Kulturprojekt in Fellbach Bunte Kunst für starke Persönlichkeiten

Ein Regenbogen aus farbigen Folien ziert als Ergebnis des Projekts den Kunstraum. Foto: privat

Drittklässler der Anne-Frank-Schule in Schmiden machen beim vom Bund geförderten Kooperationsprojekt „Kunst macht stark“ mit. Dabei lernen sie auch einiges über sich selbst.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Dagmar Feuerstein gerät ins Schwärmen, wenn sie über das Kooperationsprojekt „Kultur macht stark“ spricht, das an der Anne-Frank-Schule in Schmiden stattgefunden hat. Besonders begeistert ist die Rektorin darüber, was die Drittklässler dabei geleistet haben. „Wir haben uns immer freitags nach dem Unterricht getroffen. Einmal waren wir auch unterwegs und haben bei der Hitze Stellwände mit der S-Bahn in die Schule transportiert. Und keiner hat schlappgemacht, weil alle hin und weg waren von der ganzen Aktion“, sagt die Schulleiterin der Fellbacher Einrichtung.

 

Auch der Bund Bildender Künstler Berlin ist mit im Boot

„K hoch 4 – Kunst, Kreativität, Kommunikation, Kritik – wir können Kunst!“ ist das mit Bundesmitteln geförderte Projekt überschrieben. Mit im Boot waren die Kunstschule Fellbach und als Kooperationspartner der Württembergische Kunstverein. Als finanzieller Förderer fungierte der Bund Bildender Künstler Berlin (BBK Berlin). „Die Bundesmittel fließen an einen Partner des Ministeriums. Das war in unserem Fall der BBK Berlin. Die bekamen von uns Schilderungen, und wir haben ihnen den Projektplan zur Genehmigung vorgelegt“, erklärt Dagmar Feuerstein das Prozedere des Projekts, das in dieser Form zum ersten, aber – wenn es nach den Wünschen der Rektorin geht – wohl keinesfalls zum letzten Mal an der Anne-Frank-Schule stattfand.

Die Schüler sollten eigene Stärken erarbeiten

Während die Mitglieder des BBK Berlin mit Infos versorgt wurden, ohne persönlich vor Ort zu sein, kümmerten sich akademisch ausgebildete Künstler der Kunstschule Fellbach vor Ort um die Drittklässler. Sie gaben Anregungen, Hilfestellungen und erarbeiteten mit den Schülern unter anderem die Neugestaltung des schulischen Kunstraums, Videodrehs, eine Ausstellung mit Skulpturen und Malerei, Zeichnungen, Fotos und Filmkunst. „Die Mitarbeiter haben intensiven Einsatz gezeigt. So wurde den Kindern die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen, höchst besonderen Stärken zu entdecken, einzusetzen und das sowohl für sich selbst als auch im gemeinsamen Lernen und Schaffen“, sagt Kerstin Schaefer. Die Drittklässler seien sowohl in den Ateliers der Kunstschule als auch im neu umgestalteten Kunstatelier der Schule sowie im Württembergischen Kunstverein Stuttgart unterwegs und kreativ gewesen, sagt die Leiterin der Fellbacher Kunstschule und lobt das Engagement der Rektorin, die so ein Projekt in diesen Zeiten möglich mache. „Die Kooperation hat mir gezeigt, wie viel Liebe, Hingabe und Einsatz unsere Akteure und eben Schulleiterinnen wie Frau Feuerstein aufbringen, um den Kindern ein Optimum an Teilhabe und Stärkung durch und mit Künsten zu ermöglichen.“

Und genau darum, um die Erarbeitung eigener Ideen ohne Vorgaben und enges Korsett, um das Kennenlernen eigener Stärken und um das spielerische Ausprobieren ohne richtig und falsch ging es den Verantwortlichen des Kooperationsprojekts, das ein halbes Jahr lang an der Fellbacher Einrichtung stattfand. Fünfzehn Schüler des dritten Jahrgangs trafen sich dafür einmal wöchentlich nach Schulschluss für eineinhalb Stunden, um sich im praktischen Tun mit der zentralen Frage „Was bringt Kunst?“ auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt des Projekts war der Württembergische Kunstverein als Kultur- und Kunstinstitution. „Durch die Besuche vor Ort konnten die Kinder einen Blick hinter die Kulissen werfen und erleben, wie eine Ausstellung entsteht und was alles zu deren Realisierung notwendig ist. Erleben konnten sie das anhand der Ausstellung der amerikanischen Künstlerin Carrie Mae Weems“, sagt Dagmar Feuerstein und betont, dass der Erfolg bei Künstlerischem positive Veränderungen für Kinder bewirke.

In diese Richtung argumentiert auch Kerstin Schaefer: „Kulturelle Bildung macht resilient und kann auch als Demokratiebildung sehr konstruktive Nebenwirkungen entfalten“, sagt die Leiterin der Fellbacher Kunstschule. Ziel des Kooperationsprojekts sei gewesen, die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein der Kinder über das kreative Tun zu stärken sowie kritisches Denken über die kulturelle Bildung zu ermöglichen.

Die Drittklässler durften das Entstehen einer Ausstellung miterleben

Also wurde gearbeitet und gefilmt. Die Drittklässler durften sehen, wie die Schau von Carrie Mae Weems Formen annahm und wie viel Arbeit damit verbunden war. Sie haben den Umgang mit vielen Medien kennengelernt, konnten mit Ausstellungsmachern und allen Leitungen der beteiligten Institutionen intensiv und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Daneben wurde fotografiert, gebaut, getont und performt. „Sie durften richtig hinter die Kulissen im Württembergischen Kunstverein schauen. Alles entdecken und mit allen sprechen. Zudem haben sie quasi ein Handbuch für Kinder erstellt, das künftig allen kleinen Besuchern eine Hilfestellung sein kann“, sagt Dagmar Feuerstein und fügt an, dass eines der Highlights die Neugestaltung des Kunstschulraums war. Dort wurde unter anderem durch Fenstergestaltung mit farbigen Folien ein Riesenregenbogen gestaltet, der das Zimmer fortan mit buntem Licht erfüllt.

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