunding-Kampagne wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern die Vielfältigkeit der regionalen Kultur vermitteln und sie zur Unterstützung der Projekte motivieren“, sagt Matthias Knecht, der Vorsitzende der Kulturregion Stuttgart. Er betont, dass viele Kulturschaffende und kleinere Kulturbetriebe gerade unter Pandemiebedingungen sehr originelle Konzepte für Projekte entwickelt hätten. Diese wolle man vorstellen.

In Nürtingen etwa werden die Kunstspaziergänger Ottilie Wildermuth, einer der meistgelesenen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, begegnen. Auch eine Tanzperformance unter dem Torbogen des Kroatenhofs ist geplant.

Hier kommt man zur der Crowdfunding-Kampagne.

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